Der neue Opel Astra aus der NĂ€he betrachtet
Das RĂ€tselraten um neue Opel-Eigner geht weiter, doch beim Design kommt eine klare Ansage aus RĂŒsselsheim. Der neue Kompakte weist sowohl Parallelen zum Insignia als auch eigenstĂ€ndige ZĂŒge auf
RĂŒsselsheim, 18. Juni 2009 â Einmal den ewigen Rivalen VW Golf ĂŒberholen â diesen Traum haben inzwischen Generationen von Opelanern. An LĂ€nge ist die neue Astra-Generation, die im Herbst auf den Markt kommt, dem Wolfsburger in jedem Fall voraus. Und in Sachen Design weist der kommende Astra I eine deutliche FamilienĂ€hnlichkeit mit den Insignia auf, der sich vom Start weg zum Verkaufsrenner entwickelt. Grund genug, sich seinen kleinen Bruder nĂ€her anzusehen.
Harmonie mit Fuge
Der erste Eindruck beim Betrachten des Kompakten: Opel hat den Insignia geschrumpft. Sicherlich kein schlechtes Zeichen, wobei der Begriff "kompakt" beim neuen Astra zu relativieren ist, denn das Fahrzeug ist immerhin 4,42 Meter lang. Design-Chef Mark Adams gibt unumwunden zu, dass der groĂe Bruder als Vorbild diente: "Wir haben das Werk fortgesetzt, das wir mit dem Insignia begonnen haben. Man kann sich Astra und Insignia als Teile einer Familie mit den gleichen Genen vorstellen." Die Front des neuen RĂŒsselsheimer HoffnungstrĂ€gers kommt recht abgerundet daher, gestört wird das Bild aber von einer extrem nach oben gerutschten Fuge. Dass die Motorhaube derart frĂŒh vor der Wagen-Front endet, hat laut Opel versicherungstechnische GrĂŒnde: Bei kleineren UnfĂ€llen wĂ€chst so die Chance, dass die Haube heil bleibt und sich entsprechend die Reparaturkosten in Grenzen halten. Dem Aussehen schadet diese MaĂnahme allerdings.
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Klassische Seitenblinker
An der Frontpartie setzt der Astra zudem auf weniger Chrom als beim Insignia. Der KĂŒhlergrill ist flach und trapezförmig und wird vom neuen, groĂen Opel-Blitz dominiert. Die Blinker sitzen in separaten, chromverzierten GehĂ€usen etwas nach hinten verlagert im vorderen StoĂfĂ€nger. Klassisch wurde bei den Seitenblinkern verfahren: Sie sitzen nicht modisch in den AuĂenspiegeln, sondern in den vorderen KotflĂŒgeln.
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Neues Selbstbewusstsein
Auch an anderen Stellen stellt der Astra Selbstbewusstsein zur Schau: Die pfeilförmigen Tagfahrlichter kennt man bereits vom Insignia. Dessen Pfeil- und Sichel-Motiv findet sich im Astra hĂ€ufig wieder, so etwa in der Seitenlinie. Hier zieht sich eine sichelförmige Sicke nach hinten Richtung C-SĂ€ule nach oben, wo sie auf die Seitenfenstergrafik trifft. Die Seite des Neuen wirkt stimmig, dynamisch und harmonisch, wobei die 19-Zoll-Felgen unseres Modells natĂŒrlich nicht zur Einstiegsausstattung namens "Essentia" gehören. Angefangen wird bei 16 Zoll. Die Optik von C-SĂ€ule und Seitenfenstern soll ĂŒbrigens, man höre und staune, an das Kadett B CoupĂ© von 1966 erinnern. Vor den hinteren RadlĂ€ufen kommt hingegen wieder der Insignia durch. Das Sichel-Thema, welches dort die FronttĂŒren ziert, verlĂ€uft beim Astra genau andersherum, nĂ€mlich nach hinten oben.
Sehr prÀsentes Heck
Apropos hinten: Die schlanke Silhouette verlĂ€ngert laut Opel die Dachlinie so geschickt, dass sie fĂŒr mehr Abtrieb am Heck sorgt, ohne den Luftwiderstand zu erhöhen. Das Heck des Astra verlangt ein bisschen Eingewöhnung: Ausgesprochen pummelig hĂ€ngt es am Wagen. Ein wulstiger Dachkantenspoiler sorgt fĂŒr die richtige Luftumströmung und den Trend zum Diffusor zwischen den Endrohren macht Opel beim Astra nicht mit. Der Kofferraum wĂ€chst im Vergleich zum VorgĂ€nger-Modell um 30 Liter und ist mit 370 Litern sogar 20 Liter gröĂer als der des Golf. Allerdings sind Ladekante und Ladeschwelle ausgesprochen hoch, und die Ladeluke ist nicht allzu ĂŒppig dimensioniert. Als kleinen Trost gibt es unter der Bezeichnung "FlexFloor" einen dreifach einstellbaren Zwischenboden.
Greifbare QualitÀt im Innenraum
Doch nun genug der Ă€uĂeren Merkmale, wir wenden uns dem Innenraum zu. Dort werden zukĂŒnftige Astra-Kunden die meiste Zeit verbringen, weshalb das Opel-Team viel Wert auf die so genannte "wahrnehmbare QualitĂ€t" gelegt hat. Darunter versteht man das Erscheinungsbild und die Haptik aller Materialien, Schalter und Applikationen. "Unser Ziel war es, das Astra-Interieur ebenso hochwertig zu gestalten wie beim Insignia", sagt Opel-Experte Peter Hasselbach. In der Tat sind die Parallelen kaum zu ĂŒbersehen: Neben der Kombination von schwarzer Optik und roter Tachobeleuchtung sind auch die Astra-Instrumente in Chrom eingefasst. Die Basisausstattung hört auf den Namen Essentia, darĂŒber befinden sich die Versionen Enjoy, Sport und Cosmo. Die Grundfarbe innen ist Schwarz, optional sind aber auch Farbtöne namens "Spice Red" und "Ocean Blue" erhĂ€ltlich.
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Anheimelnde Kabine
Wir nehmen im Astra Platz und stellen fest: Die Sitze sind bequem, alles fasst sich gut an. Das Lenkrad kennen wir bereits aus dem Insignia und aus dem Chevrolet Cruze. Kopffreiheit genieĂen wir vorne und hinten ohne Ende und der Blick in die groĂen AuĂenspiegel macht Freude. Allerdings folgt auch Opel dem Trend zum unĂŒbersichtlichen Heck: Die sehr breiten nach innen gezogenen C-SĂ€ulen versperren den Blick nach drauĂen.
Kann klappen
Der neue Astra ist auf jeden Fall ein eigenstĂ€ndiges Fahrzeug. Dabei streckt er sich siebzehn Zentimeter lĂ€nger als sein VorgĂ€nger, wovon sieben Zentimeter dem Radstand zugutekommen. FĂŒr mehr optische PrĂ€senz sorgt vor allem der Breitenzuwachs um sechs Zentimeter. Wenn die VerarbeitungsqualitĂ€t in der Serie stimmt, kann der rundliche Kompakte aus RĂŒsselsheim wieder vorne mitspielen. Man darf gespannt sein, wie das Design und der GröĂenzuwachs bei den Kunden ankommen werden. (imp)
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