Die Telekom und T-Mobile USA: Ein schmerzvoller Abschied
Vor 10 Jahren kaufte der Telekom-Chef Sommer sich auf dem US-Mobilfunkmarkt zu einem Wahnsinnspreis von 40 Milliarden Euro ein. Das GeschÀft verlief gut, doch dann verlor die Telekom den Anschluss an die Konkurrenz.
Das lange Zaudern und Zögern hat ein Ende. In einem milliardenschweren Befreiungsschlag macht Telekom [1]-Chef RenĂ© Obermann reinen Tisch mit seinem gröĂten Sorgenkind. Zu einem Preis von 39 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 28 Milliarden Euro verkauft [2] der gröĂte europĂ€ische Telekommunikationskonzern seine schwĂ€chelnde US-Mobilfunktochter [3] an den Konkurrenten AT&T. Immer wieder hatten Obermann und sein Vorstandsteam Optionen fĂŒr die zuletzt T-Mobile USA durchgespielt â von Partnerschaften beim Netz bis zu einem Börsengang oder einem endgĂŒltigen Verkauf.
Zuletzt hatte Obermann auf dem Investorentag in den USA noch gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Mit einer QualitĂ€tsoffensive sollten Kunden bei der Stange gehalten und zurĂŒckgewonnen werden. Der Troubleshooter hieĂ Philipp Humm, den Obermann im vergangenen Jahr in die USA geschickt hatte, um bei dem Unternehmen aufzurĂ€umen. Vor allem der Kundenschwund machte dem viertgröĂten Mobilfunkbetreiber in den USA stark zu schaffen. Im vergangenen Jahr waren sie erstmals rĂŒcklĂ€ufig. Mit rund 33 Millionen Kunden liegt T-Mobile weiter hinter seinen Konkurrenten Verizon, AT&T und Sprint Nextel. Immer wieder machten Spekulationen ĂŒber den Ausstieg der Telekom aus dem US-GeschĂ€ft die Runde und beflĂŒgelten kurzzeitig die Telekom-Aktie.
Die war beim Einstieg ins US-GeschĂ€ft enorm unter die RĂ€der gekommen, als der damalige Konzernchef Ron Sommer den Deal einfĂ€delte. Die Euphorie im MobilfunkgeschĂ€ft und die GoldgrĂ€berstimmung waren groĂ. 40 Milliarden Euro als Kaufpreis fĂŒr die Voicestream, die spĂ€ter in T-Mobile USA umbenannt wurde, bedeuteten zugleich eine aber enorme Verschuldung, an der die Telekom viele Jahre zu knabbern hatte. Dabei liefen die GeschĂ€fte zunĂ€chst gar nicht so schlecht. Die Telekom gewann schnell Kunden, nur die unzureichende Netzabdeckung schien die Expansion zu begrenzen. Immer mehr entwickelte sich die US-Tochter zu einer Perle des Konzern, vor allem zu einer Zeit, da der Konzern in Deutschland zu schwĂ€cheln begann und der Wettbewerb im Inland dem Unternehmen zusetzte.
Doch mit der zunehmenden MarktsÀttigung begannen die Probleme. Die Netzabdeckung war unzureichend, obwohl die Telekom Milliarden in den Ausbau investierte und neue Frequenzen erwarb. Gleichzeitig formierten sich die Konkurrenten und schlossen sich zum Teil zusammen. Nur die Telekom vertraute auf die eigene StÀrke. Das war offensichtlich ein Fehler.
Ob dann schlieĂlich ein Kulthandy dem Unternehmen den TodesstoĂ versetzte, mag dahingestellt sein. Aber das iPhone, das die Telekom in Deutschland exklusiv vertreiben durfte, setzte die Bonner in den USA enorm unter Druck. AT&T, der neue KĂ€ufer, hatte in den USA die anfangs exklusiven Rechte von Apple erhalten. Inzwischen gibt es ebenbĂŒrtige GerĂ€te, aber Obermann hatte das US-GeschĂ€ft offenbar schon abgeschrieben.
Es sei besser, eine Minderheitsbeteiligung an einer Nummer eins zu halten, als die Mehrheit bei der Nummer vier, hatte Obermann vor wenigen Wochen noch gesagt â Worte die heute in neuem Licht erscheinen. In GroĂbritannien hatte die Telekom vorexerziert, was zu tun ist, wenn die Dinge nicht mehr rund laufen: Dort schlossen sich die britische T-Mobile und Orange [4] vor gut einem Jahr zum MarktfĂŒhrer zusammen. (jk [5])
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[3] http://www.t-mobile.us
[4] https://www.heise.de/news/Weg-frei-fuer-Fusion-von-T-Mobile-UK-und-Orange-943171.html
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