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Digitaler Impfpass: Unklare InteroperabilitÀt zwischen deutschem und EU-Pass

Detlef Borchers

(Bild: FabrikaSimf/Shutterstock.com)

Noch ist es nicht offiziell, dass IBM und Ubirch den Zuschlag fĂŒr Impfpass kriegen. heise online konnte einen Blick in die Ausschreibungsunterlagen werfen.

Am kommenden Montag will das Bundesgesundheitsministerium offiziell mitteilen, wer den Zuschlag fĂŒr die Entwicklung und Speicherung des deutschen digitalen Impfpasses erhĂ€lt. Zwei Tage spĂ€ter will die EuropĂ€ische Union ihr gesamteuropĂ€isches Konzept vorstellen.

Laut den Ausschreibungsunterlagen, die im Heise Tippgeber [1] gelandet sind, steckt eine der wichtigsten Anforderungen in diesem kurzen holperigen Satz: "Die Lösung muss interoperabel mit einer Lösung auf EU-Ebene zu sein." Weil allerdings auf europĂ€ischer Ebene ein digitaler Impfpass noch auf sich warten lĂ€sst, ergĂ€nzte das Ministerium die Ausschreibung um die Anmerkung: "ZukĂŒnftige europĂ€ische Vorgaben sind Gegenstand des Change-Verfahrens." Die geforderte InteroperabilitĂ€t könnte also praktisch spĂ€ter nachgeliefert werden.

Im europĂ€ischen Ausschreibungsblatt TED war der Hinweis aufgetaucht, dass IBM Deutschland und UBirch den Zuschlag fĂŒr die Programmierung des Systems [2] bekommen haben. Ob deren Angebot diesen Anforderungen entsprechen kann und ob es das tatsĂ€chlich ausgewĂ€hlte Zertifikatsvergabe- und PrĂŒfsystem darstellt, ist eine offene Frage. Zumindest Ubirch arbeitet mit der Blockchain-Technik, obwohl dies nach Ansicht von Experten [3] gar nicht notwendig ist und datenschutzrechtliche Fragen aufwirft.

Zumindest mit dem hiesigen Ansatz ist ein lukratives GeschĂ€ft verbunden: Wer immer die in der Ausschreibung geforderte qualifizierte elektronische Signatur (QES) oder das digitale Impfsiegel im deutschen Backend speichert, darf dafĂŒr bis zu 50 Cent pro Impfzertifikat verlangen. Auch wenn sich nicht alle in Deutschland lebenden Menschen impfen lassen werden, dĂŒrfte das Backend ĂŒber 50 Millionen Zertifikate verwalten.

In jedem Fall muss der digitale Impfpass in den 410 Impfzentren und den Arztpraxen als Frontend integriert werden, wĂ€hrend das Backend fĂŒr die PrĂŒfung der Impfzertifikate zustĂ€ndig ist. FĂŒr die Arztpraxen gelten zusĂ€tzliche Vorgaben: "Zur Authentifizierung mĂŒssen vorhandene Mittel der Telematikinfrastruktur (TI), wie bspw. die SMC-B, eHealth-Kartenterminal und Konnektor, eingesetzt werden." Schließlich mĂŒssen alle Schnittstellen offengelegt werden, damit Dritte eigene Lösungen zur PrĂŒfung des Impfnachweises in ihre Systeme einbauen können.

Explizit werden in der Ausschreibung LesegerĂ€te am Flughafen genannt. Wesentlich niedriger sind die Anforderungen an den Feldtest des Systems. Es gib keinen abgestuften Zeitplan fĂŒr den Rollout und den Feldtest des digitalen Impfnachweises. FĂŒr den Nachweis der FunktionsfĂ€higkeit des Systems in den Impfzentren reicht es aus, wenn die Impfnachweise von 16 BĂŒrgern erfolgreich ĂŒberprĂŒft werden. Stellvertretend fĂŒr rund 50.000 Arztpraxen soll es ausreichen, wenn eine Praxis in einer Woche sechs BĂŒrger mit einem digitalen Impfnachweis ausstatten konnte, sei es als ausgedruckten QR-Code, sei es als Bildschirmgrafik, die mit dem Smartphone abfotografiert wird.

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(axk [5])


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https://www.heise.de/-5493354

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/investigativ/
[2] https://www.heise.de/news/Digitaler-Corona-Impfpass-IBM-Ubirch-und-fuenf-Blockchains-5076161.html
[3] https://medium.com/t14g/wer-baut-den-besten-impfausweis-e8fad1dc1535
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:axk@heise.de