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EU-Copyright-Eklat: Dorothee BĂ€r und Netzpolitiker gegen Upload-Filter

Stefan Krempl
Dorothee BĂ€r

Staatsministerin Dorothee BÀr (CSU) stellt sich mit den Netzpolitikern der CDU, SPD und FDP gegen die EU-PlÀne.

(Bild: dpa, Andreas Gebert/Archiv)

Die netzpolitischen Vereine der Parteien haben die deutschen EU-Abgeordneten aufgefordert, gegen Upload-Filter und Leistungsschutzrecht zu stimmen.

Axel Voss (CDU), Berichterstatter fĂŒr die umkĂ€mpfte Position des Rechtsausschusses des EU-Parlaments zur EU-Copyright-Reform [1], bekommt Widerstand aus den eigenen Reihen. Am Freitag haben die den Parteien nahestehenden netzpolitischen Vereine in einem offenen Brief an alle deutschen EU-Abgeordneten appelliert, im Lauf der kommenden Woche [2] gegen die geplanten Upload-Filter und das fĂŒnfjĂ€hrige Leistungsschutzrecht fĂŒr Presseverleger im Internet zu stimmen und so die Empfehlung aus dem federfĂŒhrenden Parlamentsgremium abzulehnen.

Das Schreiben [3] ist als erstes unterzeichnet von der StaatssekretĂ€rin fĂŒr Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee BĂ€r, die hier in ihrer Funktion als Vorsitzende des Vereins CSUnet auftritt. Daneben prangen die Unterschriften von Sprechern oder Vorsitzenden vom cnetz (CDU), D64 (SPD) und Load (FDP). Die Autoren sprechen selbst von einer “ungewöhnlichen Allianz”, die sich zusammengefunden habe, um ihre “großen Bedenken“ hinsichtlich der EU-Copyright-PlĂ€ne auszudrĂŒcken.

Der Schutz des Urheberrechts und eine angemessene Beteiligung von Journalisten an ErtrĂ€gen im Internet „sind selbstverstĂ€ndlich auch fĂŒr uns wichtige Anliegen“, beteuern die Verfasser. Doch die von der EU-Kommission erarbeiteten und im Rechtsausschuss verabschiedeten Instrumente wĂŒrden „diese Ziele nicht nur verfehlen, sondern zudem enorme KollateralschĂ€den mit sich bringen“. So wĂ€ren Upload-Filter „in hohem Maße gefĂ€hrdend fĂŒr die freie MeinungsĂ€ußerung“.

Weitergehende Initiativen von Frankreich und dem deutschen Bundesinnenministerium zeigten bereits die nĂ€chste Stufe, warnen die Digitalexperten der vier Parteien. Es drohe ein Regime von Filtermechanismen, das fĂŒr die Allgemeinheit nicht mehr nachvollziehbar sei und mit dem „missliebige MeinungsĂ€ußerungen unerkannt aus den Plattformen verbannt werden können“. Ein solches Instrumentarium sei gerade angesichts der bereits verhĂ€ngten Schranken fĂŒr die Pressefreiheit in einigen europĂ€ischen Staaten „brandgefĂ€hrlich“ und „aus rechtsstaatlicher Hinsicht höchst problematisch“.

Beim Leistungsschutzrecht erinnern die Digitalpolitiker die Abgeordneten daran, dass dieses hierzulande seine Ziele verfehlt und „Monopolanbieter“ gestĂ€rkt, „aber eben nicht zu einer angemessenen VergĂŒtung von Kreativen gefĂŒhrt“ habe. Die Kontroll- und Durchsetzungskosten ĂŒberstiegen dabei den wirtschaftlichen Rahmen, eine vermehrte Nachfrage auch nach bezahlten Informationsleistungen sei ausgeblieben. Insgesamt gebe es eine breite Allianz aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und GrĂŒnderszene gegen die Initiative aus BrĂŒssel, die auch nicht mit dem Koalitionsvertrag [4] vereinbar sei. Die EU dĂŒrfe nicht die Verunsicherung und den Unmut weiter vergrĂ¶ĂŸern, die das Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung in manchen Kreisen verursacht habe.

Die BĂŒrgerrechtsorganisation European Digital Rights (EDRi) hat parallel einen Aktionsplan veröffentlicht [5], wie zunĂ€chst mit Hilfe der Nutzer der Beschluss des Rechtsausschuss noch gekippt und anschließend Änderungen an dem Dossier festgezurrt werden könnten. Der europĂ€ische Handelsverband Edima empfiehlt, vor allem den Druck auf den Vorsitzenden der europĂ€ischen Sozialdemokraten, den Deutschen Udo Bullmann, zu erhöhen, da die Fraktion ihr Abstimmverhalten noch nicht festgelegt habe.

FĂŒr erneute Unruhe sorgt derweil die AbschlusserklĂ€rung [6] des EuropĂ€ischen Rats vom Donnerstag, die sich prinzipiell fĂŒr Upload-Filter ausspricht. Darin begrĂŒĂŸen die Spitzen der Mitgliedsstaaten einschließlich der Bundesregierung eine geplante Gesetzesinitiative der Kommission [7] “zur Verbesserung der Erkennung und Entfernung von Inhalten„, die zu “Hass und zu terroristischen Handlungen anstiften". Es geht dabei zwar nicht ums Urheberrecht, sondern anderen illegalen Content, aber das Instrumentarium soll das Gleiche sein.

Der eco-Verband der Internetwirtschaft warnt daher vor einer drohenden weiteren gesetzlichen Pflicht zum Einbau von Upload-Filtern: „Eine proaktive ÜberprĂŒfung sĂ€mtlicher Inhalte durch die Provider bedeutet nicht nur eine Abkehr von den Prinzipien der E-Commerce Richtlinie, sondern stellt durch den Aufbau einer Zensurinfrastruktur auch eine Gefahr fĂŒr die Meinungsfreiheit im Netz dar“, unterstreicht der Verband.

CDU-Digitalpolitiker Thomas Jarzombek zeigte sich auf Twitter [8] “fassungslos“, dass offenbar das Bundesinnenministerium den Passus pro Upload-Filter in die GipfelerklĂ€rung hineinverhandelt habe. “Das ist inakzeptabel“, monierte [9] auch die SPD-Netzpolitikerin Saskia Esken. Einen Minister, der auf EU-Ebene gegen die Abmachungen des Koalitionsvertrags handele, “muss die Bundeskanzlerin entlassen“.

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(vbr [11])


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[2] https://www.heise.de/news/EU-Copyright-Reform-Mehrheit-fuer-Upload-Filter-und-Leistungsschutzrecht-wackelt-4093954.html
[3] https://www.load-ev.de/2018/06/29/offener-brief-zu-upload-filtern-und-leistungsschutzrecht/
[4] https://www.heise.de/news/Urheberrecht-Grosse-Koalition-will-keine-Upload-Filter-aber-ein-EU-Leistungsschutzrecht-3962918.html
[5] https://edri.org/strategy-against-the-first-obligatory-eu-internet-filter/
[6] http://www.consilium.europa.eu/media/35938/28-euco-final-conclusions-de.pdf
[7] https://www.heise.de/news/EU-verlangt-von-Online-Plattformen-Upload-Filter-ab-sofort-3984699.html
[8] https://twitter.com/tj_tweets/status/1012608745396981760
[9] https://twitter.com/EskenSaskia/status/1012619206351884288
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