EU-Justizkommissar rudert bei Internetzensur teilweise zurĂŒck
Franco Frattini erlĂ€rte, er wolle Internetrecherchen der BĂŒrger mit der Blockade der Suche nach "gefĂ€hrlichen Wörtern" wie "Bombe", "töten" oder "Terrorismus" nicht einschrĂ€nken, hĂ€lt an Website-Sperrungen aber fest.
EU-Justizkommissar Franco Frattini hat seine heftig umstrittenen ĂuĂerungen [1] zur Umsetzung eines neuen Anti-Terrorplans der EU [2] ein wenig zurechtgerĂŒckt. Er beabsichtige "ĂŒberhaupt nicht", Internetrecherchen der BĂŒrger mit der Blockade der Suche im Netz nach "gefĂ€hrlichen Wörtern" wie "Bombe", "töten" oder "Terrorismus" einzuschrĂ€nken, erlĂ€utert der VizeprĂ€sident der Kommission in einer nur hierzulande erschienenen Mitteilung [3].
Am Einsatz von Filtertechnik und Web-Blockaden will der Innen- und Rechtsexperte der BrĂŒsseler Behörde demnach aber festhalten. So erscheint ihm weiter die Entscheidung "angezeigt", Webseiten mit illegalen Inhalten zu sperren. Dabei könne es um Auftritte im Netz gehen, die etwa Bombenbau-Anleitungen bereithalten und die öffentliche Sicherheit bedrohen. Aus "ermittlungstechnischen ErwĂ€gungen", schrĂ€nkt Frattini hier ebenfalls ein, könnten entsprechende Angebote aber auch bewusst zugĂ€nglich gehalten werden.
In jedem Fall sollen laut dem Justizkommissar auch Ăberwachungstechniken im Kampf gegen mögliche Attentatsplaner "nur dann eingesetzt werden, wenn eine konkrete Gefahr besteht". FĂŒr die Identifikation von Nutzern der umstrittenen Webseiten mĂŒssten "eindeutig terroristische Zwecke" nachgewiesen werden. Generell wolle er aber keinen Angriff auf die PrivatsphĂ€re der Surfer starten. Er setze sich fĂŒr eine "ausgewogene Lösung" ein um sicherzustellen, "dass Websites nicht fĂŒr den Austausch von Informationen genutzt werden, die eine Gefahr fĂŒr die Ăffentlichkeit darstellen". Zugleich gehe er dabei davon aus, dass es dank neuer Technologien möglich sein sollte, die polizeiliche beziehungsweise nachrichtendienstliche Ăberwachung des Internet zur BekĂ€mpfung des Terrorismus zu verbessern.
Zuvor hatten unter anderem der innenpolitische Sprecher der Fraktion der Liberalen im EU-Parlament, Alexander Alvaro (FDP), sowie der Medienexperte der Linken im Bundestag, Lothar Bisky, mit scharfen Worten vor EinschrĂ€nkungen [4] der Meinungs- und Informationsfreiheit durch Frattinis Vorhaben gewarnt. Skeptisch zur technischen Umsetzung hatten sich auch Vertreter des Verbands der deutschen Internetwirtschaft eco und des europĂ€ischen Providerverbands EuroISPA geĂ€uĂert.
Blockaden seien sinnlos, da die beanstandeten Inhalte wahrscheinlich innerhalb von Minuten auf anderen Internetseiten auftauchen wĂŒrden, hieĂ es bei den Lobby-Vereinigungen. So habe es die britische Regierung etwa nicht geschafft, 1200 Webseiten mit Kinderpornografie sperren zu lassen. Durchaus praktizieren groĂe Suchmaschinenbetreiber hierzulande aber bereits das Ausfiltern jugendgefĂ€hrdender Seiten [5] aus ihren Trefferlisten, die auf dem staatlichen Index stehen. Details seiner Initiative will Frattini Anfang November prĂ€sentieren. (Stefan Krempl) / (jk [6])
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[1] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-will-Internetsuche-mit-gefaehrlichen-Woertern-blockieren-173650.html
[2] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-skizziert-neuen-Anti-Terrorplan-171918.html
[3] http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/index_7333_de.htm
[4] https://www.heise.de/news/Kritik-an-Plaenen-der-EU-Kommission-zur-Filterung-gefaehrlicher-Woerter-179145.html
[5] https://www.heise.de/news/Selbstregulierung-der-Suchmaschinenanbieter-138011.html
[6] mailto:jk@heise.de
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