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Die Neuzulassungen im November 2008

Gernot Goppelt

Im November schlug sich die wirtschaftliche Entwicklung erstmals offenkundig in den Zulassungszahlen nieder. Der Rückgang bei den Zulassungen gegenüber November 2007 beträgt 17,7 Prozent

Flensburg, 9. Dezember 2008 – Im November schlug sich die wirtschaftliche Entwicklung erstmals offenkundig in den Zulassungszahlen nieder. Der Rückgang bei den Zulassungen gegenüber November 2007 beträgt 17,7 Prozent. Fast alle Hersteller sind von der Entwicklung betroffen. So verlor Opel 35,9 Prozent, BMW 20,8 Prozent und selbst VW 18,6 Prozent. Auffällig sind vor allem die Verluste von Smart: Obwohl das Mini-Segment insgesamt gewachsen ist, verliert Smart im November 45,7 Prozent. Da die Marke im bisherigen Jahresverlauf zu den klaren Gewinnern zu zählen war, ist das Novemberergebnis wohl eher ein Ausrutscher als Abbild eines generellen Trends.

2009 weiterer Rückgang
Vor dem Hintergrund der aktuellen Zulassungszahlen und der Auftragseingänge in der Automobilindustrie glaubt VDA [1]-Präsident Matthias Wissmann, dass 2009 „das schlechteste Jahr seit der Wiedervereinigung“ wird. Wissmann glaubt, dass im kommenden Jahr etwa 2,9 Millionen Pkw zugelassen werden, das Jahr 2008 wird voraussichtlich mit knapp 3,1 Millionen Fahrzeugen abschließen, wenn man die bisherigen Zahlen hochrechnet. Auch das Verhalten der Industrie, also verlängerte Werkschließungen über den Jahreswechsel und Ankündigungen von Kurzarbeit wie etwa bei Daimler deuten nicht auf einen schnellen Umschwung hin. Insofern erscheint Wissmanns Zulassungsprognose für 2009 schon fast optimistisch, sie entspräche einem Gesamtrückgang von etwa 0,6 Prozent.

Die Neuzulassungen im November 2008 (0 Bilder) [2]

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Fehlende Verlässlichkeit
Eine für viele Menschen ungewohnte Erfahrung derzeit besteht darin, dass es für die extreme Kaufzurückhaltung der Kunden scheinbar keine objektiven Gründe gibt. Es ist ja nicht so, dass die Autobanken keine Kredite mehr geben würden, und es schlagen sich auch nicht plötzlich leere Privatkassen im Kaufverhalten nieder. Das macht die Situation für die Automobilindustrie so prekär: Auf der einen Seite brechen die Kunden weg – wobei ein Zusammenhang zu Ereignissen aus der ersten Jahreshälfte kaum auszuschließen ist. Einerseits jagten den Autokäufern die extrem hohen Spritpreise einen Schreck ein, andererseits waren auch die Umweltzonen nicht gerade stimmungsfördernd – sie machten vielen Autobesitzern erstmals in voller Härte deutlich, dass sie Bestandsschutz nicht mehr erwarten dürfen.

Finanzielles Dilemma
Die Industrie braucht nun nicht nur Geld, um die Entwicklung sparsamer Technik voranzutreiben, zum Teil müssen die Unternehmen in den nächsten Monaten schlicht Absatzeinbrüche finanziell überbrücken. Nicht bei jedem Zulieferer und Automobilhersteller kann man davon ausgehen, dass dies ohne Weiteres aus eigener Kraft gelingt. Dennoch darf nicht der Fehler gemacht werden, Zukunftsinvestionen zu vernachlässigen, meint VDA-Chef Wissmann. „Gerade in Zeiten der Krise darf eines nicht gekürzt werden: die Blutzufuhr zum Kopf!“. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung müssten auf dem höchstmöglichen Niveau weitergeführt werden. Andernfalls würde langfristig in der Tat drohen, was die US-Autobauer derzeit erleben: Die US-Regierung tut sich schwer ihnen zu helfen, weil die Industrie aus Sicht der Politik Innovationswille bisher vermissen ließ. Und das sagen nicht etwa Grüne, sondern an vorderster Front die US-Republikaner. (ggo [4])


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