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EU-Parlament fordert schÀrferes Vorgehen gegen Kinderpornografie und "Revenge Porn"

Stefan Krempl
EU-Parlament fordert schÀrferes Vorgehen gegen Kinderpornografie und

Die Abgeordneten sorgen sich um pornografische Darstellungen aus Rache, DirektĂŒbertragungen von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs sowie das Darknet und plĂ€dieren fĂŒr den Austausch schwarzer Listen mit der Polizei.

Die EU-LĂ€nder sollen den Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern verstĂ€rken. DafĂŒr hat sich das EU-Parlament am Donnerstag in einer mit großer Mehrheit bei nur sechs Gegenstimmen und 20 Enthaltungen angenommenen Entschließung ausgesprochen [1]. Die Abgeordneten bedauern in dem Bericht, dass die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung einer Richtlinie von 2011 [2] "mit erheblichen Schwierigkeiten zu kĂ€mpfen hatten" und deren Potenzial bislang nicht vollstĂ€ndig ausgeschöpft sei. Es hapere vor allem an den Punkten PrĂ€vention, Strafverfolgung und Opferschutz.

Laut den EU-Vorgaben sollen die nationalen Regierungen alles Notwendige tun, um Missbrauchsdarstellungen an der Quelle im Web entfernen zu lassen. ZulĂ€ssig sind aber auch Websperren, wenn staatliche Akteure mit ihren Löschaufforderungen [3] nicht weiterkommen und die Blockaden in einem "transparenten Verfahren" vorgeschrieben werden. Insgesamt halten die Abgeordneten Sperrmechanismen derzeit aber noch fĂŒr zu undurchsichtig. Sie monieren, dass es keine Angaben zur Anzahl der Webseiten gebe, die in einzelnen LĂ€ndern auf Sperrlisten stehen. Zudem sei bislang nicht evaluiert worden, ob Sicherheitsvorkehrungen wie VerschlĂŒsselung tatsĂ€chlich gewĂ€hrleisteten, dass die brisanten Verzeichnisse nicht durchsickerten.

Die nationalen Behörden sollen nach dem Willen der Abgeordneten die Zusammenarbeit mit der Internetbranche sowie mit DrittlĂ€ndern und Interpol verstĂ€rken, um Verfahren zu beschleunigen, ĂŒber die rechtswidrige Inhalte vor allem im Ausland gemeldet und gelöscht werden können. Das Parlament drĂ€ngt hier darauf, schwarze Listen von Webseiten unter den Mitgliedstaaten sowie mit Interpol und Europol stĂ€ndig aktualisiert auszutauschen und Providern zu ĂŒbermitteln. Dabei könnten auch "neu entwickelte Streuspeicherungstechnik mit automatischer Bilderkennung eingesetzt werden".

Schwer besorgt zeigen sich die Volksvertreter angesichts der "zunehmenden Anzahl von DirektĂŒbertragungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet, bei denen die TĂ€ter technische Neuerungen geschickt und innovativ zu nutzen wissen". An die Mitgliedstaaten geht daher der Appell, ebenfalls "innovative technische Lösungen" einzusetzen, mit denen solche Streamings "aufgedeckt und gesperrt werden können". Dabei sollten auch Zahlungen fĂŒr solche Dienste unterbunden werden.

Die Parlamentarier werben auch fĂŒr spezifische Maßnahmen zur BekĂ€mpfung neuer Formen der Online-KriminalitĂ€t wie die Verbreitung pornografischer Darstellungen aus Rache ("Revenge Porn [4]") und sexuelle Erpressung. Alle EU-LĂ€nder sollten zudem neben dem Online-Grooming auch das Cyberstalking [5] und andere Anlockarten strafbar machen, ĂŒber die sich TĂ€ter im Internet an Kinder heranpirschen.

Der verstĂ€rkte Einsatz von Technik fĂŒr "Carrier-grade NAT [6] ", also zur NetzwerkadressĂŒbersetzung auf Betreiberebene, stĂ¶ĂŸt den Abgeordneten ebenfalls ĂŒbel auf. Damit könnten mehrere Nutzer gleichzeitig ein und dieselbe IP-Adresse nutzen, wodurch "die Online-Sicherheit und die Möglichkeit, eine Haftung zu begrĂŒnden, gefĂ€hrdet werden". Die Mitgliedsstaaten sollten sich daher dafĂŒr einsetzen, "die Nutzung der CGN-Technik auslaufen zu lassen und die erforderlichen Investitionen fĂŒr die schnellstmögliche Annahme der nĂ€chsten Generation von Internetprotokoll-Adressen (Version 6 / IPv6) zu tĂ€tigen".

Generell hĂ€lt das Parlament angemessene Finanz- und Personalmittel, einen verbesserten grenzĂŒberschreitenden Informationsaustausch und digitale Ermittlungstechniken auf dem neuesten Stand fĂŒr wichtig zum Schutz von Kindern. GegenĂŒber sexuellem Missbrauch mĂŒsse "online und offline" eine Null-Toleranz-Politik gelten, betonte die Berichterstatterin Anna Maria Corazza Bildt von der konservativen EVP-Fraktion. Gerade Migranten seien im Kindesalter durch Missbrauch, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung gefĂ€hrdet, sodass auch hier in Europa noch Handlungsbedarf bestehe, um etwa Vermisste schneller aufzuspĂŒren. (anw [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3918466

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20171208IPR89956/eu-lander-mussen-kampf-gegen-sexuellen-missbrauch-von-kindern-verstarken
[2] https://www.heise.de/news/EU-Parlament-fuer-bessere-Bekaempfung-von-Kinderpornographie-1367686.html
[3] https://www.heise.de/news/BKA-Hoehere-Loeschquote-bei-Kinderpornografie-aus-dem-Netz-3823469.html
[4] https://www.heise.de/news/Facebook-will-Rachepornos-bekaempfen-mit-Nacktbildern-3884107.html
[5] https://www.heise.de/news/BPjM-will-besseren-Jugendschutz-im-Netz-3776966.html
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Carrier-grade_NAT
[7] mailto:anw@heise.de