EU-Kommission: Keine Extrawurst beim Datenschutz fĂŒr Deutschland
EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat sich gegen den Wunsch der Bundesregierung gestellt, Behörden bei der geplanten Neufassung des Datenschutzes mehr Spielraum einzurÀumen.
EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat sich gegen den Wunsch der Bundesregierung gestellt, Mitgliedsstaaten bei der geplanten europaweiten Neufassung [1] des Datenschutzes mehr Spielraum fĂŒr den öffentlichen Sektor einzurĂ€umen. Es werde lediglich "genau eingegrenzte Sonderregeln" fĂŒr Behörden geben, erklĂ€rte [2] die Luxemburgerin gegenĂŒber der Financial Times Deutschland (FTD). Sie seien noch stĂ€rker als Unternehmen dafĂŒr verantwortlich, die PrivatsphĂ€re der EU-BĂŒrger zu sichern.
Reding sieht sich durch den Streit [3] ĂŒber das neue hiesige Meldegesetz bestĂ€tigt. "BrĂŒssel wird sich nicht instrumentalisieren lassen, um Meldegesetz-ErmĂ€chtigungsklauseln zu schaffen", betonte die Kommissarin. Vertreter der Bundesrepublik hatten ihre Linie zuvor in einem Schreiben [4] (PDF-Datei) des EU-Rates zusammen mit 19 anderen Mitgliedsstaaten noch einmal deutlich gemacht. In dem von der britischen BĂŒrgerrechtsorganisation Statewatch veröffentlichten, als vertraulich gekennzeichneten Papier drĂ€ngt die Bundesregierung darauf gröĂtmögliche FlexibilitĂ€t und "optionale Klauseln" fĂŒr die nationalen Gesetzgeber zu erhalten, "vor allem im Bezug auf den öffentlichen Bereich". BegrĂŒndet wird das Ansinnen damit, ein bereits bestehendes höheres Schutzniveau zu bewahren.
In dem Schreiben wird die Kritik [5] von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) aufgegriffen, wonach fĂŒr eine neue EU-Verordnung ein besserer Ausgleich zwischen dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung mit anderen Grundrechten wie dem der Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit gefunden werden mĂŒsse. Auch mĂŒsse die Zahl der abgeleiteten Rechtsakte reduziert werden, mit dem sich die Kommission selbst nachtrĂ€gliche Sonderregeln vorbehalten will. SĂ€mtliche Vorgaben mĂŒssten zudem technikneutral sein und offen fĂŒr Entwicklungen sowie Trends insbesondere im Internet wie etwa Cloud Computing. Ferner seien unterschiedliche Klassen "problematischer" Daten festzulegen und Pseudo- oder Anonymisierung prominenter zu berĂŒcksichtigen.
Trotz der umfangreichen EinwĂ€nde und KorrekturwĂŒnsche vieler EU-LĂ€nder sowie von EinwĂ€nden auch aus der Wirtschaft [6] will Reding an ihrem Zeitplan festhalten: Die neuen Vorgaben sollten im ersten Halbjahr stehen. Neben dem EU-Rat will auch das Parlament die Vorlage offiziell bewerten. Laut FTD wollen die Gruppe der christdemokratischen Justiz- und Innenminister der EU sowie die konservative EuropĂ€ische Volkspartei (EVP) die Vorlage prinzipiell unterstĂŒtzen. Diese begrĂŒĂe, dass zwischen öffentlichem und privatem Sektor kein Unterschied gemacht werden solle. (anw [7])
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[1] https://www.heise.de/news/Reding-stellt-EU-Datenschutzreform-vor-1421418.html
[2] http://www.ftd.de/politik/europa/%3Adeutschlands-sonderwuensche-streit-um-die-macht-beim-datenschutz/70072806.html
[3] https://www.heise.de/news/EU-Kommissarin-setzt-gegen-Meldegesetz-nach-1638031.html
[4] http://www.statewatch.org/news/2012/jul/eu-council-dp-reg-ms-positions-9897-rev2-12.pdf
[5] https://www.heise.de/news/Bundesinnenminister-draengt-auf-modernes-Datenschutzrecht-1570377.html
[6] https://www.heise.de/news/Konzerne-sehen-geplante-EU-Datenschutzreform-skeptisch-1569494.html
[7] mailto:anw@heise.de
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