Domainverwalter diskutieren Sicherheit statt Domain-Namen
Das ICANN-Jahrestreffen soll sich um "StabilitÀt und Sicherheit" des Internet drehen; die Terror-Attacken hÀtten dies notwendig gemacht.
Beim Jahrestreffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN [1]) im November werden nicht wie geplant die neuen Top Level Domains [2] im Vordergrund stehen. Man werde sich vielmehr auf drĂ€ngende Fragen der "StabilitĂ€t und Sicherheit" des Internet konzentrieren; die Terror-Attacken vom 11. September in den USA hĂ€tten Institutionen weltweit dazu veranlasst, ihre PlĂ€ne und PrioritĂ€ten neu zu ĂŒberdenken, teilte ICANN-PrĂ€sident Stuart Lynn mit. Als internationale Institution sei auch ICANN nicht immun dagegen. Man wisse, dass dadurch andere wichtige Initiativen verzögert wĂŒrden: "Ich bitte Teile der ICANN-Community um Geduld, sodass wir uns auf die anstehenden Dinge konzentrieren können", sagte Lynn. "Im Licht der neuen UmstĂ€nde, wĂ€re es einfach unverantwortlich, wĂŒrde die ICANN keine tiefgehende Untersuchung der Robustheit und Sicherheit der Adressierungs- und Namenssysteme des Internet machen."
Mögliche Diskussionspunkte dĂŒrften etwa die Sicherheit der 13 offiziellen DNS-Rootzone-Server sein, die kritisch fĂŒr die Adressierung im Web sind. Aber auch die Zusammenarbeit der ICANN mit den Sicherheitsbehörden wird wohl ein Thema sein: Bereits mehrmals haben sich ICANN-Registrare in den USA mit Vertretern des FBI getroffen, um ĂŒber die Weitergabe von Daten zu diskutieren.
In den USA ist zudem umstritten, ob US-Firmen Domains an afghanische oder irakische Kunden mit antiamerikanischen Inhalten verkaufen sollten. Der Ex-Monopolist NSI hat auf öffentlichen Druck hin die Domain taleban.com abgeschaltet. Auch ĂŒber die Frage, ob Internetadressen einem Embargo wie dem gegen den Irak unterfallen können, wird die ICANN wohl diskutieren. Eine offizielle Stellungnahme von Lynn zu den Sicherheitsbedenken, die diskutiert werden sollen, steht allerdings noch aus. Derweil gibt es aber auch in den USA Kritik am Sicherheitsdenken der ICANN. Der DNS-Experte Milton Mueller [3] warnte ICANN davor, ungelöste Probleme von der Tagesordnung zu nehmen. ICANN könne im Ăbrigen wenig tun gegen Mörder, die andere in die Luft sprengten. Die AufklĂ€rung und Verfolgung der AnschlĂ€ge gehöre in die HĂ€nde der Ermittlungsbehörden und Geheimdienste. (Monika Ermert) / (jk [4])
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[1] http://www.icann.org
[2] http://www.heise.de/ct/00/25/066/
[3] https://www.heise.de/news/Rough-Justice-bei-Schlichtern-von-Domain-Streitigkeiten-27233.html
[4] mailto:jk@heise.de
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