Das billigste Auto der Welt
Noch gehört die komplette Kleinfamilie auf einem Motorrad zum StraĂenbild Indiens. Der Tata Nano könnte das Ă€ndern. FĂŒr einen Grundpreis von rund 1700 Euro soll er im Laufe des Jahre auf den indischen Markt kommen
Neu-Delhi (Indien), 10. Januar 2008 â In den 50er-Jahren waren es vor allem ZweirĂ€der, mit denen die Deutschen ihre Sehnsucht nach MobilitĂ€t stillten. Mit wachsendem Wohlstand verdrĂ€ngten Automobile MotorrĂ€der und Roller, die heute als âNutzfahrzeugâ kaum noch eine Rolle spielen. So könnte es bald auch in Indien aussehen. Das aufstrebende Land gilt neben China und Russland als einer der groĂen WachstumsmĂ€rkte [1], in denen der Wunsch nach einem eigenen Auto immer stĂ€rker wird. Der indische Automobilhersteller stellt nun das erste echte âBilligautoâ vor, das nicht nur die Massen mobilisieren soll, sondern auch zeigt, wozu Tata fĂ€hig ist.
GerÀumig und komfortabel
Das neue Minimalauto namens Nano stellt laut Tata einen gerĂ€umigen Innenraum mit ausreichend Bein- und Kopffreiheit bereit. So erklĂ€rt sich auch die etwas gewöhnungsbedĂŒrftige, sehr hohe Karosserieform des Fahrzeugs, das auch âPeopleâs Carâ genannt wird, auf deutsch âVolksautoâ. Der Nano ist 3,10 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,60 Meter hoch, um möglichst viel Platz auf wenig GrundflĂ€che zu ermöglichen. Auch die sehr kleinen RĂ€der erklĂ€ren sich durch den Grundsatz der Raumökonomie.
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Antrieb durch Heckmotor
Nicht nur im Namen, den man auch mit âVolkswagenâ ĂŒbersetzen kann, weist das âPeopleâs Carâ Parallelen zu seinem deutschen Namensvetter auf. Genau wie einst der KĂ€fer befindet sich auch beim Tata der gesamte Antrieb im Heck. Es handelt sich dabei um einen Zweizylinder-Benziner aus Vollaluminium mit einem Hubraum von 623 Kubikzentimeter, der mittels einer Multi-Point-Benzineinspritzung 33 PS bereitstellt. Erstmals wird ein Zweizylinder mit nur einer Ausgleichswelle in einem Automobil verbaut.
Umweltfreundlich und sicher
Tata betont, dass das neue Fahrzeug die zurzeit in Indien geltenden Sicherheitsvorschriften erfĂŒllt. Obwohl Airbags nicht serienmĂ€Ăig sind, soll eine feste Fahrgastzelle mit Knautschzonen das Ăberleben der Insassen sichern. Auch in Sachen Umweltfreundlichkeit soll der Nano besser dastehen als aktuelle ZweirĂ€der aus indischer Produktion. Der geringe Verbrauch sorgt fĂŒr niedrige CO2-Emissionen, verspricht Tata.
Das billigste Auto der Welt
Zwei Versionen zur Auswahl
Angeboten wird das Minimal-Auto in zwei Varianten: Die Standard-Version ist betont einfach gehalten. Sie ist an den unlackierten StoĂfĂ€ngern zu erkennen und soll in Indien fĂŒr 100.000 Rupien erhĂ€ltlich sein, umgerechnet etwa 1750 Euro. DarĂŒber hinaus wird eine teurere Luxus-Version zu haben sein, bei der die StoĂfĂ€nger lackiert sind. Vorgesehen ist der Tata Nano bislang nur fĂŒr Indien und andere SchwellenlĂ€nder Asiens. Die EinfĂŒhrung in Indien soll im Laufe des Jahres 2008 erfolgen, Tata plant eine Jahresproduktion zwischen 250.000 und 500.000 Einheiten pro Jahr.
Umstieg auf das Auto fĂŒr viele indische Familien
Tata möchte mit dem neuen Nano jenen indischen Familien, die sich bislang auf MotorrĂ€dern und Motorrollern fortbewegen, ein festes Dach ĂŒber dem Kopf und mehr Platz bieten. Ratan N. Tata, Vorstandsvorsitzender der Tata-Gruppe, schildert eine typische StraĂenszene: âIch beobachtete Familien, die auf ZweirĂ€dern saĂen â der Vater lenkte den Motorroller, seine Frau saĂ hinter ihm und hielt das Baby.â Solche ZustĂ€nde waren schlieĂlich ausschlaggebend fĂŒr die vier Jahre wĂ€hrende Entwicklung des Nano.
Tata Nano fĂŒr Europa
Hat der Nano auch in Europa Chancen? Wohl kaum, denn der Verweis auf indische Sicherheitsvorschriften und auf die Einhaltung der Euro-4-Norm ist dafĂŒr zu wenig. Interessanter ist Tatas FĂ€higkeit, fĂŒr diesen Preis ĂŒberhaupt ein Auto bauen zu können. Und mit seinem Kaufangebot [4] fĂŒr Jaguar und Land Rover hat Tata gezeigt, dass es langfristig Interesse am europĂ€ischen Markt hat. Zum beruhigten ZurĂŒcklehnen besteht als kaum Grund â der nĂ€chste Tata könnte europatauglich sein und trotzdem nicht viel kosten. (rh [5])
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[4] https://www.heise.de/news/Ford-will-mit-Tata-ueber-Jaguar-und-Land-Rover-verhandeln-475673.html
[5] mailto:rh@ix.de
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