E-Book-Lesegeräte mit größerem Display im Kommen
Amazon plant ein auf Tageszeitungen zugeschnittenes Lesegerät, berichtet die New York Times. Einige US-Verlage suchen aber bereits Alternativen: Sie kooperieren mit der Firma Plastic Logic, die einen Tageszeitungs-Reader in Dresden fertigen will.
Glaubt man einem Bericht [1] der New York Times, wird Amazon [2] in den nächsten Tagen eine größere Variante seines E-Book-Readers Kindle vorstellen. Die Times dürfte aus dem eigenen Haus von Amazons Plänen Wind bekommen haben: Dem Bericht zufolge ist das Blatt – neben weiteren US-Zeitungshäusern – selbst an dem Projekt beteiligt.
Eine solche Kooperation wäre wenig überraschend: Die Times ist eine von über 50 Zeitungen und Zeitschriften, die Amazon in den USA bereits an Besitzer seines aktuellen Kindle [3] vertreibt: Die Abonnenten empfangen die digitalen Versionen über die Mobilfunkschnittstelle des Lesegeräts. Das Display des auf Bücher zugeschnittenen Modells ist mit seiner Diagonale von sechs Zoll jedoch zu klein, um Zeitungs- und Zeitschriftenseiten übersichtlich darzustellen. Diesen Nachteil würde ein größerer Kindle wettmachen. Wichtiger Nebeneffekt oder – je nach Perspektive – sogar Hauptvorteil dieser Lösung ist die Möglichkeit, einen Teil der gewonnenen Fläche für Anzeigen zu reservieren.
(Bild: Plastic Logic)
Andere Verlage suchen hingegen nach Alternativen zu dem Modell, einem einzelnen Buchhändler ihre digitalen Inhalte zu überlassen: Einem Bericht [4] des Wall Street Journal zufolge setzen USA Today, die auflagenstärkste US-Tageszeitung, und die britische Financial Times auf den Reader von Plastic Logic [5]. Dieser soll ab Anfang 2010 in Dresden vom Band laufen und ist mit einem ungefähr DIN-A4-großen Bildschirm ausgestattet. Anders als im Kindle ist die Ansteuerelektronik aus Plastik statt aus Silizium. Das extrem dünne Display ist deshalb sehr nachgiebig [6] und damit unempfindlich selbst gegen grobe mechanische Belastungen.
Plastic Logic würde dabei nur als Hardware-Lieferant fungieren. Die Beziehung zum Abonnenten bliebe, anders als bei Amazons Modell, in der Hand der Verlage. Laut New York Times arbeitet auch der US-Medienkonzern Hearst [7] (San Francisco Chronicle, Cosmopolitan) mit dem britischen Unternehmen zusammen.
Die Voraussetzungen, beim digitalen Vertrieb von Zeitungsinhalten mitzumischen, besitzt auch Apple [8]: Das iPhone etabliert [9] sich zurzeit als E-Book-Lesegerät; als Vertriebsplattform könnte der App Store fungieren, der demnächst auch Abonnement-Preismodelle unterstützen soll. Und vielleicht feilt Apple ja tatsächlich bereits an einem Gerät mit größerem Display, auf dem Zeitungs- und Zeitschrifteninhalte besser zur Geltung kommen. (cwo [10])
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[1] http://www.nytimes.com/2009/05/04/technology/companies/04reader.html?_r=2&ref=technology
[2] http://www.amazon.de
[3] https://www.heise.de/news/Kindle-die-Zweite-206826.html
[4] http://online.wsj.com/article/SB124139557124881817.html
[5] http://www.plasticlogic.com
[6] https://www.heise.de/news/Biegsamer-E-Reader-204616.html
[7] https://www.heise.de/news/Hearst-Zeitungen-wollen-fuer-Online-Angebot-verstaerkt-Geld-verlangen-202243.html
[8] http://www.apple.de
[9] https://www.heise.de/news/E-Book-Lesegeraet-iPhone-206913.html
[10] mailto:cwo@ct.de
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