Digitaloffensive: CDU will das Prinzip Datensparsamkeit endgĂŒltig entsorgen
(Bild: Ivan Marc / shutterstock.com)
Digitalisierungschancen sollen nicht lĂ€nger durch Datenschutz blockiert werden, sagt der CDU-Vorstand. DatensouverĂ€nitĂ€t sei zeitgemĂ€Ăer.
Der Bundesvorstand der CDU hat am Montag eine "Digitalcharta" beschlossen und rĂŒttelt damit an einem Grundprinzip, das als Pfeiler fĂŒr die PrivatsphĂ€re gilt und in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verankert ist: Man wolle "weg vom Grundsatz der Datensparsamkeit und hin zur DatensouverĂ€nitĂ€t", heiĂt es in dem Papier. "Neue Chancen sollen durch Datenschutz ermöglicht und durch Datensicherheit, InteroperabilitĂ€t, DatenportabilitĂ€t und DatentreuhĂ€ndertum gestaltet werden." Dies sei die Voraussetzung dafĂŒr, dass diejenigen, die bei der Digitalisierung "schneller vorangehen" und "mehr experimentieren wollen", dies auch tun könnten.
Mehr Messwerte seien etwa fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (KI) als "neue SchlĂŒsseltechnologie der digitalen Welt" nötig, begrĂŒndet der Vorstand die Initiative. Zudem will er "das Potenzial von Daten fĂŒr die Heilung noch stĂ€rker nutzen". Der Kampf gegen Krebs oder Demenz werde ohne Daten und die mit ihnen trainierte KI "nicht zu gewinnen sein". DafĂŒr mĂŒssten entsprechende Informationen im Gesundheitssystem â unter BerĂŒcksichtigung des Schutzes personenbezogener Daten â ĂŒber offene Schnittstellen frei flieĂen. Zudem sollen Datenspenden ermöglicht [1] und so ein "Zugang zu anonymisierten Gesundheitsdaten" geschaffen werden.
Zeichen fĂŒr "die Hilflosigkeit aktueller Regulierung"
Kritisch sieht die CDU-Spitze auch den in der DSGVO [2] festgeschriebenen Grundsatz der Einwilligung der Nutzer fĂŒr die Verarbeitung ihrer Daten. "Was frĂŒher ein plausibles Konzept war, funktioniert heute nicht mehr", ist auf den 22 Seiten nachzulesen. "So haben Nutzer hĂ€ufig de facto gar keine Wahl mehr, wenn es um Anwendungen geht, die fĂŒr ihre gesellschaftliche Teilhabe unerlĂ€sslich sind." Dazu komme, "dass etwa das unentwegte Einblenden von sogenannten Cookie- Fenstern auf jeder Webseite die Surfer nerve" und eher ein Zeichen fĂŒr "die Hilflosigkeit aktueller Regulierung" sei. Besser sei es, wenn Nutzer ihre Daten auf von ihnen verwalteten Informationssystemen oder ĂŒber offene Schnittstellen selbst kontrollieren könnten.
Die Digitalcharta des Bundesvorstandes der CDU [3] stammt unter anderem aus der Feder des Beauftragten fĂŒr digitale Wirtschaft und Startups im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Jarzombek, der Vizechefin der CDU/CSU-Fraktion, Nadine Schön, und deren Digitalexperten Tankred Schipanski. Mit dem Beschluss des Vorstands dient es nun als Vorlage fĂŒr einen Leitantrag der CDU auf dem Bundesparteitag in Leipzig Ende November und soll im Anschluss als offizielle Parteilinie gelten. Mit dem Papier greifen die Konservativen Kritik aus der Industrie an der DSGVO [4] auf. DatenschĂŒtzern gilt das vage Konzept der DatensouverĂ€nitĂ€t [5] dagegen als Kampfbegriff der datengetriebenen Wirtschaft [6]. Sie betonen, dass Datensparsamkeit nicht mit Datenarmut verwechselt werden dĂŒrfe. (axk [7])
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[1] https://www.heise.de/news/ConHIT-2018-Jens-Spahn-setzt-auf-Datenspenden-fuer-die-Volksgesundheit-4026548.html
[2] https://www.heise.de/thema/DSGVO#liste
[3] https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/2019-09-30-digitalcharta-beschluss-buvo.pdf?file=1&type=field_collection_item&id=19580
[4] https://www.heise.de/news/BDI-Datenschutzvorgaben-sind-toxisch-fuer-Kuenstliche-Intelligenz-4538401.html
[5] https://www.heise.de/news/Goettinger-Erklaerung-Datenschuetzer-legen-sich-mit-Merkel-Co-an-3673060.html
[6] https://www.heise.de/news/Datensouveraenitaet-Die-Saege-am-informationellen-Selbstbestimmungsrecht-3953776.html
[7] mailto:axk@heise.de
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