Datenschutzberater der EU-Kommission kritisieren Flugdatenexport
Stefano Rodota, Vorsitzender der Artikel-29-Gruppe der EU-Kommission, meint, dass die rechtliche Basis der Gemeinsamen Stellungnahme der USA und der EuropĂ€ischen Union vom 18. Februar ĂŒber die Weitergabe von Passagierdaten nicht geklĂ€rt sei.
Stefano Rodota, Vorsitzender der Datenschutzberater der Artikel-29-Gruppe der EU-Kommission, fordert das gemeinsame Abkommen zwischen der EuropĂ€ischen Kommission und den US-Zollbehörden ĂŒber die Weitergabe von Passagierdaten [1] so lange zu vertagen, bis ein formales Verfahren festgelegt wurde. In einem Schreiben [2] vom 3. MĂ€rz an den Vorsitzenden der Menschrechtskommission des EU-Parlaments Jorge Mollar schrieb er, dass wĂ€hrend des Treffens der EU-Ratsarbeitsgruppe fĂŒr Luftverkehr am 20. Februar "viele Delegationen Zweifel und Sorgen hinsichtlich der rechtlichen Natur, der Inhalte oder der Inkraftsetzung der Gemeinsamen Stellungnahme" geĂ€uĂert hĂ€tten.
Auch stellte Rodota fest, dass die rechtliche Basis der Gemeinsamen Stellungnahme [3] der USA und der EuropĂ€ischen Union vom 18. Februar, die den US-Behörden den Direktzugriff auf europĂ€ische Luftfahrtbuchungs- und Check-In-Systeme erlaubt, nicht geklĂ€rt sei. Die Stellungnahme gehe davon aus, dass die Datenschutzbehörden "es nicht notwendig finden werden, gegen die Luftfahrtgesellschaften, die den US-Anforderungen Folge leisten, Verfahren einzuleiten". Doch den Datenschutzbehörden stĂŒnde es nicht frei, so Rotoda, nationale Gesetze mal eben nicht anzuwenden. Auch die Luftfahrtgesellschaften auf EU-Territorium seien verpflichtet, den nationalen Datenschutzregeln zu folgen.
Der rechtliche Graubereich, in dem sich die Luftfahrtgesellschaften jetzt bewegten, könnte auch zu Schadensersatzforderungen der Passagiere fĂŒhren, die aufgrund der DatenĂŒbermittlung Nachteile erleiden. Gerichte wĂŒrden sich dann an geltendem Gesetz orientieren und nicht an einer Gemeinsamen ErklĂ€rung von zweifelhafter rechtlicher Grundlage.
Aus diesem Grund schlug die Kommission auf einem Treffen der EU-Botschafter am 26. Februar auch vor, die Einwilligung der Passagiere zur DatenĂŒbermittlung einzuholen. Dies fĂŒhrte zu dem Fax der Lufthansa [4] vom 5. MĂ€rz an ReisebĂŒros, in dem die Beförderung von der Einwilligung abhĂ€ngig gemacht wird. Die Artikel-29-Gruppe wird sich auf ihrem nĂ€chsten Treffen am 20. und 21. MĂ€rz in BrĂŒssel intensiv mit dem Thema befassen.
Felix Stenschke, Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, sagte gegenĂŒber heise online, die Gemeinsame Stellungnahme sei als "Ăbergangseinigung" ein "vernĂŒnftiger Kompromiss", denn "wir können fliegen". Die Alternative sei gewesen, eben nicht zu fliegen. Das Ultimatum vom 5. MĂ€rz wollten die USA nicht mehr verlĂ€ngern. Derzeit arbeiteten alle Beteiligten an einheitlichen Regeln fĂŒr die kontrollierte Weitergabe der Daten.
Die britische BĂŒrgerrechtsgruppe Statewatch bezeichnete [5] das Tempo, in dem die USA die EU-Kommission zur Unterzeichnung der Gemeinsamen Stellungnahme gebracht habe, als "auĂerordentlich". Laut Statewatch hatte der EU-Rat von den US-Forderungen erstmals am 28. Januar 2003 gehört, als die EU-Kommission den Rat informierte. Auf dem Treffen am 17. und 18. Februar sollten laut Kommission lediglich "eine Reihe von Lösungsmöglichkeiten untersucht" werden. Stattdessen unterzeichnete die Kommission unter FĂŒhrung von EU-Kommissar Christopher Patten die "Gemeinsame Stellungnahme". DafĂŒr bekam Patten ĂŒbrigens von der österreichischen BĂŒrgerrechtsorganisation Quintessenz mit Preis "Plumbo Facialis Ersten Grades [6]" sowie die "Translatlantische Nadel in Silber fĂŒr besondere Verdienste bei debilen Datendeals". (Christiane Schulzki-Haddouti) / (anw [7])
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[1] https://www.heise.de/news/Flugdatenaffaere-weitet-sich-aus-75861.html
[2] http://www.statewatch.org/news/2003/mar/art29ch.pdf
[3] http://europa.eu.int/comm/internal_market/en/dataprot/adequacy/index.htm#uspnr
[4] https://www.heise.de/news/US-Zoll-hat-Zugriff-auf-Kundendaten-der-Fluglinien-75643.html
[5] http://www.statewatch.org/news/2003/mar/02usdata2.htm
[6] http://www.quintessenz.org/cgi-bin/index?funktion=view&id=000100002466
[7] mailto:anw@heise.de
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