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EU-Kommission will gegen Pkw-Maut vorgehen

Martin Franz

Die EU-Kommission wird rechtlich gegen die auch in Deutschland umstrittene Pkw-Maut vorgehen. Man habe „erhebliche Zweifel“, dass das Gesetz das Prinzip der Nicht-Diskriminierung von AuslĂ€ndern erfĂŒlle, sagte EU-KommissionsprĂ€sident Jean-Claude Juncker

Die EU-Kommission wird rechtlich gegen die auch in Deutschland umstrittene Pkw-Maut vorgehen. Man habe „erhebliche Zweifel“, dass das Gesetz das Prinzip der Nicht-Diskriminierung von AuslĂ€ndern erfĂŒlle, sagte EU-KommissionsprĂ€sident Jean-Claude Juncker der SĂŒddeutschen Zeitung (Montag). „Diese Zweifel muss die Kommission als HĂŒterin der VertrĂ€ge nun in einem Vertragsverletzungsverfahren klĂ€ren, wenn nötig vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof.“ Die Nicht-Diskriminierung sei ein fundamentales Vertragsprinzip.

Auch die Welt hatte am Samstag unter Berufung auf namentlich nicht genannte hochrangige Kommissionskreise von dem geplanten Verfahren gegen Deutschland berichtet. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin sagte dazu: „Es liegt keine Mitteilung der EU-Kommission vor. Der Deutsche Bundestag und der Bundesrat haben europarechtskonforme Gesetze beschlossen.“ CSU-GeneralsekretĂ€r Andreas Scheuer griff in der CSU-Zeitung Bayernkurier die EU-Kommission scharf an: „Das stĂ€ndige Einmischen in nationale Gesetzgebungskompetenzen seitens der EU schadet Europa. Die BĂŒrger nervt das Überall-Einmisch-Europa.“ Dabei ĂŒbersieht er großzĂŒgig, dass die Kritik an den MautplĂ€nen [1] mindestens genauso groß ist.

CSU-GeneralsekretĂ€r Scheuer meint zu wissen, was BĂŒrger nervt.

BrĂŒssel hatte bereits angekĂŒndigt, die fĂŒr 2016 angekĂŒndigte Maut genau zu prĂŒfen. Denn die Abgabe zahlen letztlich nur auslĂ€ndische Fahrer, InlĂ€nder sollen ihr Geld ĂŒber eine Senkung der Kfz-Steuer zurĂŒckbekommen. Das EU-Recht untersagt aber die Benachteiligung von AuslĂ€ndern. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat stets betont, die Maut stehe im Einklang mit europĂ€ischem Recht. InlĂ€nder zahlen kĂŒnftig fĂŒr Autobahnen und Bundesstraßen eine Jahresmaut, die nach GrĂ¶ĂŸe und Umweltfreundlichkeit des Autos gestaffelt ist, im Schnitt 74 Euro. AuslĂ€nder sind nur auf Autobahnen mautpflichtig, fĂŒr sie gibt es auch eine Zehn-Tages- oder eine Zwei-Monats-Maut.

Die Linke im Bundestag erwartet, dass die EU-Kommission die Pkw-Maut zu Fall bringen wird. Ihr Verkehrspolitiker Herbert Behrens sagte der dpa, vermutlich werde die Maut dann nicht mit der Kfz-Steuer verrechnet werden können. Seine Fraktion gehe davon aus, dass genau das das KalkĂŒl Dobrindts sei. „Das ist oder wĂ€re perfide und eine echte WĂ€hlertĂ€uschung.“

Laut Welt beginnt das Verfahren, das in einer Klage vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof mĂŒnden kann, möglicherweise noch vor Beginn der Sommerpause Anfang August. Dies hĂ€nge auch davon ab, wann BundesprĂ€sident Joachim Gauck das Gesetz unterzeichnet und der Text im Gesetzblatt veröffentlicht wird. Der Bundesrat hatte das Prestigeprojekt der CSU Anfang Mai gegen den Widerstand mehrerer BundeslĂ€nder gebilligt [2].

EU-Kommissionssprecher Jakub Adamowicz erklĂ€rte auf Anfrage der dpa: „FĂŒr die EuropĂ€ische Kommission ist von großer Bedeutung, dass bei der EinfĂŒhrung der Pkw-Maut das Prinzip der Nicht-Diskriminierung beachtet wird.“ Generell begrĂŒĂŸe die Behörde, dass die Maut nach dem Verursacherprinzip funktioniert und die Autofahrer zur Finanzierung von Straßen heranzieht. Nach Abzug der Kosten soll die im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte Maut laut Verkehrsministerium jĂ€hrlich 500 Millionen Euro einbringen. Kritiker bezweifeln dies.

(dpa) (mfz [3])


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https://www.heise.de/-2671823

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Stellungnahme-zur-Pkw-Maut-Prognosen-nicht-plausibel-2578715.html
[2] https://www.heise.de/news/Pkw-Maut-Bundesrat-stimmt-zu-2639363.html
[3] mailto:mfz@heise.de