Digitalisierung: BĂŒndnis fordert nachhaltige und soziale Landwirtschaft 4.0
(Bild: dpa, Rainer Jensen)
22 zivilgesellschaftliche Organisationen wollen die Macht von Agrar- und Digitalkonzernen begrenzt und die DatensouverÀnitÀt gestÀrkt wissen.
Die Bundesregierung soll die Digitalisierung so gestalten, dass weltweit Bauern sowie andere Arbeitende in der Landwirtschaft davon profitieren und die globalen Umwelt- und Klimaziele erreicht werden können. Diesen Appell haben 22 zivilgesellschaftliche Organisationen am Dienstag im Vorfeld des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) in Berlin ausgesandt. Ein Dorn im Auge ist ihnen dabei vor allem, dass die Interessen der Agrar- und Internetkonzerne bislang die Digitalisierung in der Landwirtschaft dominieren.
GröĂere Unternehmen aus den beiden Branchen wollten anhand anfallender Daten hauptsĂ€chlich mehr Kontrolle ĂŒber Betriebe, Bauern und deren Angestellte gewinnen "und damit ihre Profite steigern", warnt Lena Luig von der Entwicklungsorganisation Inkota. Die beteiligten Organisationen, zu denen etwa auch die Arbeitsgemeinschaft bĂ€uerliche Landwirtschaft (AbL), Brot fĂŒr die Welt, der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Demeter, Misereor und Naturland zĂ€hlen, fordern daher ein verschĂ€rftes Wettbewerbsrecht in der EU und Deutschland.
Monopole verhindern
Die Schwellen fĂŒr eine vermutete Marktbeherrschung mĂŒssten rund um die Landwirtschaft 4.0 abgesenkt werden, heiĂt es in dem vorgelegten Positionspapier [1]. Fusionen zwischen Unternehmen vor- und nachgelagerter Produktionsstufen wie Saatgut, Pestizide und Datenanalyse sollten strenger geprĂŒft werden. Eigene Dienste dĂŒrften nicht begĂŒnstigt, interoperable Datenformate nicht verweigert werden.
Agrar-Plattformen dĂŒrften nicht "von einigen wenigen GroĂkonzernen wie Bayer oder John Deere kontrolliert werden", verlangt die Allianz. Stattdessen sollten Staaten den Aufbau der nötigen Rechenzentren oder Clouds fĂŒr unabhĂ€ngige Systeme finanzieren, die dann von demokratisch legitimierten Gremien verwaltet und von unabhĂ€ngigen Anbietern betrieben werden könnten. Der Bundestag hatte sich jĂŒngst mit einem Antrag zur Landwirtschaft 4.0 [2] fĂŒr einen Ă€hnlichen Ansatz ausgesprochen" und eine ĂŒbergreifende "Masterplattform" ins Spiel gebracht.
Daten dort speichern, wo sie erhoben werden
Bauern sollten selbst bestimmen, "welche Daten sie in digitale Plattformen einspeisen", lautet ein weiterer Punkt. Die Weitergabe betrieblicher Messwerte an Dritte und deren Zweckentfremdung seien auszuschlieĂen. SpeicherkapazitĂ€ten und Sicherheitssysteme mĂŒssten vor allem in LĂ€ndern des globalen SĂŒdens ausgebaut werden, "sodass die Daten dort gespeichert werden können, wo sie erhoben werden". Dazu kommen sollten klare und verbindliche Schutzregeln. Solche Vorschriften seien lĂ€ngst noch nicht in allen Regionen verankert.
Im Rahmen einer umfassenden TechnikfolgenabschĂ€tzung sollten Wissenschaftler dem BĂŒndnis zufolge ausloten, "inwieweit sich die groĂflĂ€chige Anwendung digitaler Instrumente in der Landwirtschaft in einem potenziell weltweiten MaĂstab innerhalb der planetaren Grenzen â vor allem in Bezug auf den Energie- und Ressourcenverbrauch â realisieren lĂ€sst". Der Einsatz digitaler Technik dĂŒrfe Ăbernutzungen nicht verstĂ€rken, sondern mĂŒsse solche deutlich eindĂ€mmen. Angesichts der negativen Umweltauswirkungen und möglicher Folgen fĂŒr die menschliche Gesundheit bleibt es von zentraler Bedeutung, die analoge Produktion von Lebensmittel auszubauen.
"Anders als oft behauptet, fĂŒhrt eine sogenannte PrĂ€zisionslandwirtschaft keineswegs automatisch zur Einsparung von Energie, Pestiziden und DĂŒngemitteln", erlĂ€utert Christian Rehmer vom BUND. "DafĂŒr braucht es eine umfassende Agrarwende." Anwendungen sollten sich an den Prinzipien der Agrarökologie orientieren und den Wissensaustausch zwischen Bauern weltweit dazu fördern. Gerade auch ein Nein zu Monokulturen, breite Fruchtfolgen, bodenschonende ackerbauliche Methoden, vielfĂ€ltige Anbau- und Vermarktungswege machten landwirtschaftliche Systeme widerstandsfĂ€higer, nicht zuletzt gegenĂŒber den Folgen des Klimawandels, stellt die Allianz klar. (axk [3])
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.abl-ev.de/fileadmin/Dokumente/AbL_ev/Gentechnikfrei/gem_Positionspapier_Digitalisierung_Landwirtschaft_4.0_web.pdf
[2] https://www.heise.de/news/Landwirtschaft-4-0-Bundestag-fordert-Datendrehscheibe-fuer-Agrarbetriebe-4587646.html
[3] mailto:axk@heise.de
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