zurück zum Artikel

Deutsche Musikindustrie sieht Abschreckung durch Klagen

Andreas Wilkens

Die Verfolgung illegaler Angebote in Deutschland sei nicht auf KaZaa beschrĂ€nkt. Auch Anbieter bei eMule, Bittorrent und anderen Tauschbörsen mĂŒssten damit rechnen, identifiziert und angezeigt zu werden, betonen die deutschen PhonoverbĂ€nde.

Der Vorsitzende der deutschen PhonoverbĂ€nde Gerd Gebhardt ist davon ĂŒberzeugt, dass die Strafanzeigen gegen Tauschbörsen-Nutzer illegale Musikanbieter abschrecke. "Die Zahl der Nutzer und der getauschten Musikdateien hat spĂŒrbar abgenommen, vor allem bei Kazaa. Wir haben in den letzten Wochen deshalb weitere 100 Anzeigen gegen illegale Musikanbieter in mehreren Tauschbörsen gestellt", heißt es heute in einer Mitteilung [1] der deutschen Sektion der IFPI.

"Wir bedrohen keine Existenzen, aber es soll schon unangenehm sein, fĂŒr illegale Musikangebote verantwortlich zu sein", erklĂ€rt Gerd Gebhardt. Den Musikliebhabern stĂŒnden mittlerweile ausreichend legale Angebote zur VerfĂŒgung. In Deutschland wĂŒrden mehr als 20 Portale eine Million Titel anbieten. "Die Investitionen der Musikwirtschaft in neue MĂ€rkte im Internet und Mobilbereich tragen erste FrĂŒchte", meint Gebhardt.

Eine Hamburger Rechtsanwaltskanzlei hat Ende MÀrz im Namen der IFPI die ersten 68 Klagen gegen illegale Musikanbieter eingereicht. Bisher seien alle Beklagten zu einem Vergleich bereit gewesen, daher sien zivilrechtliche Gerichtsverfahren vermieden worden. Nach Preisgabe der IdentitÀt der Beklagten durch die Internetprovider an die Staatsanwaltschaft seien die Verfahren inzwischen bei den regional zustÀndigen Staatsanwaltschaften gelandet. Bisher seien zwei Urteile und ein Strafbefehl verhÀngt sowie 16 zivilrechtliche Vergleiche geschlossen worden. Die Rechtsverletzer hÀtten bisher zwischen 2000 und 10.000 Euro Schadensersatz gezahlt. Die Summe hÀnge ab von der Zahl der illegalen Angebote, den konkreten TatumstÀnde und der individuellen Situation der Beklagten.

Die Verfolgung illegaler Angebote in Deutschland sei nicht auf Kazaa-Teilnehmer beschrĂ€nkt. Auch Anbieter bei eMule, eDonkey, Bittorrent, Bearshare, WinMX und anderen Tauschbörsen mĂŒssten damit rechnen, identifiziert und angezeigt zu werden. Ein erstes Verfahren gegen einen Teilnehmer bei WinMX sei bereits mit einer Zahlung von 8000 Euro Schadensersatz abgeschlossen worden.

Seit heute wird auch in Frankreich, Großbritannien und Österreich mit Rechtsverfahren gegen Tauschbörsen-Teilnehmer vorgegangen [2]. Insgesamt sind laut IFPI 459 "Uploader", also Teilnehmer an Musiktauschbörsen verklagt worden. Das sei ein Beleg fĂŒr den Erfolg des Vorgehens, das bisher in den USA, Deutschland, DĂ€nemark und Italien gewĂ€hlt wurde. (anw [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-107539

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.ifpi.de/news/news-513.htm
[2] https://www.heise.de/news/Europaeische-Musikindustrie-startet-Klagewelle-107493.html
[3] mailto:anw@heise.de