Elektroautos: Regierung fordert Mitarbeit der Autoindustrie
(Bild: dpa, Hendrik Schmidt)
Um die Nachfrage nach E-Autos anzukurbeln, arbeitet die Regierung an einem neuen Förderpaket. Die zustĂ€ndigen Minister machen vor einem Spitzentreffen klar, dass der Staat nicht allein investieren will. Auch die Autoindustrie mĂŒsse sich bewegen.
Die Bundesregierung will die Auto-Konzerne bei einer stĂ€rkeren Förderung der ElektromobilitĂ€t mit in die Pflicht nehmen. "Auch die Industrie muss ihren Beitrag leisten, damit industrielle Fertigung, nicht nur der Fahrzeuge, sondern auch der Batterien hier in Deutschland stattfindet", sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Dienstag in Berlin. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mahnte eine finanzielle Beteiligung der Unternehmen beim Ausbau des Ladenetzes an. Beraten wird weiterhin auch ĂŒber KaufzuschĂŒsse.
Diskussion um KaufprÀmie
Von einem fĂŒr den Abend geplanten Spitzentreffen bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wurden allgemein keine konkreten BeschlĂŒsse erwartet. Dobrindt sagte mit Blick auf das Treffen, insgesamt könne man zu der Ăberlegung kommen, LadesĂ€ulen-Aufbau und Kaufanreize zu kombinieren. Er bekrĂ€ftigte, dass es bei solchen Förder-Ăberlegungen von seiner Seite keine ideologischen Vorbehalte gebe. "Dazu gehört auch die Diskussion um die KaufprĂ€mie."
In der schwarz-roten Koalition sind Gabriel und inzwischen auch CSU-Chef Horst Seehofer mit der Forderung nach KaufzuschĂŒssen vorgeprescht. Merkel hat sich öffentlich noch nicht festgelegt. Gabriel schlĂ€gt konkret 5.000 Euro pro Fahrzeug vor. Die Verbraucherzentralen lehnen staatliche ZuschĂŒsse fĂŒr die Kunden ab. "Bei den hohen Neuwagenpreisen fĂŒr Elektroautos wĂŒrde die jetzt diskutierte PrĂ€mie verpuffen oder einen reinen Mitnahmeeffekt auslösen", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus MĂŒller.
Elektroautos in Deutschland (0 Bilder) [1]
GrĂŒnen-Fraktionschef Anton Hofreiter befĂŒrwortete dagegen eine PrĂ€mie von 5.000 Euro, finanziert durch Kfz-Steuern fĂŒr "ĂŒbermotorisierte Spritfresser". So belaste das den Haushalt nicht. Gabriel sagte, die Hersteller sollten zudem mit dafĂŒr sorgen, dass die hohen Preise fĂŒr E-Autos heruntergehen. Bei Batterien forderte er eine Produktion in Deutschland ein, sie dĂŒrften nicht nur aus SĂŒdostasien oder China zugekauft werden. Die deutsche Branche mĂŒsse "die gesamte industrielle Wertschöpfungskette beherrschen".
Ausbau des Ladenetzes
Das Ladenetz zum Stromtanken solle auch im europÀischen Verbund erweitert werden. Dobrindt und Gabriel nannten als weiteren Impuls, mehr E-Autos in öffentliche Fuhrparks aufnehmen. Auf die Frage nach Ergebnissen des Treffens mit Vertretern der Autobranche bei Merkel sagte Vizekanzler Gabriel, wichtige Entscheidungen brÀuchten Zeit.
Fachleute sprachen sich fĂŒr umfassendere Konzepte aus. "Eine KaufprĂ€mie einzufĂŒhren, ohne aber die MobilitĂ€t als Ganzes auf Nachhaltigkeit auszurichten, ist zu kurzsichtig", sagte die Energieexpertin des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, der Deutschen Presse-Agentur.
Die Nachfrage in Deutschland ist weiter schwach. Im vergangenen Jahr wurden 12.363 Elektroautos neu zugelassen â verglichen mit 3,2 Millionen Pkw. Als Hauptprobleme gelten neben dem vergleichsweise hohen Preis die geringere Reichweite und das noch löchrige Netz an Ladestationen. Vertreter wichtiger Zulieferbranchen sehen die Debatte um KaufprĂ€mien skeptisch. Investitionen in Forschung und Entwicklung seien der bessere Weg, betonte etwa der Maschinenbau-Verband VDMA.
VorgesprÀche in Hamburg
Am Montag berieten Politik und Wirtschaft bereits in Hamburg darĂŒber, wie die Umweltbelastung in GroĂstĂ€dten durch den Autoverkehr [3] verringert werden könnte. Alexander Dobrindt erklĂ€rte: "Unser Ziel ist mehr MobilitĂ€t mit weniger Emissionen". Der Hamburger BĂŒrgermeister Olaf Scholz (SPD) warb fĂŒr gemeinsame Anstrengungen von Politik und Wirtschaft. Man mĂŒsse auf technischen Fortschritt setzen "und gleichzeitig fĂŒr optimale politische Rahmenbedingungen sorgen". (mit Material der dpa) /
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