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Defekte Elektrolyt-Kondensatoren auch in Dell-Optiplex-PCs

Christof Windeck

Ein altbekanntes Schaltungstechnik-Problem trifft nun auch Dell und ist mit ein Grund fĂŒr eine Senkung der GeschĂ€ftsprognosen: Defekte Elektrolyt-Kondensatoren legen einige Ă€ltere Optiplex-Rechner lahm.

In den letzten Jahren [1] sind bei zahlreichen [2] PC-Mainboard-Typen gehĂ€ufte AusfĂ€lle wegen defekter Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren (kurz Elkos) aufgetreten. Das hat in den USA schon zu mehreren Sammelklagen gefĂŒhrt, die erfolgreich in Vergleichen endeten. Nun ist auch der weltgrĂ¶ĂŸte PC-Hersteller Dell betroffen und gibt dies als einen der GrĂŒnde an, seine Prognosen fĂŒr das dritte Quartal zu reduzieren [3]: Bei einigen Ă€lteren Modellen aus der Optiplex-Baureihe fĂŒr den professionellen BĂŒro-Einsatz (GX270 [4], SX270 [5]) laufen die Elkos aus. Als Folge davon treten AbstĂŒrze, Boot-Schwierigkeiten oder TotalsausfĂ€lle auf.

Laut Support-Forum [6] der US-amerikanischen Dell [7]-Webseite sollen nur solche GerĂ€te betroffen sein, die vor MĂ€rz 2004 ausgeliefert wurden. Eine Dell-Sprecherin erklĂ€rte US-Medien, dass nur ein kleiner Teil der ausgelieferten Computer betroffen sei und man deshalb keine RĂŒckruf-Aktion plane.

Der Ausfall von Elkos betrifft nicht nur PC-Mainboards; vielmehr handelt es sich um ein seit Jahrzehnten bekanntes Problem der Elektronik. Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren kommen in vielen elektronischen Schaltungen zum Einsatz, vor allem auch in Spannungswandlern: Als Energiespeicher glĂ€tten und puffern sie die Ausgangsspannung, damit die angeschlossenen Komponenten auch bei stark wechselnder StromstĂ€rke stets eine stabile und prĂ€zise geregelte Spannung erhalten. Auf modernen PC-Mainboards findet sich mehr als ein Dutzend Spannungswandler, weitere stecken im Netzteil und vielen Komponenten. In Computern am stĂ€rksten belastet ist typischerweise der Spannungswandler fĂŒr den Hauptprozessor, der bei sehr geringen Spannungen (unter 1,5 Volt [8]) Ströme von mehr als 100 Ampere [9] liefern muss. Gleichzeitig verlangen aktuelle x86-Prozessoren auch bei extrem schnellen Lastwechseln [10] hohe Regelungs-PrĂ€zision, die Spannung muss auf wenige hundertstel Volt genau stehen. Unter solchen Bedingungen mĂŒssen die Spannungswandler (Voltage Regulator Module, VRM) sehr genau dimensioniert und aus Bauelementen hoher QualitĂ€t aufgebaut werden: Als Elkos eignen sich nur spezielle Modelle mit sehr geringem Innenwiderstand (Low ESR: Equivalent Series Resistance).

Die Lebensdauer aller Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren ist begrenzt; fĂŒr Prozessor-Kernspannungswandler verwendet man typischerweise Low-ESR-Typen, die bei 105 Grad Celsius Temperatur und unter voller zulĂ€ssiger Spannungs- und Rippelstrombelastung statistisch 4000 oder 8000 Stunden ĂŒberleben. Man dimensioniert diese Elkos, die Schaltung und die SystemkĂŒhlung aber selbstverstĂ€ndlich so, dass Strombelastung und Temperatur in niedrigeren Bereichen liegen: Dann halten die Elkos auch mehr als zehn oder fĂŒnfzehn Jahre durch. Die Lebensdauer-Erwartung lĂ€sst sich mit komplizierten Formeln berechnen, die je nach Hersteller und Kondensator-Typ variieren. GrundsĂ€tzlich gilt, dass kontinuierlicher Betrieb des Rechners bei hohen Innentemperaturen oder unter hoher CPU-Last (Server, Distributed Computing [11], Prozessoren mit hoher Ruheleistung) die Lebenserwartung der Elkos verkĂŒrzen. Wegen der schnellen Lastwechsel moderner Prozessoren mĂŒssen die Elkos dummerweise auch noch nahe am heißen Prozessor angeordnet sein, sodass sie wenigstens im Luftstrom des Ventilators auf dem CPU-KĂŒhler stehen sollten.

Elkos "sterben" fĂŒr gewöhnlich daran, dass ihre flĂŒssige Elektrolyt-FĂŒllung langsam verdampft (durch die Gummidichtung hindurch); als Folge davon sinkt die KapazitĂ€t. Hohe Temperaturen im Elko beschleunigen diesen Vorgang; bei extremen Belastungen erfolgt der Ausfall spektakulĂ€r, schlimmstenfalls mit einem Knall und Rauchentwicklung. Der leitfĂ€hige und Ă€tzende Elektrolyt kann beim Auslaufen weitere SchĂ€den verursachen. Aber auch Ă€ußerlich völlig intakte Elkos können durch allmĂ€hliche Austrocknung lĂ€ngst defekt sein.

GehĂ€ufte AusfĂ€lle von Elkos können zahlreiche Ursachen haben. Die Mainboard-Firmen, deren Produkte aus den Jahren 2000 und 2001 hĂ€ufiger ausfielen, machten vor allem QualitĂ€tsmĂ€ngel [12] der Kondensatoren selbst verantwortlich. Es gibt aber auch Mainboards, bei denen AusfĂ€lle hochwertiger Kondensatoren auftraten – dann sind wohl eher Fehler in der Schaltung oder beim Board-Layout (WĂ€rme-Eintrag durch benachbarte Komponenten) verantwortlich. Aber auch mangelhafte KĂŒhlung (lĂŒfterlose Rechner, Notebooks), Überspannungen (Blitzschlag) oder zu hohe Strombelastung (höhere CPU-Kernspannung zwecks Übertakten) können auf Dauer die Elkos schĂ€digen.

Unter Verweis auf die zahlreichen möglichen Ausfall-Ursachen lehnen einige Hersteller Reklamationen ab, zumindest wenn diese nach der GewĂ€hrleistungs- und Garantiefrist eintreffen. Im Einzelfall lĂ€sst sich der konkrete Grund fĂŒr den Ausfall von Elektrolytkondensatoren auf PC-Mainboards nur durch eine Experten-Analyse nachweisen. Von typischen PC-Komponenten sind außer Mainboards auch Netzteile und Grafikkarten hĂ€ufiger betroffen. Allein zu Mainboards erreichten die c't-Redaktion seit einem Artikel im Jahre 2003 [13] etwa 200 Leser-Zuschriften.

Siehe dazu auch: (ciw [14])


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[1] http://www.heise.de/ct/aktuell/meldung/34988
[2] https://www.heise.de/news/Auch-MSI-tauscht-defekte-Mainboard-Elkos-139483.html
[3] https://www.heise.de/news/Dells-Geschaefte-laufen-schlechter-als-erwartet-143406.html
[4] http://support.euro.dell.com/support/edocs/systems/opgx270/
[5] http://support.euro.dell.com/support/edocs/systems/opsx270/
[6] http://forums.us.dell.com/supportforums/board?board.id=oplex_other
[7] http://www.us.dell.com/
[8] https://www.heise.de/news/Intels-Billigprozessor-Celeron-D-fuer-neue-PC-Plattformen-und-mit-Thermal-Monitor-2-105673.html
[9] https://www.heise.de/news/Intel-Xeon-jetzt-auch-mit-3-20-GHz-und-L3-Cache-zu-haben-86405.html
[10] https://www.heise.de/news/Intel-kuendigt-weitere-Dual-Xeon-Chipsaetze-Mainboards-und-Server-Chassis-an-103341.html
[11] https://www.heise.de/news/Verteiltes-Rechnen-fuer-die-medizinische-Forschung-115637.html
[12] https://www.heise.de/news/Defekte-Elektrolyt-Kondensatoren-legen-Mainboards-lahm-75537.html
[13] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/03/21/216/
[14] mailto:ciw@ct.de
[15] https://www.heise.de/news/Dells-Geschaefte-laufen-schlechter-als-erwartet-143406.html
[16] http://www.heise.de/ct/aktuell/meldung/34988