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Ehemaliger AUB-Chef belastet Siemens-Spitze

Volker Briegleb

In der AffÀre um verdeckte Zahlungen von Siemens an die konzernfreundliche Arbeitnehmerorganisation AUB hat deren ehemaliger Chef sein Schweigen gebrochen.

Der wegen seiner Verstrickung in die Siemens-AffĂ€re um verdeckte Zahlungen [1] an die konzernfreundliche Arbeitnehmerorganisation AUB inhaftierte Wilhelm Schelsky hat den Siemens-Vorstand belastet. Wie das Magazin Stern in seiner kommenden Ausgabe berichtet, habe der ehemalige AUB-Chef zugegeben, den Auftrag zum Aufbau einer Lobbyorganisation von "der Konzernspitze" erhalten zu haben. Mit den von Siemens an Schelsky gezahlten Millionen-Honoraren hĂ€tte die AUB gestĂ€rkt werden sollen. "Es gab einen klaren Auftrag aus der Konzernspitze. Der Plan kam aus dem Zentralvorstand", zitiert das Magazin den ehemaligen Chef der Organisation. Schelsky war Mitte Februar festgenommen worden. Ihm wird Steuerhinterziehung und Beihilfe zu Untreue vorgeworfen. Über Berater-Firmen soll der heute 58-JĂ€hrige seit 2001 angeblich rund 45 Millionen Euro von Siemens kassiert haben.

Der Beratervertrag sei von dem beurlaubten Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer unterschrieben worden. Feldmayer, gegen den ebenfalls ermittelt wird und der Ende MĂ€rz vorĂŒbergehend festgenommen [2] worden war, soll nach Informationen des Stern den Zweck der Zahlungen gegenĂŒber der Staatsanwaltschaft NĂŒrnberg bestĂ€tigt haben. Die Ermittler hatten Feldmayer wieder auf freien Fuß [3] gesetzt, nachdem er umfangreich ausgesagt haben soll. Feldmayer habe "die Sache historisch ĂŒbernommen", wie es sein Anwalt im Stern ausdrĂŒckt. Die Überweisungen an Schelsky sollen bis Anfang der 90er-Jahre, weit vor Feldmayers Zeit, zurĂŒckreichen.

Direkte Anweisungen ĂŒber die Verwendung der Gelder will Schelsky nicht erhalten haben. "Ich war von Siemens vollstĂ€ndig unabhĂ€ngig in der Ausgestaltung meiner AuftragserfĂŒllung. Es gab weder Vorschriften ĂŒber die Inhalte meiner TĂ€tigkeit noch eine Aufforderung, Bericht zu erstatten. Man hat mir vertraut." Entscheidungen von BetriebsrĂ€ten sollen nach Schelskys Angaben nicht erkauft worden sein. (vbr [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-133937

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Korruptionsaffaere-IG-Metall-droht-Siemens-162690.html
[2] https://www.heise.de/news/Schlimmer-geht-es-immer-Schock-bei-Siemens-nach-Vorstandsverhaftung-162214.html
[3] https://www.heise.de/news/Siemens-Vorstand-Feldmayer-wieder-auf-freiem-Fuss-165074.html
[4] mailto:vbr@heise.de