Elektroauto E3 von Karmann und EWE vorgestellt

Der erste Prototyp des mit dem Stromkonzern EWE entwickelten Viersitzers wurde öffentlich vorgestellt. Für Karmann ist der Wagen ein Hoffnungsträger

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Bremen, 10. November 2009 – OL-E 3 lautet das amtliche Kennzeichen des ersten Prototyps des E3, eines gemeinsam von Karmann und dem norddeutschen Energiekonzern EWE entwickelten Elektroautos. Heute wurde das Fahrzeug offiziell im Bremer Weserstadion vorgestellt, wo es auch für eine Probefahrt bereitstand. Der Reichweite des E3 beträgt nach Firmenangaben rund 170 Kilometer, seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 140 km/h.

Karmann soll für EWE zunächst acht bis zehn Prototypen produzieren, mit denen der in der Region zwischen Ems und Weser beheimatete Energieversorger vor allem deren Einbindung in das Stromnetz (Vehicle to Grid/V2G) erforschen will. Dabei könnten Elektroautos als Netzpuffer dienen, die bei Bedarf Strom ins Versorgungsnetz zurückspeisen. Bis Ende 2009 soll ein zweiter E3 ausgeliefert werden. Der angeschlagene Traditionskonzern Karmann hofft darüber hinaus, im Anschluss an die Prototypen-Fertigung in die Serienfertigung einsteigen zu können.

Elektroauto E3 von Karmann und EWE vorgestellt (2 Bilder)

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), der Bremer Wirtschaftssenator Ralf Nagel (SPD) und EWE-Chef Dr. Werner Brinker stellen den ersten Prototypen des E3 in Bremen vor. (Bild: EWE)

Nach Angaben des EWE-Vorstandsvorsitzenden Werner Brinker denkt der Konzern zurzeit darüber nach, bei Karmann eine Flotte von 100 bis 200 Elektroautos zu bestellen. Auch einige weitere Firmen hätten bereits Interesse signalisiert. Die Wilhelm Karmann GmbH hatte im April Insolvenz angemeldet. Für das Projekt E3 bestehe jedoch keine Gefahr, versicherte Karmann-Sprecher Christian Eick gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa): Die neu gegründete Tochter Karmann E-Mobil GmbH sei unabhängig vom zahlunsunfähigen Mutterunternehmen.

Beim fünftürigen E3 handelt es sich nach EWE-Angaben um einen vollwertigen Viersitzer mit einem Gewicht von knapp 1500 kg. Die Vorderräder des 4,06 Meter langen und 1,50 Meter hohen Wagens treibt ein Elektromotor an, der im Normalbetrieb 37 kW und im "Sportmodus" bis zu 58 kW leistet. Zu den Ausstattungsmerkmalen gehören ABS, ein "Airbagsystem", Servolenkung sowie beheizbare Vordersitze. Die Temperatur im Innenraum lässt sich mit einem "energieeffizienten Heiz-Klima-System mit vollwertiger Klimaanlage" regulieren. Seine Antriebsenergie bezieht der Wagen aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 31,7 kWh, die in Unterboden integriert ist und ohne besondere Kühlung auskommt.

Den innovativen Charakter des E3 soll sein Design deutlich unterstreichen. Geschwungene Lichtbänder an Front und Heck des in Blau-metallic lackierten Wagens muten futuristisch an; Tagfahrlicht und Schlusslicht sind in LED-Technik ausgeführt. Die zum Teil durchsichtige Motorhaube, unter der sich auch der Stromanschluss befindet, ermöglicht zudem einen Blick auf den Batterie-Ladestand.

2012 kann laut Karmann-Sprecher Eick dann voraussichtlich die Serienproduktion beginnen. Man darf gespannt sein, ob sich dann auch Privatleute ein solches Auto leisten können und wollen. Wahrscheinlicher ist wohl, dass die ersten Serien-E3 in Fuhrparks von Firmen und Kommunen ihren Dienst tun werden. Langfristig solle der Verkaufspreis des E3 zwischen 35.000 und 40.000 Euro liegen, sagte EWE-Vorstandsvorsitzender Brinker heute in Bremen – wie bei allen Elektroauto-Projekten ist vor allem die Preisentwicklung bei Li-Ion-Batterien eine große Unbekannte. Zur Höhe der Entwicklungskosten des erst vor rund zehn Monaten gestarteten Gemeinschaftsprojekts wollte Brinker im übrigen keine Angaben machen.

Bis 2020 sollen nach Plänen der Bundesregierung eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Aus dem Konjunkturpaket II stellt sie deshalb für die Erforschung der Technologie 500 Millionen Euro zur Verfügung. Außerdem denkt das Bundesumweltministerium über finanzielle Anreize für Käufer von E-Fahrzeugen nach. (Mit Material der dpa) / (ssu)