Elektronische Gesundheitskarte: Vom Testlabor zur Testregion
Bei einer Veranstaltung der Initiative D21 versicherten die Vertreter der an der Karte beteiligten VerbÀnde, dass man sich im Zeitplan befinde.
Die Vorbereitungen zur elektronischen Gesundheitskarte laufen nach Auskunft der Beteiligten auf Hochtouren. In einem von der Initiative D21 [1] veranstalteten Presseseminar in den RĂ€umen des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit und Soziale Sicherung versicherten die Vertreter der an der Karte beteiligten VerbĂ€nde, dass man sich im Plan befinde.
Dabei prĂ€zisierte Andreas Köhler, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Projektgesellschaft Gematik [2] den Zeitplan nach der "in den wesentlichen Punkten abgeschlossenen QualitĂ€tssicherung der Lösungsarchitektur". Diese war zur CeBIT veröffentlicht worden [3]. Nun sollen gemÀà Köhler in verschiedenen Testlaboratorien alle technischen Details der kartengestĂŒtzten Telematik getestet werden. Erst nach den neu in das Rollout-Szenario aufgenommenen Labor-HĂ€rtetests sollen spĂ€testens im Juli die Testregionen benannt werden, in denen die grundlegende PraktikabilitĂ€t der Gesundheitskarte getestet wird. Noch einen Schritt weiter weg liegt die Wahl der Modellregionen, in denen Karten etwa ab Ende 2005 im gröĂeren Stil ausgegeben werden und die Frage der Akzeptanz der Bevölkerung im Vordergrund steht. FĂŒr den Rest der insgesamt 80 Millionen Versicherten werde die Gesundheitskarte ab 2006 schrittweise eingefĂŒhrt.
Matthias Redders vom nordrhein-westfĂ€lischen Gesundheitsministerium und Koordinator eines Modellprojektes [4], prĂ€zisierte als Vorsitzender der Bund-LĂ€nder-Arbeitsgruppe die Daten zum Heilberufsausweis, der so genannten Health Professional Card (HPC). Ihre Details werden von einer speziellen Projektgruppe zwischen Bund und LĂ€ndern ausgehandelt. Nach den bisherigen Zahlen sollten insgesamt 406.000 Ărzte und Apotheker eine HPC-Karte bekommen, mit denen sie in der medizinischen Telematik authentifiziert werden. Diese Zahlen reprĂ€sentieren jedoch nur die verkammerten Berufe, so Redders. TatsĂ€chlich werden 1.790.000 HPC-Karten ausgegeben werden mĂŒssen, weil Berufsgruppen wie Hebammen, Krankengymnasten und Gesundheitsingenieure eine Karte mit abgestuften Zugriffsrechten brauchen. Auch Wartungstechniker, die EDV-Systeme in Arztpraxen installieren oder reparieren, benötigten eine solche Karte, erlĂ€uterte Redders auf Nachfrage. Es könne nicht angehen, dass Techniker ohne jede Kontrolle arbeiten und womöglich Spione installieren.
Siegfried Jedamzik von der Gesundheitsorganisation GO-IN [5] berichtete von ersten Versuchen mit einem Kiosk-Informationssystem in seiner Praxis, das dermaĂen hĂ€ufig von den Patienten in Anspruch genommen wurde, dass der Rechner jeden Abend "platt" gewesen sei. Jedamzik berichtete von 280.000 PapierpĂ€ssen des GO-IN-Projektes, in die alle Medikamentionen eingetragen werden mĂŒssen. Seit 2001 habe sich in der Region kein Todesfall durch falsch verschriebene Arzneimittel mehr ereignet, vorher seien es ein bis zwei TodesfĂ€lle im Jahr gewesen. Die Arzneimitteldokumentation gehört zu den (freiwilligen) Teilen der Gesundheitskarte, auf die nach dem Lipobay-Skandal die gröĂten Hoffnungen ruhen.
Mit seiner Werbung fĂŒr die Gesundheitskarte ist Jedamzik ein Vorreiter der medizinischen Telematik. Viele Ărzte sind skeptischer. Auf dem am vorigen Freitag in Berlin zu Ende gegangenen 108. Deutschen Ărztetag forderten sie in einer Resolution mehr Zeit fĂŒr die EinfĂŒhrung der Gesundheitskarte, die grundsĂ€tzlich begrĂŒĂt wurde. Doch wĂŒrde ein unangemessener Zeitdruck zu einer erheblichen Verschwendung von Ressourcen fĂŒhren, heiĂt es in der Resolution des Ărztetages. (Detlef Borchers) / (anw [6])
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[1] http://www.initiatived21.de/ssi/fragmente/101.html
[2] http://www.gematik.de/
[3] https://www.heise.de/news/Elektronische-Gesundheitskarte-Loesungsarchitektur-uebergeben-144178.html
[4] http://www.egesundheit.nrw.de/content/index_ger.html
[5] http://www.goin.info/cms/
[6] mailto:anw@heise.de
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