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EU-Kommission benennt "Microsoft-Berater"

Andreas Wilkens

EU-Kommissarin Neelie Kroes hat sich heute mit Microsoft-Chef Steve Ballmer getroffen und ihm die Ernennung des Informatik-Professors Neil Barrett zum TreuhÀnder mitgeteilt.

Die EU-Kommission hat den britischen Informatik-Professor Neil Barrett zum BevollmĂ€chtigten ernannt. Er soll die Kommission bei der Beurteilung der Frage beraten, ob sich Microsoft an die Produktauflagen [1] hĂ€lt, die den Redmondern im MĂ€rz 2004 auferlegt wurden. Diese und eine Geldstrafe in Höhe von 497 Millionen Euro hatte die Kommission verhĂ€ngt, da Microsoft "durch Ausdehnung ihres Quasi-Monopols bei Betriebssystemen fĂŒr PCs auf den Markt fĂŒr Betriebssysteme fĂŒr Arbeitsgruppenserver und den Markt fĂŒr Medienabspielprogramme gegen das in der EG geltende Verbot des Missbrauchs von beherrschenden Stellungen (Artikel 82)" verstoßen habe.

Die Ernennung des TreuhĂ€nders hat die fĂŒr Wettbewerb zustĂ€ndige Kommissarin Neelie Kroes heute Microsoft-CEO Steve Ballmer persönlich mitgeteilt. Die EU-Kommission hat zu dem Treffen bisher noch keine weitere Stellungnahme bekannt gegeben. In Medienberichten heißt es, das Treffen habe im Rahmen "normaler Beziehungen" zwischen dem Konzern und der Kommission stattgefunden. Auch von Microsoft liegt noch keine Stellungnahme vor.

FĂŒr das Amt des BevollmĂ€chtigten hatte Microsoft verschiedene Kandidaten vorgeschlagen. Die Kommission hat nach eigenen Angaben [2] die Erfahrung und Unparteilichkeit aller Kandidaten ĂŒberprĂŒft und festgestellt, dass Professor Barrett die "besten Voraussetzungen fĂŒr das Amt des BevollmĂ€chtigten mitbrachte". Er darf keine Verbindung zu Microsoft haben, muss ĂŒber die erforderlichen Qualifikationen fĂŒr die Wahrnehmung der Aufgabe verfĂŒgen und Fachleute anstellen können, die TĂ€tigkeiten im Zusammenhang mit seinem Auftrag ausfĂŒhren, lautet die Stellenbeschreibung.

Der BevollmĂ€chtigte soll der Kommission "unparteiischen fachlichen Rat in Fragen der Einhaltung der Entscheidung" erteilen. Microsoft muss die vollstĂ€ndigen und genauen Schnittstellenspezifikationen offenlegen, mit denen nicht von Microsoft stammende Arbeitsgruppenserver uneingeschrĂ€nkt mit Windows-PCs und -Servern kommunizieren können. Barrett soll beurteilen, ob Microsoft die Protokollspezifikationen vollstĂ€ndig und tatsachengetreu offengelegt hat und ob der Konzern diese "unter angemessenen und nicht diskriminierenden Bedingungen zur VerfĂŒgung gestellt hat". Auch soll der BevollmĂ€chtigte prĂŒfen, ob Microsoft den PC-Herstellern als Alternative eine Version des PC-Betriebssystems Windows ohne Windows Media Player anbietet.

Neil Barrett studierte Mathematik und Informatik an der Nottingham University und schloss sein Studium 1983 ab. 1985 wurde er Dozent an der UniversitĂ€t von York. Barrett betĂ€tigte sich unter anderem als Berater fĂŒr Unix und Computersicherheit und war Mitarbeiter von Bull Information Systems [3] und 1999 bei IRM plc [4] als technischer Direktor. Als Experte fĂŒr Computersicherheit und -kriminalitĂ€t ist er auch als Gastprofessor an UniversitĂ€ten tĂ€tig. (anw [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-135194

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-verfuegt-Geldstrafe-und-Produktauflagen-gegen-Microsoft-95941.html
[2] http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/05/1215&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en
[3] http://www.bull.com/
[4] http://www.irmplc.com/irmstory.htm
[5] mailto:anw@heise.de