zurück zum Artikel

Digital, Life Design 2013: Mobiles Bezahlen ist das nÀchste dicke Ding

Detlef Borchers

Mobiles Zahlen werde ein wesentliches Element des modernen Lebensstil sein und nicht von einer Technik wie NFC getragen, hieß es auf der DLD, auf der die Geldbörse zum Auslaufmodell erklĂ€rt wurde.

Auf der MĂŒnchener Konferenz Digital Life Design [1] (DLD) hatten Apps fĂŒr das mobile Bezahlen ihren großen Auftritt. TelefĂłnica Deutschland startete Mpass [2] und erklĂ€rte die Geldbörse zum Auslaufmodell. Paypal stellte eine App vor, mit der in Zukunft in Jamba Juice-Restaurants [3] bezahlt werden kann.

RenĂ© Schuster von TelefĂłnica Deutschland gab sich zuversichtlich: "Kinder, die heute geboren werden, werden keine Geldbörse haben, wenn sie groß sind." Damit es so kommen wird, startete TelĂ©fonica auf der DLD die Ablösung der Geldbörse [4]. Der Grund fĂŒr das Engagement eines Telekommuniaktions-Anbieters im Zahlungsmarkt ist simpel: "Mit Sprache können wir kein Geld mehr verdienen. Sprache ist bald kostenlos, Daten werden zunehmend wichtiger und Zahlungsdaten sind am wichtigsten", erklĂ€rte Schuster dem Publikum. Mpass, das von TelĂ©fonica mit 60.000 Kunden getestet wurde, mache sich zunutze, dass O2 sehr junge Kunden hat, die als "early adopter" aus Mpass eine "Killer-Anwendung" machen können. Schuster verhehlte nicht, dass TelĂ©fonica den aktuellen Unmut ĂŒber das Banksystem ausnutzen möchte, um sein Zahlungssystem durchzusetzen, hinter dem Wirecard [5] als Provider agiert. In wenigen Jahren sollen Schuster zufolge 50 Prozent der 25 Millionen O2-Kunden in Deutschland Mpass nutzen, das mit einem Jahreslimit von 2500 Euro pro Geldbörse startet. Die zugehörige App arbeitet dabei mit einem Konto, das klassisch als Prepaid-System gefĂŒllt werden muss.

Markus Braun von Wirecard erklĂ€rte, dass mobiles Zahlen ein wesentliches Element des modernen Lebensstil sein und nicht von einer Technik wie NFC [6] getragen werde. In diesem Punkt bekam er Zuspruch vom Paypal-Chef David Marcus, der NFC als eine von Kontrollfreaks beherrschte technische Lösung charakterisierte. "Jeder will da seinen Schnitt machen und den Kunden kontrollieren, die Smartphone-Hersteller, Google, die Banken mit den Zahlungsterminals. Auch Marcus meinte, dass mobile Apps die Zukunft prĂ€gen werden. Als Beispiel nannte er eine Kooperation mit Jamba Juice, bei der die Fastfood-Kette direkt mit Paypal-Servern kommuniziert und die IdentitĂ€t eines Kunden prĂŒfen kann, der im Saftladen mit seiner App bezahlen möchte. Der Zahlungsservice soll in der zweiten JahreshĂ€lfte 2013 starten.

Mobile Zahlungssysteme, das ergab die abschließende Podiumsdiskussion, sollen auch beim klassischen Handel ihren Durchbruch feiern. Der Umgang mit Bargeld sei zu teuer, außerdem brauche es viel zu lange, bis Bargeldtransaktionen auf dem Konto eines HĂ€ndlers auftauchten. Schließlich sollen EntwicklungslĂ€nder besonders vom mobilen Bezahlen profitieren. Dort, wo das Gros der Bevölkerung aus "unverbankten Menschen" bestehe, die aber Mobiltelefone besĂ€ĂŸen, werde das unbare Zahlungsmittel der Zukunft das Telefon sein. So sollen Paypal-Transaktionen schon heute ein Drittel des Bruttosozialproduktes in Kenia ausmachen. Dass Paypal kein wirklich allgemeines diskriminierungsfreies Geldmittel ist und Zahlungen etwa an Wikileaks blockiert, kam in MĂŒnchen nicht zur Sprache. (jk [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1788413

Links in diesem Artikel:
[1] http://dld-conference.com/conferences/17
[2] http://www.mpass.de/o2/#!/?loc=was-ist-mpass&do=imgeschaeft
[3] http://www.jambajuice.com/
[4] https://www.heise.de/news/Telefonica-kuendigt-Ueberweisungen-von-Handy-zu-Handy-an-1788174.html
[5] http://www.wirecard.de/
[6] https://www.heise.de/news/NFC-Kreditkarten-bereiten-den-Boden-fuer-Handy-Zahlsysteme-1586330.html
[7] mailto:jk@heise.de