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EU-Kommissarin sorgt sich um Datenschutz-Standard "Do not Track"

Stefan Krempl

Neelie Kroes, die fĂŒr die Digitale Agenda zustĂ€ndige EU-Kommissarin, hat die Verzögerungen und die eingeschlagene Linie zur Standardisierung des "Do not Track"-Verfahrens beim W3C scharf kritisiert.

Neelie Kroes, die fĂŒr die Digitale Agenda zustĂ€ndige Kommissarin, hat die Verzögerungen und die eingeschlagene Linie zur Standardisierung des "Do not Track"-Verfahrens [1] (DNT) beim World Wide Web Consortium (W3C [2]) scharf kritisiert. Die Arbeit an der Spezifikation laufe nicht nach Plan, was sie "zunehmend besorgt" mache, betonte [3] die NiederlĂ€nderin am Donnerstag. Es sei zu befĂŒrchten, dass der Standard zu stark verwĂ€ssert werde. Es mĂŒsse nun schnell gehandelt und ein "vernĂŒnftiger" DNT-Mechanismus verabschiedet werden.

Die EU-Kommission hat große Hoffnung mit dem Verfahren verknĂŒpft, da es einen Weg zum Umgang mit den strengen europĂ€ischen Cookie-Bestimmungen [4] bieten könnte. Diese erfordern, dass ein Nutzer dem Setzen der Browser-Dateien zustimmen muss. Do not Track könne prinzipiell etwa Werbetreibenden signalisieren, ob eine Einwilligung in die Nutzung eigener Informationen vorliege, erlĂ€uterte Kroes. DafĂŒr sei es aber nötig, die Surfer bei der Installation eines Browsers zumindest ĂŒber die Tragweite ihrer Entscheidung zu DNT aufzuklĂ€ren oder das Verfahren gleich zu aktivieren. Es dĂŒrfe zudem nicht möglich sein, dass Server, die so zum Ausdruck gebrachten WĂŒnsche der Nutzer ignorierten. Möglichkeiten zum Auslesen von Daten ohne Zustimmung der Betroffenen seien zu minimieren.

Datenschutz im Internet und Online-GeschĂ€fte seien aufeinander angewiesen, erlĂ€uterte die Kommissarin ihre Linie. Die PrivatsphĂ€re der NetzbĂŒrger mĂŒsse als ein spezieller Markt mit seinen eigenen Rechten verstanden werden, der auf einem rechtlichen Rahmen und Transparenz beruhe. Daher sei es in aller Interesse, einen aussagekrĂ€ftigen DNT-Standard zum Erfolg zu fĂŒhren. Online-Firmen sollten sich zugleich fragen, ob sie wirklich alle selbst Experten in "Big Data [5]" werden und WĂŒnsche, Vorstellungen sowie Gedanken der Nutzer aus ihren digitalen Spuren herauszulesen versuchen mĂŒssten.

Zuvor hatte eine Eingabe [6] der Direct Marketing Association (DMA [7]) beim W3C fĂŒr Erstaunen gesorgt [8], wonach Werbung zu den "erlaubten Nutzungen" von Do not Track "fĂŒr Drittparteien und Diensteanbieter" gezĂ€hlt werden solle. Auf einer Mailingliste des Normungsgremiums löste diese eine hektische Debatte aus. Gefragt wurde etwa nach der geplanten Definition zulĂ€ssiger MarketingaktivitĂ€ten oder es gab nur völliges UnverstĂ€ndnis. Ein Vertreter der US-Vereinigung fĂŒhrte daraufhin aus, dass "Marketing die Welt antreibt". Es sei so amerikanisch wie Apfelkuchen und liefere relevante Produkthinweise an die Verbraucher. DNT sollte verhaltensbezogene Werbung als "einen der wichtigsten Werte der Zivilgesellschaft" daher unterstĂŒtzen. Wer keine entsprechende Reklame erhalten wolle, könne dies auf einer Art Robinson-Liste fĂŒrs Internet vermerken. (mho [9])


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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Schlangenoel-im-Browser-1704953.html
[2] http://www.w3.org/
[3] http://europa.eu/rapid/press-release_SPEECH-12-716_en.htm?locale=en
[4] https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-geben-weitere-Hilfestellung-zum-Cookie-Gebrauch-1617395.html
[5] https://www.heise.de/news/Big-Data-Rohstoff-der-Informationsgesellschaft-1659622.html
[6] http://www.w3.org/2011/tracking-protection/track/issues/178
[7] http://www.the-dma.org/
[8] http://www.zdnet.com/the-do-not-track-standard-has-crossed-into-crazy-te%20rritory-7000005502/
[9] mailto:mho@heise.de