EU-Kartellverfahren gegen Microsoft auf der Zielgeraden
Mit einer Entscheidung wird weiterhin fĂŒr den 24. MĂ€rz gerechnet.
Von kommender Woche an wird das seit Jahren dauernde [1] EU-Wettbewerbsverfahren wegen vermuteten Marktmissbrauchs gegen den Softwarekonzern Microsoft abgeschlossen werden. Am kommenden Montag entscheiden Vertreter der EU-Staaten im so genannten Beratenden Ausschuss hinter verschlossenen TĂŒren darĂŒber, ob Microsoft EU-Wettbewerbsrecht verletzte. Genau eine Woche spĂ€ter wird dieser Ausschuss ĂŒber das mögliche BuĂgeld beraten. Die Entscheidung wird weiterhin fĂŒr den 24. MĂ€rz erwartet [2], hieĂ es aus der EU-Kommission.
Die Kommission hĂ€lt die Koppelung des Windows-PC-Betriebssystems mit dem Windows-Media-Player fĂŒr bedenklich. Die Behörde will hier fĂŒr mehr Wettbewerb sorgen. Zudem geht es bei dem Verfahren um eine vermutete Ausweitung der beherrschenden Stellung bei PC-Betriebssystemen auf den Markt der einfachen Server-Betriebssysteme. Monti verlangt technische Angaben zu den Schnittstellen, um Konkurrenten bei den Servern den Wettbewerb zu Microsoft zu ermöglichen. Microsoft bestritt bisher ein illegales GeschĂ€ftsverhalten.
Vor kurzem war in Medienberichten spekuliert worden [3], dass der Software-Konzern wahrscheinlich nicht dazu gezwungen wird, eine um die Multimedia-Komponenten reduzierte eigene Windows-Version auf den europĂ€ischen Markt zu bringen. Stattdessen sollen PC-HĂ€ndler festlegen, in welchem Umfang die umstrittene Software auf denen von ihnen verkauften GerĂ€ten installiert wird. Die WettbewerbshĂŒter befĂŒrchteten, dass ansonsten zu viele Grauimporte von auĂereuropĂ€ischen Windows-Versionen auf den EU-Markt gelangen wĂŒrden. In dieser Hinsicht hatte Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein interveniert [4].
Auch die von der EU verhĂ€ngte Geldstrafe wird voraussichtlich vergleichsweise moderat ausfallen: Das Wall Street Journal berichtete ĂŒber eine Summe von maximal 200 Millionen Euro, die im Fall einer gĂŒtlichen Einigung noch einmal halbiert werde. Mitte Februar hatte Microsoft ein Angebot [5] zur Beilegung des Verfahrens gemacht. Die Kommission kann eine Geldstrafe von bis zu zehn Prozent des Konzernjahresumsatzes verhĂ€ngen -- bei Microsoft betrug dieser im GeschĂ€ftsjahr 2003 insgesamt 32,19 Milliarden US-Dollar. Allerdings hat Microsoft aber auch RĂŒcklagen [6] von insgesamt mittlerweile ĂŒber 51 Milliarden US-Dollar angesammelt. (anw [7])
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[1] https://www.heise.de/news/Microsoft-auch-im-Visier-der-EU-23406.html
[2] https://www.heise.de/news/Bruessel-will-Microsoft-Verfahren-schon-im-Maerz-abschliessen-94103.html
[3] https://www.heise.de/news/Moegliche-Sanktionen-der-EU-gegen-Microsoft-94541.html
[4] https://www.heise.de/news/EU-Kommissar-interveniert-fuer-Microsoft-Update-94037.html
[5] https://www.heise.de/news/Microsoft-macht-Angebot-zur-Beilegung-des-EU-Kartellrechtsverfahrens-93607.html
[6] https://www.heise.de/news/Microsoft-laesst-die-Krise-kalt-82357.html
[7] mailto:anw@heise.de
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