zurück zum Artikel

ESA-Sonde Planck blickt zurĂŒck zum Anfang unseres Universums

Martin Holland

Die ESA-Sonde Planck hat die bislang genaueste Karte der kosmischen Hintergrundstrahlung ermöglicht. Die rĂŒttelt an Grundpfeilern des kosmologischen Standardmodells und erlaubt eine neue Altersangabe fĂŒr unser Universum.

Die EuropĂ€ische Weltraumagentur ESA hat anhand der Messungen des Himmelsteleskops Planck [1] die bislang genaueste Karte der kosmischen Hintergrundstrahlung erstellt [2]. Diese ermöglicht einen Blick auf die Struktur des Universums rund 380.000 Jahre nach dem Urknall. Zwar bestĂ€tigten die Erkenntnisse [3] insgesamt das gegenwĂ€rtig anerkannte kosmologische Standardmodell, in Teilen werde aber an Grundpfeilern unseres VerstĂ€ndnisses des Weltalls gerĂŒttelt.

Die bislang genaueste Darstellung der kosmischen Hintergrundstrahlung

(Bild: ESA and the Planck Collaboration)

Das Weltraumteleskop der ESA ermöglicht eine den ganzen Himmel umfassende Abbildung der kosmischen Hintergrundstrahlung [4] (PDF-Datei). Diese Ă€lteste Lichtstrahlung im All entstand, als das Universum eine 2700 °C heiße, dichte Suppe aus Protonen, Elektronen und Photonen war. Protonen und Elektronen formten zu dieser Zeit Wasserstoffatome, wobei Licht freigesetzt wurde. Dieses Licht wurde durch die Expansion des Universums auf MikrowellenlĂ€nge ausgedehnt. Winzige Temperaturunterschiede darin weisen auf Regionen mit unterschiedlicher Dichte hin, die die Grundlage fĂŒr spĂ€tere Strukturen wie Galaxien und Sterne bildeten.

Wie die ESA nun erlÀutert, basiert das neue Bild auf den Daten [5], die Planck in fast 16 Monaten im All gesammelt hat. Vorsichtig habe man in dieser Zeit aus den Aufnahmen die Emissionen im Vordergrund herausgefiltert, verstellten sie doch den Blick auf das erste Licht des Universums. Die dabei entstandene Darstellung mache deutlich, dass unsere bisherige Vorstellung vom Universum alles andere als vollkommen ist, erlÀuterte ESA-Generaldirektor Dordain.

Darstellung mit hervorgehobenen Anomalien

(Bild: ESA and the Planck Collaboration)

Überraschend sei etwa, dass die Fluktuationen bei den Temperaturen der Hintergrundstrahlung nicht den vorhergesagten Werten entsprechen. Außerdem widerspreche die Asymmetrie der Durchschnittstemperaturen der Annahme, dass das Universum fĂŒr uns in jeder Richtung in etwa gleich aussehen sollte. DarĂŒber hinaus habe man erkannt, dass das Areal eines kalten Flecks deutlich grĂ¶ĂŸer sei als erwartet. Zwar gab es vorher schon Hinweise auf diese Tatsachen, denen habe man aber bislang kaum Beachtung geschenkt. Man habe Messfehler vermutet, mĂŒsse aber jetzt nach einer plausiblen ErklĂ€rung suchen.

Vergleich mit der bislang genauesten Darstellung der Hintergrundstrahlung

(Bild: ESA and the Planck Collaboration; NASA / WMAP Science Team)

Insgesamt ĂŒberwiege jedoch die Übereinstimmung mit dem Modell unseres Universums, wie es bislang ausgearbeitet wurde. Man mĂŒsse lediglich kleine Korrekturen vornehmen. So macht normale Materie 4,9 Prozent der Masse-/Energiedichte des Kosmos aus, dunkle Materie kommt auf 26,8 Prozent und die immer noch rĂ€tselhafte dunkle Energie 68,3 Prozent. Das Universum dehnt sich demnach mit 67,15 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec (Hubble-Konstante [6]) aus, deutlich langsamer als bislang angenommen. Dieser korrigierte Wert legt nahe, dass unser All insgesamt 13,82 Milliarden Jahre alt ist. (mho [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1827203

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Planck
[2] http://www.esa.int/ger/ESA_in_your_country/Germany/Planck_offenbart_uns_ein_fast_perfektes_Universum
[3] http://sci.esa.int/science-e/www/object/index.cfm?fobjectid=51551
[4] http://sci.esa.int/science-e/www/object/doc.cfm?fobjectid=51552
[5] http://www.sciops.esa.int/index.php?project=PLANCK&page=Planck_Published_Papers
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Hubble-Konstante
[7] mailto:mho@heise.de