Das neue BMW ConnectedDrive

Die neue Generation von BMWs ConnectedDrive bringt einige interessante Neuerungen. Die Grafik ist 3D-fähig, es gibt einen LTE-Hotspot, Spracherkennung und einen iDrive-Controller mit Handschrifterkennung

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München, 11. Juli 2012 – Mit der neuen Generation von BMW ConnectedDrive erweitert der Münchner Autobauer den Umfang seines Kommunikations- und Navigationssystems, das mit einem ins Auto integrierten Mobilfunkmodul arbeitet. Zu den Neuerungen gehören unter anderem eine Spracherkennung, mit der der Fahrer kurze Texte eingeben und als E-Mail oder SMS verschicken kann, eine 3D-Darstellung der Display-Inhalte, ein LTE-fähiger "Hotspot" und ein iDrive-Controller mit Schriftzeichenerkennung.

Die neue Generation debütiert zunächst im gerade überarbeiteten 7er, einer Oberklasselimousine, die von 75.000 Euro aufwärts zu haben ist, sowie im neu aufgelegten Kombi der unteren Mittelklasse, dem 3er touring. Weitere Baureihen werden BMW zufolge sukzessive folgen. ConnectedDrive ist ein Bestandteil des aufpreispflichtigen Navigationssystems Professional, das die Bayern ab 2400 Euro anbieten. Die Kosten für die mobile Datenübertragung übernimmt für drei Jahre ab Fahrzeugkauf der Hersteller. Anders als bei früheren Varianten, die zunächst nur per GPRS oder später EDGE Daten austauschten, beherrscht das integrierte Modem inzwischen auch UMTS. Wer sich um Datenschutz oder Elektrosmog sorgt: Die Funkanbindung wird nur auf Kundenwunsch freigeschaltet. "ConnectedDrive 2012" ermöglicht zudem, zwei Telefone gleichzeitig anzukoppeln und deren Adressbücher in eine gemeinsame Kontaktliste zu übertragen, die dann für Telefonate und E-Mails zur Verfügung steht.

Das neue BMW ConnectedDrive (5 Bilder)

In der Navigation gibt es nun 3D-Gebäude zu sehen - und eine Übersichtskarte zur besseren Orientierung.

Bisher erlaubte es ConnectedDrive, sich Nachrichten vom per Bluetooth angebundenden Handy im Fahrzeug anzeigen und vorlesen zu lassen. Dank Spracherkennung kann der Fahrer jetzt auch darauf antworten, ohne die Hände vom Steuer zu nehmen. Das System nutzt die serverbasierte Spracherkennung von Nuance namens Dragon Drive!. Außer zum Versand von Textnachrichten erlaubt sie auch, bis zu zwei Minuten lange Sprachnotizen aufzunehmen, die anschließend per E-Mail versendet oder archiviert werden können. Außerdem soll die Spracherkennung die Bedienung weiterer Funktionen erleichtern, indem Befehle in natürlichem Sprachfluss eingegeben werden können. Als Beispiele nennt BMW: "Wo stellt man den Klang ein?", wenn das Radio eingeschaltet ist, oder, wenn die Kartenansicht des Navis aktiv ist: "Gibt es Verkehrsmeldungen?" Außer Deutsch beherrscht die Spracherkennung derzeit Britisches und US-amerikanisches Englisch sowie Französisch, Italienisch und Spanisch.

Von November an will BMW unabhängig von ConnectedDrive den Car Hotspot LTE verkaufen, der – zumindest theoretisch – Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s erlaubt und im Auto ein WLAN aufspannt. Voraussetzung ist BMW zufolge eine LTE-fähige SIM-Karte – folglich muss der Kunde selbst einen Provider suchen und bezahlen, der ihm das Funken per Long Term Evolution ermöglicht. Dank Standard-USB-Netzteil kann die Hardware auch außerhalb des Fahrzeugs genutzt werden. Mit dem eingebauten Akku sind laut Anbieter bis zu 30 Minuten ohne Stromversorgung möglich. Das Smartphone hat über die Ladeschale eine Anbindung an die Außenantenne, um den Empfang zu verbessern und die Strahlung im Innenraum zu verringern.

BMW will den Hotspot auch als Zubehörteil für rund 480 Euro anbieten, sodass sich auch ältere Modelle der Bayern nachrüsten lassen. Voraussetzung ist, dass der Wagen mit einer werksmäßigen Telefongrundplatte einschließlich Anbindung an die Fahrzeugantenne versehen ist. Dann könnten die Kunden den LTE-Hotspot – ähnlich wie eine Ladeschale für ein gängiges Handymodell – ohne viel Aufwand selbst einsetzen, erläuterte eine BMW-Sprecherin gegenüber Heise. Etwas eigenartig wirkt es auf Anhieb, dass das Fahrzeug selbst keine LTE-Anbindung hat, doch das soll sich ändern. "Demnächst" soll LTE auch für die im Fahrzeug verbaute SIM-Karte zur Verfügung gestellt werden, sodass sämtliche ConnectedDrive-Dienste die höhere Geschwindigkeit von LTE nutzen können. Bei besserer Netzabdeckung und günstigeren Tarifen ist es dann wohl nur eine Frage der Zeit, wann der höhere mögliche Datendurchsatz auf die Gestaltung und Funktionalität der Anwendungen zurückwirkt.

In dieser Hinsicht hat sich beim neuen ConnectedDrive einiges getan. So ist das Design der Bedienoberfläche im Display erstmals komplett in 3D umgesetzt. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Menüs in "virtuellen, dreidimensionalen Räumen" dargestellt werden oder das "hochwertige Animationen" möglich sind. In der Navigation gibt es nun 3D-Citymodelle, die eine detaillierte perspektivisch Darstellung der Umgebung möglich machen, sofern entsprechendes Datenmaterial hinterlegt ist.

BMW verwendet eine Hardware mit 1,3-GHz-Hauptprozessor von Intel und einem EMP9 Grafikchipsatz von Nvidia. Im September 2009 war angekündigt worden, dass BMW Intel-Atom-Prozessoren für seine Infotaiment-Systeme einsetzen wird. Anfang 2011 berichtete dann der Chiphersteller Nvidia, dass er eine Partnerschaft mit BMW eingegangen ist. Demnach sollen Nvidia-Tegra-GPUs in der gesamten Modellpalette von BMW eingesetzt werden, einschließlich der 7-, 5- und 3-Serie sowie den Mini-Cooper- und X-Serien-Modellen. Dieser komplette Umstieg auf Nvidia wir dann wohl in der nächsten Generation von ConnectedDrive vollzogen.

Erstmals setzt BMW nun auch eine Multitouch-Oberfläche im iDrive-Controller ein, zunächst im chinesischen Markt. Auf der 45 Millimeter großen Fläche lassen sich auch Schriftzeichen eingeben, was besonders für den chinesischen Markt eine große Erleichterung sein soll. Da bei chinesischen Schriftzeichen grundsätzlich definiert sei, mit welcher Strichfolge sie beginnen, könne der Fahrer die Zeichenauswahl beim "Schreiben" sukzessive eingrenzen, um so ein Zeichen schnell auszuwählen.

Seit 2010 erlaubt BMW die Integration des Apple iPhone ins Fahrzeug. Apps erweitern die Services im Fahrzeug über das Smartphone, sodass beispielsweise Webradio, GoogleTM lokale Suche oder FacebookTM im Fahrzeug nutzbar werden. Mit 3rd-Party-Apps lässt sich der Funktionsumfang zudem nahezu beliebig erweitern – zumindest theoretisch. Damit Drittanbieter ihre Applikationen "optimal ins Fahrzeug einbinden können", stellt BMW ihnen ein SDK zur Verfügung. Es bietet Guidelines und Tools, damit sie kompatible und fahrzeugoptimierte Versionen ihrer Apps entwickeln können (und sollen). Nach einem Freigabeprozess werden die Anwendungen von der BMW Group für MINI Connected, BMW Apps oder Rolls-Royce Connect zertifiziert und können auf das Smartphone geladen werden. Ab Juli 2013 soll die App-Integration auch für Smartphones mit Android-Betriebssystem möglich sein. Als Pilotpartner für die Android-Integration wählte die BMW Group Samsung, die Android-Integration soll aber sukzessive auf weitere Hersteller ausgeweitet. werden. (ggo)