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Debatte um Datenschutzposten in Schleswig Holstein

Detlef Borchers

In Schleswig-Holstein ist die Debatte um die Besetzung des DatenschĂŒtzer-Postens entbrannt: Die Amtszeit von Thilo Weichert lĂ€uft Anfang September aus. Nicht alle sind offenbar fĂŒr eine VerlĂ€ngerung.

Die Landtagsdebatte um den gestern vorgelegten TĂ€tigkeitsbericht [1] des UnabhĂ€ngigen Landeszentrums fĂŒr Datenschutz (ULD [2]) ist zu einer Auseinandersetzung ĂŒber den obersten DatenschĂŒtzer Schleswig Holsteins geworden. Die Amtszeit Thilo Weicherts lĂ€uft kurz vor der anstehenden Landtagswahl zum 1. September aus. WĂ€hrend die CDU um den amtierenden MinisterprĂ€sidenten Peter Harry Carstensen den Posten offenbar mit einem eigenen Kandidaten besetzen will, haben sich SSW (SĂŒdschleswiger WĂ€hlerverband), FDP und GrĂŒne fĂŒr eine VerlĂ€ngerung der Amtszeit Weicherts ausgesprochen. Indifferent ist offenbar die SPD.

Die Sozialdemokraten sind verĂ€rgert ĂŒber Weicherts Kritik an der Vorratsdatenspeicherung. In der Aussprache ĂŒber den TĂ€tigkeitsbericht hatte der SPD-Politiker Thomas Rother [3] zwar Weichert und seiner Truppe fĂŒr die geleistete Arbeit gedankt, die Kritik an der Vorratsdatenspeicherung aber als unberechtigt zurĂŒckgewiesen. Diese Technik sei sehr wohl mit der Verfassung vereinbar. FĂŒr die CDU hatte Wilfried Wengler [4] kritisiert, dass sich die Arbeit des ULD zu einem erheblichen Teil mit Themen befasse, deren Bezug zu Schleswig-Holstein nur am Rande erkennbar sei.

Die Karriere des Juristen Thilo Weichert [5] als DatenschĂŒtzer begann bei den GrĂŒnen in Baden-WĂŒrttemberg. Entsprechend empört Ă€ußern sich zu den CDU-PlĂ€nen die GrĂŒnen in Schleswig-Holstein [6]. Ihr Landesvorsitzender Karl-Martin Hentschel erklĂ€rte: "Dass die CDU ihn nun loswerden will, weil er das falsche Parteibuch hat, ist ein Zeichen von ProvinzialitĂ€t. Jetzt ist die SPD gefragt, ob sie diesen Verfall der politischen Kultur zulassen will." FĂŒr den SĂŒdschleswiger WĂ€hlerverband erklĂ€rte der stellvertretende Vorsitzende Lars Harms [7], dass dank der Arbeit von Weichert Schleswig-Holstein auf dem ersten Platz in der "Datenschutz-Bundesliga" stehe und es gar keine Zweifel an einer WeiterbeschĂ€ftigung geben könne. RĂŒckendeckung erhĂ€lt Weichert auch von der FDP und ihrem Vorsitzenden Wolfgang Kubicki [8].

Wie sehr die Arbeit des Kieler ULD eingeschĂ€tzt wird, zeigt eine Reaktion aus dem fernen Bayern. Dort ist von der Landesregierung Thomas Petri fĂŒr das neu geschaffene Amt des Landesbeauftragten fĂŒr Datenschutz [9] vorgeschlagen worden. Petri war mehrere Jahre Mitarbeiter beim ULD in Kiel, ehe er als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Bundesverfassungsgericht und danach zum Berliner beauftragten fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit wechselte. Die bayerischen GrĂŒnen fordern, Petris Posten nach schleswig-holsteinischen Vorbild als UnabhĂ€ngiges Landeszentrum fĂŒr Datenschutz [10] zu installieren. (Detlef Borchers) / (vbr [11])


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[1] https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-Das-Jahr-der-Skandale-nicht-der-Konsequenzen-210504.html
[2] https://www.datenschutzzentrum.de/
[3] http://www.ltsh.de/presseticker/2009-03/31/12-51-57-2174/pi.txt
[4] http://www.ltsh.de/presseticker/2009-03/31/11-41-52-1f0d/pi.txt
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Weichert
[6] http://www.sh.gruene-fraktion.de/cms/presse/dok/277/277839.datenschutzbeauftrager_thilo_weichert_mu.html
[7] http://www.ltsh.de/presseticker/2009-03/31/13-57-16-23df/pi.txt
[8] http://www.ltsh.de/presseticker/2009-03/31/13-24-13-225a/pi.txt
[9] http://www.bayern.de/Pressemitteilungen-.1255.10194388/index.htm
[10] http://gruene-fraktion-bayern.de/cms/default/dok/276/276268.meine_daten_gehoeren_mir.html
[11] mailto:vbr@heise.de