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EU-Kommissarin fordert Senkung der Terminierungsentgelte im Mobilfunk

Martin Fischer

EU-Kommissarin Viviane Reding arbeitet einem Zeitungsbericht zufolge an einer Empfehlung, mit der die Terminierungsentgelte der Mobilfunkanbieter anhand einheitlicher Kostenberechnung auf Festnetzniveau sinken sollen.

Die EU-Kommissarin fĂŒr Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding [1], arbeitet einem Bericht [2] der Financial Times Deutschland zufolge an einem Plan, die Terminierungsentgelte in Europa drastisch zu verringern und damit billigere Mobilfunk-Telefonate zu ermöglichen. Im europĂ€ischen Durchschnitt berechnen sich Mobilfunk-Anbieter untereinander rund 10 Cent pro Minute, wenn Anrufe aus fremden Netzen angenommen werden. Reding will diesen Wert mittelfristig auf 1 bis 1,5 Cent drĂŒcken und damit bis 2012 an die SĂ€tze angleichen, die bereits im Festnetz gelten.

In dem Entwurf, der im September verabschiedet werden soll, werden jedoch keine EntgeltsĂ€tze direkt festgelegt, sondern lediglich EU-weit geltende Berechnungsmethoden. KĂŒnftig sollen dem Willen der Kommissarin zufolge nicht mehr eine "Reihe von allgemeinen Kosten auf die Terminierungsentgelte angerechnet" werden können, sondern nur noch tatsĂ€chlich entstandene Kosten. Das Papier soll den nationalen Regulierungsbehörden als Empfehlung dienen.

In Deutschland gelten, zumindest noch bis MĂ€rz 2009, folgende SĂ€tze: 7,92 Cent fĂŒr T-Mobile [3] und Vodafone [4] sowie 8,8 Cent fĂŒr E-Plus [5] und O2 [6]. In Europa variieren die Terminierungsentgelte zwischen 1,9 Cent pro Minute in Zypern und bis zu 22,4 Cent in Estland. Analysten der Bank Morgan Stanley [7] erwarten, dass der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) großer Mobilfunk-Provider ĂŒber drei bis vier Jahre um bis zu 11 Prozent geringer ausfallen könnte als bisher. Die Einnahmen durch Terminierungsentgelte machen einen wesentlichen Anteil am Umsatz der Mobilfunk-Anbieter aus.

Durch höhere Differenzen bei den Terminierungsentgelten sollten die finanziellen Nachteile kleinerer Anbieter durch den Netzbetrieb ausgeglichen werden. Erst im MĂ€rz meldete sich Reding zu Wort und erklĂ€rte [8]: "Ich meine, dass diese Asymmetrien enden sollten." Hohe Terminierungsentgelte wĂ€ren eine Art Subventionen, die der gesĂ€ttigte Mobilfunkmarkt nicht mehr nötig habe. "Es ist Sache der nationalen Behörden, das zu regeln. Wenn aber der europĂ€ische Zusammenschluss der nationalen Regulierer (ERG) bis zu diesem Sommer keine brauchbaren VorschlĂ€ge macht, werde ich selbst eingreifen mĂŒssen", sagte Reding. (mfi [9])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-210087

Links in diesem Artikel:
[1] http://ec.europa.eu/commission_barroso/reding/index_en.htm
[2] http://www.ftd.de/technik/it_telekommunikation/360058.html
[3] http://www.t-mobile.de
[4] http://www.vodafone.de
[5] http://www.eplus.de
[6] http://www.o2online.de
[7] http://www.morganstanley.com
[8] https://www.heise.de/news/EU-dringt-auf-Absenkung-der-nationalen-Terminierungsentgelte-191439.html
[9] mailto:mfi@heise.de