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EU-Parlamentarier protestieren gegen Nackt-Scanner an FlughÀfen

Andreas Wilkens

Die EU-Kommission plant die Zulassung von Ganzkörperscannern, die Personen bis auf die Haut durchleuchten. Gegen diese PlÀne strÀuben sich Abgeordnete des EU-Parlaments.

Abgeordnete des EuropĂ€ischen Parlaments kritisieren PlĂ€ne der EU-Kommission, den Einsatz von Ganzkörper-Scannern ab 2010 an FlughĂ€fen zuzulassen. Mit den GerĂ€ten sollen GegenstĂ€nde erkennbar werden, die Metalldetektoren nicht aufspĂŒren können. Allerdings durchleuchten die Scanner die Menschen bis auf die Haut und machen körperliche Details sichtbar. Beispielsweise GerĂ€te, die am Göteborger Flughafen zum Einsatz kommen [1], arbeiten rein passiv mit der allgegenwĂ€rtigen Strahlung im Millimeterbereich: Durch Auswertung der verschiedenen Reflexions- und Absorptionseigenschaften von Kleidung, GegenstĂ€nden und menschlichem Gewebe lassen sich Körperkonturen sichtbar machen. Backscatter-Röntgentechnik wiederum [2] nutzt die Compton-Streuung normaler Röntgenstrahlen an OberflĂ€chen. Auch mittels Terahertz-Strahlung [3] lĂ€sst sich eine Person bis unter die Kleidung durchleuchten.

Mitglieder des Justizausschusses des EU-Parlaments verlangen von der EU-Kommission AuskĂŒnfte ĂŒber das Vorhaben, beispielsweise wie die Betrachtung von Genitalien und von anderen intimen Körperteilen verhindert werden soll. Außerdem verlangten sie eine wissenschaftliche Bewertung möglicher Gesundheitsrisiken.

Der SPD-Abgeordnete des EuropĂ€ischen Parlaments und Innenexperte Wolfgang Kreissl-Dörfler meint [4], es mĂŒsse geprĂŒft werden, ob der Sicherheitsgewinn einen solch schweren Eingriff in die PrivatsphĂ€re rechtfertigt. Es sei fraglich, ob die Scanner-Bilder mehr Sicherheit bieten als das gezielte Abtasten und ÜberprĂŒfen verdĂ€chtiger FluggĂ€ste.

Das Parlament diskutiert in dieser Woche neben dem Einsatz von Körperscannern an FlughĂ€fen die Weitergabe von Flugpassagierdaten [5]. In beiden FĂ€llen ist nach Meinung von Kreissl-Dörfler unklar, ob die Eingriffe in die PrivatsphĂ€re der FluggĂ€ste ein wirkliches "Mehr" an Sicherheit bringe. Bei der weitreichenden Speicherung von Fluggastdaten fĂŒr 13 Jahre hĂ€tten die SPD-Abgeordneten erheblichen Zweifel. Die EU dĂŒrfe bei der BekĂ€mpfung des Terrorismus nicht die Gelegenheit verpassen, den Weg der Besonnenheit einzuschlagen.

Die "Nacktscanner" werden derzeit in Los Angeles, New York, Amsterdam, London und ZĂŒrich getestet. Sie erstellen mit Hilfe von Terahertzstrahlen ein 3D-Bild, auf dem der Fluggast ohne Kleidung erscheint. EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani will das neue GerĂ€t auf die europĂ€ische Liste erlaubter Sicherheitskontrollen setzen. Dagegen protestiert [6] auch die grĂŒne EU-Parlamentarierin Eva Lichtenberger. Der Einsatz von Bodyscannern an FlughĂ€fen fĂŒhre zu tiefen Eingriffen in Grundrechte und verletze den Schutz der persönlichen WĂŒrde. "Ob diesem Eingriff ein tatsĂ€chlicher Sicherheitsgewinn gegenĂŒbersteht, wurde offensichtlich nicht einmal untersucht."

Die EU-Kommission hat nach Darstellung von Lichtenberger dieses Thema nur sehr "technisch" abgehandelt: Durch eine ErgĂ€nzung bei den gemeinsamen, grundlegenden Standards fĂŒr die Sicherheit in der Luftfahrt habe sie eine Definition eingeschleust, die das Bodyscanning mit einschloss. Mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit und eventuelle Rechtsfolgen seien nicht ĂŒberprĂŒft worden.

Der Verkehrsexperte der CDU im Europaparlament, Georg Jarzembowski, sagt hingegen laut einem Bericht der SĂŒddeutschen Zeitung, die Rechte des Parlaments wĂŒrden nicht beschnitten. EU-Kommissar Tajani habe den federfĂŒhrenden Verkehrsausschuss eingeschaltet. Er habe drei Bedingungen fĂŒr eine Zulassung akzeptiert. Demnach dĂŒrfe kein Passagier gezwungen werden, durch einen Körperscanner zu gehen. Die Kontrolleure an den Bildschirmen mĂŒssten von den durchleuchteten Menschen "rĂ€umlich getrennt" sitzen und die Nacktbilder dĂŒrften zudem nicht gespeichert werden.

In Deutschland wird noch kein Nackt-Scanner an Flughafen eingesetzt. Die Bundespolizei testet laut Medienbrichten derzeit ein solches GerĂ€t in einem Laborversuch. Die Frist fĂŒr EinsprĂŒche des Europaparlaments gegen die neue Sicherheitstechnik lĂ€uft Anfang Dezember aus. Die EU-Kommission plant zuvor noch ein Expertenseminar fĂŒr die Abgeordneten.

Siehe zum Thema auch:

(anw [11])


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[1] https://www.heise.de/news/Goeteborger-Flughafen-testet-passive-Personenscanner-152079.html
[2] https://www.heise.de/news/US-Regierung-plant-Roentgendurchleuchtung-von-Flugpassagieren-109841.html
[3] https://www.heise.de/news/Huellenlose-ueberwachung-139970.html
[4] http://www.kreissl-doerfler.de/index.php?number=233&page_id=210〈=de
[5] https://www.heise.de/news/EU-Rat-verfolgt-eigenen-Weg-bei-Fluggastdaten-194308.html
[6] http://eurogreens.at/europa/artikel/lesen/36648/
[7] https://www.heise.de/news/Goeteborger-Flughafen-testet-passive-Personenscanner-152079.html
[8] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/13/13080/1.html
[9] https://www.heise.de/news/US-Regierung-plant-Roentgendurchleuchtung-von-Flugpassagieren-109841.html
[10] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/2002/17/94
[11] mailto:anw@heise.de