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EU will Navigationssystem Galileo mit EGNOS genauer machen

Peter-Michael Ziegler

EGNOS ermöglicht Àhnlich wie die US-amerikanische Variante WAAS (Wide Area Augmentation System) eine zuverlÀssigere und genauere Positionsbestimmung bei der Satelliten-Navigation.

Die EU-Kommission [1] hat vorgeschlagen, das Navigationssystem EGNOS schon jetzt in das geplante europĂ€ische Satellitensystem Galileo zu integrieren. Die Verwaltung der beiden Programme solle zu einer institutionellen Einheit zusammengelegt und ein Konzessionsvertrag mit einem Unternehmen geschlossen werden, das ab Juni 2004 mit dem Betrieb von EGNOS beauftragt wird, teilte die Vize-PrĂ€sidentin der Kommission, Loyola de Palacio, am Freitag in BrĂŒssel mit.

Bis 2008 sollen fĂŒr das 3,5 Milliarden Euro teure Navigationssystem Galileo insgesamt 30 Satelliten ins All [2] geschossen werden, die den gesamten Globus abdecken und eine prĂ€zisere Navigation ermöglichen als der US-Konkurrent GPS (Global Positioning System). Die Entwicklungsphase soll noch diesem Jahr beginnen. Geplant ist zunĂ€chst der Start von vier Test-Satelliten. Die Kosten von geschĂ€tzten 1,1 Milliarden Euro ĂŒbernehmen jeweils zur HĂ€lfte die ESA und die EU-Kommission.

EGNOS steht fĂŒr European Geostationary Navigation Overlay Service (EuropĂ€ische Erweiterung des geostationĂ€ren Navigationssystems) und ermöglicht Ă€hnlich wie die US-amerikanische Variante WAAS (Wide Area Augmentation System) eine zuverlĂ€ssigere und genauere Positionsbestimmung bei der Satelliten-Navigation. Derzeit befindet sich EGNOS allerdings noch im Testbetrieb als so genanntes ESTB (EGNOS Satellite Test Bed) und ist auf das Satelliten-Navigationssystem GPS des US-MilitĂ€rs angewiesen.

Um die Genauigkeit des GPS-Systems zu erhöhen, wurden europaweit zahlreiche GPS-Empfangsstationen, so genannte RIMS (Ranging and Integrity Monitor Stations), aufgebaut, die zur Entfernungsmessung und IntegritĂ€tsbeobachtung genutzt werden. Über diese Stationen, deren Standort bis auf wenige Zentimeter bekannt ist, lassen sich zum Beispiel Differenzen zwischen den tatsĂ€chlichen Standortpositionen und den vom GPS ermittelten Positionen messen, die durch Signalverzerrungen in der IonosphĂ€re entstehen. Die Daten aller RIMS werden kontinuierlich an eine EGNOS-Hauptrechenstation transferiert, dort weitere mögliche VerzerrungseinflĂŒsse wie Uhrenfehler der Satelliten oder Umlaufbahnschwankungen errechnet und die Daten als zusĂ€tzliches Korrektursignal ĂŒber GPS-unabhĂ€ngige Satelliten -- Inmarsat-Satelliten etwa, die normalerweise fĂŒr Telefonverbindungen genutzt werden -- ausgestrahlt.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Eingliederung von EGNOS die Indienststellung von Galileo erleichtern wird, da es dazu "beitrĂ€gt, die Zahl der Anwendungen der Satellitennavigation zu erhöhen und die fĂŒr die Zertifizierung und Zulassung notwendigen Verfahren abzuschließen". Eine vom Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers erstellte Studie komme zu dem Ergebnis, dass erhebliche Einsparungen bei den Betriebskosten des kĂŒnftigen Systems Galileo erzielt werden können -- "dank EGNOS dĂŒrften die von Galileo erzielten Nettoeinnahmen um 166 Millionen Euro ansteigen." (pmz [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-76653

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.eu-kommission.de
[2] https://www.heise.de/news/Kein-Ende-beim-Zank-um-Navigationssystem-Galileo-72249.html
[3] mailto:pmz@ct.de