EU-Copyright-Eklat: Dorothee BĂ€r und Netzpolitiker gegen Upload-Filter
Staatsministerin Dorothee BÀr (CSU) stellt sich mit den Netzpolitikern der CDU, SPD und FDP gegen die EU-PlÀne.
(Bild: dpa, Andreas Gebert/Archiv)
Die netzpolitischen Vereine der Parteien haben die deutschen EU-Abgeordneten aufgefordert, gegen Upload-Filter und Leistungsschutzrecht zu stimmen.
Axel Voss (CDU), Berichterstatter fĂŒr die umkĂ€mpfte Position des Rechtsausschusses des EU-Parlaments zur EU-Copyright-Reform [1], bekommt Widerstand aus den eigenen Reihen. Am Freitag haben die den Parteien nahestehenden netzpolitischen Vereine in einem offenen Brief an alle deutschen EU-Abgeordneten appelliert, im Lauf der kommenden Woche [2] gegen die geplanten Upload-Filter und das fĂŒnfjĂ€hrige Leistungsschutzrecht fĂŒr Presseverleger im Internet zu stimmen und so die Empfehlung aus dem federfĂŒhrenden Parlamentsgremium abzulehnen.
âGroĂe Bedenkenâ
Das Schreiben [3] ist als erstes unterzeichnet von der StaatssekretĂ€rin fĂŒr Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee BĂ€r, die hier in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins CSUnet auftritt. Daneben prangen die Unterschriften von Sprechern oder Vorsitzenden vom cnetz (CDU), D64 (SPD) und Load (FDP). Die Autoren sprechen selbst von einer âungewöhnlichen Allianzâ, die sich zusammengefunden habe, um ihre âgroĂen Bedenkenâ hinsichtlich der EU-Copyright-PlĂ€ne auszudrĂŒcken.
Der Schutz des Urheberrechts und eine angemessene Beteiligung von Journalisten an ErtrĂ€gen im Internet âsind selbstverstĂ€ndlich auch fĂŒr uns wichtige Anliegenâ, beteuern die Verfasser. Doch die von der EU-Kommission erarbeiteten und im Rechtsausschuss verabschiedeten Instrumente wĂŒrden âdiese Ziele nicht nur verfehlen, sondern zudem enorme KollateralschĂ€den mit sich bringenâ. So wĂ€ren Upload-Filter âin hohem MaĂe gefĂ€hrdend fĂŒr die freie MeinungsĂ€uĂerungâ.
Schwere KollateralschÀden
Weitergehende Initiativen von Frankreich und dem deutschen Bundesinnenministerium zeigten bereits die nĂ€chste Stufe, warnen die Digitalexperten der vier Parteien. Es drohe ein Regime von Filtermechanismen, das fĂŒr die Allgemeinheit nicht mehr nachvollziehbar sei und mit dem âmissliebige MeinungsĂ€uĂerungen unerkannt aus den Plattformen verbannt werden könnenâ. Ein solches Instrumentarium sei gerade angesichts der bereits verhĂ€ngten Schranken fĂŒr die Pressefreiheit in einigen europĂ€ischen Staaten âbrandgefĂ€hrlichâ und âaus rechtsstaatlicher Hinsicht höchst problematischâ.
Beim Leistungsschutzrecht erinnern die Digitalpolitiker die Abgeordneten daran, dass dieses hierzulande seine Ziele verfehlt und âMonopolanbieterâ gestĂ€rkt, âaber eben nicht zu einer angemessenen VergĂŒtung von Kreativen gefĂŒhrtâ habe. Die Kontroll- und Durchsetzungskosten ĂŒberstiegen dabei den wirtschaftlichen Rahmen, eine vermehrte Nachfrage auch nach bezahlten Informationsleistungen sei ausgeblieben. Insgesamt gebe es eine breite Allianz aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und GrĂŒnderszene gegen die Initiative aus BrĂŒssel, die auch nicht mit dem Koalitionsvertrag [4] vereinbar sei. Die EU dĂŒrfe nicht die Verunsicherung und den Unmut weiter vergröĂern, die das Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung in manchen Kreisen verursacht habe.
Druck erhöhen
Die BĂŒrgerrechtsorganisation European Digital Rights (EDRi) hat parallel einen Aktionsplan veröffentlicht [5], wie zunĂ€chst mit Hilfe der Nutzer der Beschluss des Rechtsausschuss noch gekippt und anschlieĂend Ănderungen an dem Dossier festgezurrt werden könnten. Der europĂ€ische Handelsverband Edima empfiehlt, vor allem den Druck auf den Vorsitzenden der europĂ€ischen Sozialdemokraten, den Deutschen Udo Bullmann, zu erhöhen, da die Fraktion ihr Abstimmverhalten noch nicht festgelegt habe.
FĂŒr erneute Unruhe sorgt derweil die AbschlusserklĂ€rung [6] des EuropĂ€ischen Rats vom Donnerstag, die sich prinzipiell fĂŒr Upload-Filter ausspricht. Darin begrĂŒĂen die Spitzen der Mitgliedsstaaten einschlieĂlich der Bundesregierung eine geplante Gesetzesinitiative der Kommission [7] âzur Verbesserung der Erkennung und Entfernung von Inhaltenâ, die zu âHass und zu terroristischen Handlungen anstiften". Es geht dabei zwar nicht ums Urheberrecht, sondern anderen illegalen Content, aber das Instrumentarium soll das Gleiche sein.
Der eco-Verband der Internetwirtschaft warnt daher vor einer drohenden weiteren gesetzlichen Pflicht zum Einbau von Upload-Filtern: âEine proaktive ĂberprĂŒfung sĂ€mtlicher Inhalte durch die Provider bedeutet nicht nur eine Abkehr von den Prinzipien der E-Commerce Richtlinie, sondern stellt durch den Aufbau einer Zensurinfrastruktur auch eine Gefahr fĂŒr die Meinungsfreiheit im Netz darâ, unterstreicht der Verband.
CDU-Digitalpolitiker Thomas Jarzombek zeigte sich auf Twitter [8] âfassungslosâ, dass offenbar das Bundesinnenministerium den Passus pro Upload-Filter in die GipfelerklĂ€rung hineinverhandelt habe. âDas ist inakzeptabelâ, monierte [9] auch die SPD-Netzpolitikerin Saskia Esken. Einen Minister, der auf EU-Ebene gegen die Abmachungen des Koalitionsvertrags handele, âmuss die Bundeskanzlerin entlassenâ.
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[2] https://www.heise.de/news/EU-Copyright-Reform-Mehrheit-fuer-Upload-Filter-und-Leistungsschutzrecht-wackelt-4093954.html
[3] https://www.load-ev.de/2018/06/29/offener-brief-zu-upload-filtern-und-leistungsschutzrecht/
[4] https://www.heise.de/news/Urheberrecht-Grosse-Koalition-will-keine-Upload-Filter-aber-ein-EU-Leistungsschutzrecht-3962918.html
[5] https://edri.org/strategy-against-the-first-obligatory-eu-internet-filter/
[6] http://www.consilium.europa.eu/media/35938/28-euco-final-conclusions-de.pdf
[7] https://www.heise.de/news/EU-verlangt-von-Online-Plattformen-Upload-Filter-ab-sofort-3984699.html
[8] https://twitter.com/tj_tweets/status/1012608745396981760
[9] https://twitter.com/EskenSaskia/status/1012619206351884288
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