EU-PrÀsidentschaftsprogramm vorgestellt
Deutschland, Portugal und Slowenien wollen ihre jeweilige RatsprÀsidentschaft dazu nutzen, den Kampf gegen Terror und die Visa-Erteilung europaweit zu vereinheitlichen.
Deutschland, Portugal und Slowenien haben sich darauf verstĂ€ndigt, ihre jeweilige EU-RatsprĂ€sidentschaft zu nutzen, um den Kampf gegen Terror und die Visa-Erteilung beziehungsweise Abschiebepolitik europaweit zu vereinheitlichen. Dies geht aus einer gemeinsamen ErklĂ€rung [1] hervor, die gestern veröffentlicht wurde. Am 1. Januar 2007 beginnt die EU-RatsprĂ€sidentschaft der Bundesrepublik Deutschland, gefolgt von Portugal am 1. Juli 2007 und Slowenien am 1. Januar 2008. Bei einem Arbeitstreffen hatten die Innenminister der drei LĂ€nder die Schwerpunkte fĂŒr ein gemeinsames PrĂ€sidentschaftsprogramm festgelegt.
Im Kampf gegen den Terror soll das Informationssystem Schengen II so schnell wie möglich in den Wirkbetrieb gehen. Es sollte ursprĂŒnglich im Juni 2007 starten, dĂŒrfte aber nach zahlreichen Problemen [2] nach Ansicht von Fachleuten nicht vor 2008 in der Polizeipraxis eine Rolle spielen. Weiter soll der "operative Mehrwert" von Europol verbessert und rechtlich abgesichert werden. Dahinter steht die Idee, dass Europol-Ermittler in der Art eines Euro-FBI europaweit tĂ€tig werden können.
SchlieĂlich soll der Kampf gegen den Terror mit einem umfassenden Informationsaustausch gefĂŒhrt werden, wĂ€hrend gefĂ€hrliche Informationen verschwinden sollen: "Im Internet veröffentlichte Anleitungen zum Bau von Spreng- und BrandsĂ€tzen mĂŒssen europaweit strafrechtlich sanktioniert und die Strafverfolgung abgestimmt werden. Internetseiten mit strafbarem Inhalt mĂŒssen gesperrt, Grundstoffe zur Herstellung von Explosivstoffen mĂŒssen strenger kontrollieren werden." Der in Deutschland eingeleitete Aufbau einer Internet Monitoring und Analysestelle [3] (IMAS) soll auf europĂ€ischer Ebene zu Ă€hnlichen Behörden in anderen LĂ€ndern fĂŒhren.
Im Kampf gegen illegale Migration soll das europÀische Visa-Informationssystem (VIS) weiter ausgebaut werden. Eine europaweit einheitliche Visa-Vergabepolitik soll das so genannte Visa-Shopping verhindern, bei dem Parallel- beziehungsweise KettenantrÀge in verschiedenen EU-LÀndern gestellt werden. Das erhöht die Chance auf Erteilung oder VerlÀngerung eines Visums.
Weiter heiĂt es in der ErklĂ€rung der drei Innenminister: "Die Nutzung biometrischer Merkmale im Visumverfahren, in Aufenthaltstiteln, PĂ€ssen und anderen Ausweisdokumenten ist ein zentraler Baustein der europĂ€ischen Sicherheitsarchitektur. Wir werden uns dafĂŒr einsetzen, die Harmonisierungsarbeiten in diesem Bereich voranzutreiben, um auch mit PartnerlĂ€ndern auĂerhalb der EuropĂ€ischen Union zu gemeinsamen Standards zu gelangen."
Vor wenigen Tagen hatte August Hanning, StaatssekretĂ€r im Bundesinnenministerium von den PlĂ€nen fĂŒr eine elektronische AuslĂ€nderkarte [4] berichtet, die analog zum neuen elektronischen Personalausweis eingefĂŒhrt werden soll. Nicht nur Deutsche, sondern auch AuslĂ€nder sollen Hanning zufolge mit der biometrischen Technik bequemer identifiziert werden und vom Komfort der neuen Technologie beim sicheren Behördengang im E-Government profitieren. Zu den biometrischen Merkmalen im elektronischen Aufenthaltstitel hatte Hanning erklĂ€rt: "Was die Biometriefunktion anbelangt, folgen wir einer Entwicklung auf europĂ€ischer Ebene, die voraussichtlich in KĂŒrze zur Verabschiedung einer Ănderung der EG-Verordnung ĂŒber die einheitliche Gestaltung von Aufenthaltstiteln fĂŒhren wird." Die angekĂŒndigten PlĂ€ne der drei Innenminister deuten darauf hin, dass diese einheitliche Gestaltung der Aufenthaltstitel mit biometrischen Merkmalen ein "Leuchtturm-Projekt" der drei RatsprĂ€sidentschaften sein wird. (Detlef Borchers)/ (cp [5])
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[1] http://www.bmi.bund.de/cln_028/nn_122688/Internet/Content/Nachrichten/Pressemitteilungen/2006/10/Praesidentschaftsprogramm__Innenminister.html
[2] https://www.heise.de/news/Informationssystem-Schengen-II-verzoegert-sich-145038.html
[3] https://www.heise.de/news/Bericht-Anti-Terror-Zentrum-ueberwacht-Online-Aktivitaeten-165234.html
[4] https://www.heise.de/news/Bundesregierung-will-elektronische-Auslaenderkarte-einfuehren-166862.html
[5] mailto:cp@ct.de
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