Die Dot.coms kommen wieder
Mit dem European Multimedia Accelerator wollen VerbÀnde Startups und mittelstÀndischen Firmen aus der Multimedia- und Internet-Branche ein Sprungbrett zur Expansion nach Ost und West bieten.
Eine Handvoll europĂ€ischer BranchenverbĂ€nde will die Expansion von Multimedia-Firmen in die USA sowie in die östlichen EU-BeitrittslĂ€nder und nach Fernost vorantreiben. Unter der FĂŒhrung des European Multimedia Forums (EMF [1]) haben Organisationen wie der Deutsche Multimediaverband (dmmv [2]) sowie seine spanischen oder slowenischen Pendants den European Multimedia Accelerator (EMMA [3]) ins Leben gerufen. Der EMMA ist eine virtuelle Einrichtung, die interessierten klein- und mittelstĂ€ndischen Unternehmen aus der Branche mit einem Netzwerk an Dienstleistungen, Experten und Beratern beim Sprung ins Ausland zur Seite stehen soll. Im Vordergrund steht dabei, die Expansionswilligen ĂŒber Ansprechpartner vor Ort mit möglichen Kooperationsfirmen in Kontakt zu bringen und den Unternehmen virtuelle oder reale Schaufenster im Web [4] beziehungsweise auf Fachmessen anzubieten.
"Wir wollen auch kleinen Firmen die Möglichkeit geben, das, was GroĂunternehmen aus ihrem Overhead bezahlen, mit Hilfe eines geförderten Overheads zu schaffen", erklĂ€rt Alexander Felsenberg, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des dmmv, in bestem Denglisch. Soll heiĂen: Der EMMA soll bei kleineren Unternehmen die Abteilungen von Konzernen ersetzen, die sich rein um die Expansion kĂŒmmern. Europas Multimedia-Firmen hĂ€tten in ihrer Klasse eine gewisse FĂŒhrungsposition erreicht, ergĂ€nzt Philippe Wacker, GeneralsekretĂ€r des EMF. Es mangele ihnen aber an FĂ€higkeiten, ihre Dienstleistungen und Produkte im Ausland zu vermarkten. Diese will der EMMA, der innerhalb von 24 Monaten mit Hilfe von zwei Millionen Euro aus EU-Fördergeldern aufgebaut wurde, ĂŒber Trainingskurse und Kooperationsangebote vermitteln. Dabei beurteilen die beteiligten MultimediaverbĂ€nde zunĂ€chst die bei ihnen anklopfenden Unternehmen und testen in einem kostenlosen Auditverfahren, ob eine gewisse Expansionsreife vorhanden ist. Danach wird ein "Service-Paket" definiert und mit den Netzwerkpartnern im Zielmarkt umgesetzt. Zu den dafĂŒr anfallenden Kosten konnten die Verbandsexperten keine konkreten Zahlen nennen.
Angesichts des Zusammenbruchs der New Economy in den vergangenen drei Jahren stellt sich die Frage, ob Multimediafirmen im momentanen Ăberlebenskampf ĂŒberhaupt die Eroberung auslĂ€ndischer MĂ€rkte im Sinn haben -- zumal viele Internet-Startups eine zu rasche Expansion in Europa und den USA um Kopf und Kragen gebracht hat. Doch Felsenberg zufolge könnte das momentane Umfeld gĂŒnstiger kaum sein: Inkubatoren und Acceleratoren seien zwar eigentlich ein Kind der 1990er, gibt er zu. Doch "die Dotcoms kommen wieder", und die Kinderkrankheiten der digitalen Ăkonomie seien inzwischen eliminiert.
Erste Einblicke in eine reprĂ€sentative Umfrage, die der dmmv momentan bei ĂŒber 20.000 deutschen Websites mit interaktiven Angeboten durchfĂŒhre, wĂŒrden zeigen, dass man damit "doch Geld verdienen kann". Die Branche "geht wieder ins Ausland", glaubt der Verbandschef. Vertreter der Berliner Firmen mediasquad [5] und typocom [6] bestĂ€tigten, dass sie angesichts des stagnierenden Markts in Deutschland Wachstumschancen vor allem in europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern und in den USA sehen.
Das erste Ziel, das der EMMA im Visier hat, ist denn auch Kalifornien. "Dort ist die Welle richtig zum Surfen", gab Felsenberg als Parole aus. Sehr niedrige Zinsen, ein "Super-Wechselkurs" und eine boomende Nachfrage böten "ideale VerhĂ€ltnisse" fĂŒr GeschĂ€fte im Westen. Einen ersten Online-FĂŒhrer dazu hat der EMMA unter www.check-in-USA.net [7] ins Netz gestellt. In einem nĂ€chsten Schritt wollen die Beschleuniger einen Blick in die östlichen BeitrittslĂ€nder werfen, bevor -- ebenfalls noch in diesem Jahr -- Indien und China auf der Agenda stehen. Den offiziellen Start, der unter der Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement steht, feiert die Branche am heutigen Dienstagabend wie in guten alten Zeiten mit einer groĂen Party im hippen CafĂ© Moskau [8] in Berlin. (Stefan Krempl) / (jk [9])
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[1] http://www.e-multimedia.org/
[2] http://www.dmmv.de/
[3] http://www.e-multimedia.org/accelerator/
[4] http://www.check-out-europe.com/
[5] http://www.mediasquad.de/
[6] http://www.typocom.de/
[7] http://www.check-in-usa.net/
[8] http://www.berlin.de/stadttouren/de/kma_5.html
[9] mailto:jk@heise.de
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