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EU bekommt neuen Rechtsrahmen fĂŒr Telecom-Markt

Die 27 EU-Botschafter haben einem Kompromiss der UnterhÀndler der tschechischen EU-RatsprÀsidentschaft und des EU-Parlaments zum Telecom-Paket zugestimmt. Die noch ausstehende Zustimmung des Ministerrats und des Parlaments gilt nun als Formsache.

Die EuropĂ€ische Union hat die Weichen gestellt fĂŒr einen neuen Rechtsrahmen fĂŒr die TelekommunikationsmĂ€rkte. Die 27 EU-Botschafter haben einem Kompromiss [1] der zustĂ€ndigen UnterhĂ€ndler der tschechischen EU-RatsprĂ€sidentschaft und des Europaparlaments zum umstrittenen Telecom-Paket zugestimmt, wie es heute in BrĂŒssel aus Diplomatenkreisen hieß. Damit herrsche grundsĂ€tzlich Einigkeit, dass der neue Rechtsrahmen fĂŒr den EU-Telekommunikationsmarkt vom Parlament nĂ€chste Woche in zweiter Lesung beschlossen werden könne. Auch der EU-Ministerrat – das Gremium der EU-Staaten – muss dem Gesetzespaket noch zustimmen, was nach dem grĂŒnen Licht der Botschafter aber nur noch als eine Formsache gilt.

Das Telecom-Paket soll eine neue Gesetzesgrundlage fĂŒr den Telekomsektor schaffen. Es besteht aus mehreren Richtlinien. Darunter sind Bestimmungen zum Urheberrechtsschutz oder Vorgaben ĂŒber die Verteilung freiwerdender Frequenzen, wenn der Rundfunk von analog auf digital umgestellt wird. Außerdem wird die bestehende Gruppe der nationalen Regulierer formal zu einer neuen europĂ€ischen Agentur umgebaut (Body of European Regulators for Electronic Communications/Berec).

FĂŒr Deutschland besonders wichtig ist ein neues GeschĂ€ftsmodell, das eine "Risikoteilung" zwischen den Ex-Monopolisten wie der Deutschen Telekom oder der spanischen TelefĂłnica und kleineren Anbietern ermöglicht. Großinvestoren sollen so ihre Konkurrenten ĂŒber langfristige VertrĂ€ge oder Mindestabnahmemengen am Risiko beteiligen können. Diese können von gĂŒnstigeren Konditionen profitieren. EU-Experten betonen, dass es bislang in der Branche, aber auch seitens der EU-Kommission Unsicherheiten gegeben habe, ob diese Risikoteilung wettbewerbsrechtlich möglich ist.

Das Telecom-Paket erlaubt dies nun explizit, schreibt aber vor, dass die Deutsche Telekom nach Investitionen in teure Glasfasernetze andere Diensteanbieter nicht von der Nutzung ausschließen oder benachteiligen darf. "Wer Geld in die Hand nimmt, soll davon profitieren dĂŒrfen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass neue MĂ€rkte zementiert werden sollen", sagte die Vorsitzende des zustĂ€ndigen Industrieausschusses des Europaparlaments, Angelika Niebler (CSU).

Am Dienstagabend hatten sich Vertreter der tschechischen EU-RatsprĂ€sidentschaft und des Europaparlaments in einem letzten Streitpunkt geeinigt. Dem Kompromiss zufolge dĂŒrfen die Rechte von Internetnutzern nur in AusnahmefĂ€llen beschnitten werden. Die Meinungs- und Informationsfreiheit schĂŒtze grundsĂ€tzlich auch Internetnutzer, die illegal Inhalte auf ihre Festplatte laden, sagten Diplomaten. Maßnahmen mĂŒssten durch ein unabhĂ€ngiges Tribunal angeordnet werden.

Frankreich konnte sich damit mit einer von Nichtregierungsorganisationen scharf kritisierten Forderung nicht durchsetzen. Paris hatte gefordert, Internet-Nutzern nach dreimaligem UrheberrechtsverstĂ¶ĂŸen den Zugang zum Internet ohne Gerichtsbeschluss sperren zu dĂŒrfen.

Zum EU-Telecom-Paket siehe auch:

(dpa) / (anw [5])


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[1] https://www.heise.de/news/Weg-fuer-EU-Telecom-Paket-frei-216548.html
[2] https://www.heise.de/news/Weg-fuer-EU-Telecom-Paket-frei-216548.html
[3] https://www.heise.de/news/EU-Parlamentsausschuss-sieht-bei-Internetsperren-Diskussionsbedarf-214615.html
[4] https://www.heise.de/news/Internet-Sperren-fuer-Urheberrechtsverletzer-bleiben-auf-der-EU-Agenda-214158.html
[5] mailto:anw@heise.de