Die Fusion von Telekom und T-Online bleibt eine HĂ€ngepartie
Auch wenn DSW und andere AktionĂ€rsschĂŒtzer darauf pochen, dass sich T-Online im Alleingang besser behaupten kann, ist der Zeitgeist in der Telekom-Branche lĂ€ngst ein anderer.
Noch haben die AktionĂ€rsschĂŒtzer und Fusionsgegner das Handtuch nicht geworfen: Zwar hat die Telekom mit der geplanten Wiedereingliederung von T-Online vor Gericht einen Etappensieg [1] verbucht, doch Rechtsbeschwerden [2] sind so sicher wie das Amen in der Kirche. "Das liegt in der Logik unseres bisherigen Vorgehens", sagt Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). So wird Verschmelzung schon bald den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe beschĂ€ftigten.
LĂ€uft alles im Sinne des Bonner Riesen, könnte frĂŒhestens im April die Verschmelzung ins Handelsregister eingetragen und damit perfekt gemacht werden. Voraussetzung hierzu ist aber, dass der BGH die Rechtsbeschwerden abweist und die Anfechtungsklagen fĂŒr unbegrĂŒndet hĂ€lt. Die AktionĂ€rschĂŒtzer rechnen sich trotz Schlappe vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) aber weiter gute Chancen aus: Dass das OLG die Rechtsbeschwerde ĂŒberhaupt zugelassen hat, hĂ€lt AktionĂ€rsschĂŒtzer Labryga fĂŒr ungewöhnlich.
Auch die DĂŒsseldorfer Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW) gibt sich nicht geschlagen: "Wir gehen davon aus, dass die Eintragung nicht erfolgen kann, wenn Beschwerde dagegen eingelegt wird", sagt Ulrich Hocker. Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der DSW ist davon ĂŒberzeugt, dass die Fusion des Internetanbieters auf den Mutterkonzern unsinnig ist. "T-Online braucht keine Verschmelzung mit der Telekom, um erfolgreich zu arbeiten" Und warum, fragt die DSW, sollte heute falsch sein, was gestern die Telekom selbst als richtig einschĂ€tzte: den Börsengang von T-Online im Jahr 2000. Den hatte Ex-Telekom-Chef Ron Sommer zu einer Zeit des Ăbernahmefiebers in der Branche mit Blick auf Schaffung von AkquisitionswĂ€hrung betrieben. Dabei wurden die Anleger mit einem Ausgabekurs von 27 Euro ordentlich zur Kasse gebeten. Und hier liegt der Hund begraben.
Denn fĂŒr die Wiedereingliederung bekommt die Telekom nach Ansicht ihrer Kritiker jetzt ein SchnĂ€ppchen. Knapp 9 Euro pro Aktie bot sie den freien AktionĂ€ren in bar beziehungsweise einen entsprechenden Gegenwert in T-Aktien. Auf der Hauptversammlung von T-Online im vergangenen Jahr entlud sich der Zorn der Kleinanleger, die sich ĂŒber den Tisch gezogen fĂŒhlen. Doch an dem Beschluss konnten sie nichts Ă€ndern. Nach zweitĂ€giger Debatte wurde die Verschmelzung fast einstimmig beschlossen.
Auch wenn DSW und andere AktionĂ€rsschĂŒtzer darauf pochen, dass sich T-Online im Alleingang besser behaupten kann, ist der Zeitgeist in der Telekom-Branche lĂ€ngst ein anderer. Die groĂen europĂ€ischen Konzerne France Telecom oder Telefonica hatten vorexerziert, wie es geht und ihre Tochterfirmen von der Börse genommen. Die Telekom erhofft sich durch die volle Eingliederung von T-Online erhebliche Synergien. Mit klaren und ĂŒbersichtlichen Produkten soll die Kundenansprache verbessert und an die Konkurrenten verlorene Marktanteile wieder zurĂŒckerobert werden. In den drei Kernsparten der Telekom soll T-Online unter eigenstĂ€ndigem Namen der T-Com, sprich dem GeschĂ€ftsfeld Breitband/Internet zugeschlagen werden. Es sei das Ziel, Internetzugang, Unterhaltung und Sprachtelefonie aus einer Hand bieten, begrĂŒndet T-Online-Chef Rainer Beaujean die Verschmelzung. "KĂŒnftig wollen wir das Schnellboot im Konzern Deutsche Telekom sein". Die Telekom will schlieĂlich nicht den Anschluss an die Zukunft verlieren.
Doch bis Beaujean richtig aufs Gaspedal treten darf, muss er den T-Online-AktionĂ€ren auf einer weiteren Hauptversammlung noch einmal Rede und Antwort stehen [3]. Das haben die KlĂ€ger jedenfalls schon erreicht: Die Fusion kann nicht mehr rĂŒckwirkend zum 1.1.2005 wirksam werden, sondern frĂŒhestens ein Jahr spĂ€ter.
Siehe dazu auch:
- Rechtsmittel gegen Urteil zu Fusion von T-Online und Telekom angekĂŒndigt [4]
- Oberlandesgericht erlaubt Fusion von T-Online mit Telekom [5]
- Fusion von T-Online und Telekom verzögert sich weiter [6]
- T-Online in der Warteschleife [7]
- Fusion von T-Online und Deutscher Telekom weiter blockiert [8]
- Trotz Anlegerprotesten: Telekom schluckt T-Online [9]
- T-Online-AktionĂ€re fĂŒhlen sich verschaukelt [10]
- Scharfe Kritik von T-Online-AktionÀren an Eingliederung in Telekom [11]
- Telekom: Verschmelzung mit T-Online Kernelement der Neuausrichtung [12]
- Telekom nimmt T-Online von der Börse [13]
(Peter Lessmann, dpa) / (jk [14])
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[2] https://www.heise.de/news/Rechtsmittel-gegen-Urteil-zu-Fusion-von-T-Online-und-Telekom-angekuendigt-174059.html
[3] https://www.heise.de/news/Fusion-von-T-Online-und-Telekom-verzoegert-sich-weiter-169074.html
[4] https://www.heise.de/news/Rechtsmittel-gegen-Urteil-zu-Fusion-von-T-Online-und-Telekom-angekuendigt-174059.html
[5] https://www.heise.de/news/Oberlandesgericht-erlaubt-Fusion-von-T-Online-mit-Telekom-173928.html
[6] https://www.heise.de/news/Fusion-von-T-Online-und-Telekom-verzoegert-sich-weiter-169074.html
[7] https://www.heise.de/news/T-Online-in-der-Warteschleife-152849.html
[8] https://www.heise.de/news/Fusion-von-T-Online-und-Deutscher-Telekom-weiter-blockiert-2-Update-152724.html
[9] https://www.heise.de/news/Trotz-Anlegerprotesten-Telekom-schluckt-T-Online-157731.html
[10] https://www.heise.de/news/T-Online-Aktionaere-fuehlen-sich-verschaukelt-Update-157343.html
[11] https://www.heise.de/news/Scharfe-Kritik-von-T-Online-Aktionaeren-an-Eingliederung-in-Telekom-157208.html
[12] https://www.heise.de/news/Telekom-Verschmelzung-mit-T-Online-Kernelement-der-Neuausrichtung-156283.html
[13] https://www.heise.de/news/Telekom-nimmt-T-Online-von-der-Boerse-107923.html
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