Der Fluch der UMTS-Lizenzen
Die UMTS-Lizenzen erweisen sich als Fluch fĂŒr die Telecom-Firmen: Angesichts unsicherer Erwartungen werden sie an den KapitalmĂ€rkten abgestraft.
WĂ€hrend die Telekomriesen an neuen Diensten fĂŒr den mobilen Datenverkehr der Zukunft arbeiten und von lukrativen GeschĂ€ften trĂ€umen, werden sie derzeit an den Börsen gnadenlos abgestraft [1]. An den AktienmĂ€rkten sind Telekom & Co nicht mehr gefragt [2]. Immer mehr setzt sich in der Branche die bittere Erkenntnis durch: Die Trauben im kĂŒnftigen MobilfunkgeschĂ€ft UMTS hĂ€ngen hoch. Zudem zeigen Marktstudien, dass die meisten Handykunden kaum mehr fĂŒr diese Dienste ausgeben wollen als gegenwĂ€rtig fĂŒr mobile Telefonie.
Der UMTS-Euphorie ist lĂ€ngst die ErnĂŒchterung gefolgt: In der Branche gilt als sicher, dass die hohen Kosten zu einer weiteren Konsolidierung des Marktes zwingt. Nicht auszuschlieĂen ist dabei, dass einige Lizenzerwerber [3] scheitern. Allein in Deutschland hatten sechs Bieter die Rekordsumme von knapp 100 Milliarden Mark fĂŒr die begehrten SchĂŒrfrechte gezahlt. Mehr als 200 Milliarden Mark sind es in Europa.
Und damit nicht genug: Zu den reinen Lizenzkosten kommen BetrĂ€ge in Milliardenhöhe fĂŒr den Aufbau der UMTS-Netze sowie Zinsen fĂŒr Kredite und Anleihen hinzu. Wegen der wachsenden Verschuldung stufen Rating-Agenturen zudem die BonitĂ€t der Konzerne herunter. Ein Teufelskreis beginnt: Die Aktienkurse fallen weiter und Zinsen fĂŒr Anleihen steigen. BörsengĂ€nge von Mobilfunkfirmen wie der von Orange (France Telecom) geraten fast zum Flop [4].
Und so fragen nicht nur notorische Schwarzmaler: Lassen sich die UMTS-Milliarden ĂŒber mobile Datendienste jemals wieder hereinholen? Die Berater von Spectrum Strategy Consultants (SSC) meinen ja â wenn es den Betreibern gelingt, sich als Portal-Anbieter mit exklusiven Inhalten zu positionieren. Dabei habe derjenige einen Vorteil, der "als erster mit Diensten an den Kunden herantritt", meint Verena Dolphin von SSC. "Wenn nicht wir, wer dann", beantwortet der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Mannesmann Mobilfunk (D2 Vodafone), JĂŒrgen von Kuczkowski, die Frage nach den Ăberlebenden im UMTS-GeschĂ€ft. TatsĂ€chlich ist die deutsche Tochter der Vodafone-Gruppe wie auch der gesamte Konzern am besten fĂŒr UMTS gerĂŒstet. Die Briten haben nicht nur die meisten Lizenzen in Europa ergattert, sie sind auch am geringsten verschuldet.
Gute Chancen, im UMTS-GeschĂ€ft FuĂ zu fassen, werden auĂerdem der France Telecom, Deutschen Telekom und British Telecom eingerĂ€umt. In ihren Lizenzgebieten verfĂŒgen alle ĂŒber einen festen Kundenstamm im Mobilfunk. Schwerer dĂŒrften es Anbieter haben, die Neueinsteiger sind wie die spanische Telefonica und die finnische Sonera [5]. Bislang ist es dem Konsortium noch nicht gelungen, einen deutschen Partner zu finden. GesprĂ€che mit Debitel und Hutchison scheiterten.
Ende kommenden Jahres sollen UMTS-Dienste in Europa starten. Die Telefongesellschaft Mobilcom, die in Deutschland mit ihrem Partner France Telecom antritt, spricht gar von Mitte 2002. Die ersten AuftrĂ€ge an die AusrĂŒster wie Nokia, Nortel, Ericsson oder Siemens sind vergeben und Standorte fĂŒr Antennen gesichert. Ob es zu Verzögerungen kommt, hĂ€ngt nach Ansicht der SSC-Beraterin Dolphin besonders davon ab, ob es EngpĂ€sse bei der Finanzierung gibt oder die UMTS-Handys rechtzeitig lieferbar sind.
Die eigentliche Revolution des Mobilfunks beginnt aber nicht mit UMTS, sondern mit der paketvermittelten Funktechnik GPRS. Als erster ging Viag Interkom [6] im Januar mit der neuen Technik an den Start. Wenig spĂ€ter folgte [7] die Telekom-Tochter T-Mobil. D2 Vodafone und E- Plus wollen in wenigen Wochen nachziehen [8]. Dabei wird erstmals nicht nach Zeit, sondern nach ĂŒbertragenen Datenmengen abgerechnet. Der Kunde ist stĂ€ndig online und kann sich E-Mails und Texte aufs Handy spielen lassen. GPRS soll noch vor UMTS zunĂ€chst dem WAP-Dienst zum Durchbruch verhelfen. Ein Flop mit GPRS, meint Michael Rebstock von VIAG Interkom, das wĂ€re schwerwiegend. (Peter Lessmann) / (jk [9])
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[1] https://www.heise.de/news/Ruecktrittsgeruechte-um-Telekom-Chef-36685.html
[2] https://www.heise.de/news/Hintergrund-Talfahrt-der-T-Aktie-bringt-Telekom-in-Not-36735.html
[3] https://www.heise.de/news/Hintergrund-Die-Gewinner-der-sechs-UMTS-Lizenzen-28081.html
[4] https://www.heise.de/news/Orange-Aktie-unter-Ausgabepreis-36451.html
[5] https://www.heise.de/news/UMTS-Konsortium-um-Telefonica-zieht-nach-Muenchen-36705.html
[6] https://www.heise.de/news/Viag-Interkom-stellt-GPRS-Preise-vor-32786.html
[7] https://www.heise.de/news/T-Mobil-gibt-GPRS-Gebuehren-bekannt-32017.html
[8] https://www.heise.de/news/E-Plus-will-aus-GPRS-ein-Massengeschaeft-machen-33919.html
[9] mailto:jk@heise.de
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