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Das Warten eines Ex-MilliardÀrs: Hauptversammlung bei Mobilcom

FrĂŒher war Mobilcom-GrĂŒnder Gerhard Schmid einer der reichsten MĂ€nner der Republik, heute ist er nicht einmal mehr KleinaktionĂ€r. Reden darf er auf der Hauptversammlung dennoch.

Erst wenige Jahre ist es her, dass Gerhard Schmid mit einem Vermögen von rund drei Milliarden Euro einer der reichsten MĂ€nner der Republik war: GrĂŒnder und Vorstandschef des Mobilfunkunternehmens Mobilcom [1], Besitzer einer UMTS-Lizenz, einer des Stars des Neuen Marktes. Am heutigen Freitag auf der Mobilcom-Hauptversammlung im Berliner Tempodrom ist der 52-JĂ€hrige nur noch einer von vielen. Im Nadelstreifenanzug zwar und mit feiner Krawatte, aber nicht mehr auf der BĂŒhne, sondern auf den RĂ€ngen, irgendwo in der dritten Reihe.

Nicht einmal KleinaktionĂ€r will der Ex-MilliardĂ€r mehr sein. Bei der Einlasskontrolle, der sich Schmid wie alle anderen unterziehen muss, beteuert er zum wiederholten Male, an seinem frĂŒheren Konzern keine einzige Aktie mehr zu halten. "Ich bin insolvent. Dann kann ich keine Anteile besitzen." Dass er trotzdem erscheinen kann, verdankt er seiner vermögenden Ehefrau Sybille Schmid-Sindram, die ihm ihr Rederecht ĂŒbertragen hat. Und das will er nutzen, um auf der Hauptversammlung [2] seinen Feldzug gegen Mobilcom-GroßaktionĂ€r France Telecom (29,1 Prozent) fortzusetzen.

Mit dem Partner von einst liegt Schmid im Dauer-Clinch. Im Sommer 2000 kaufte man fĂŒr mehr als 8,4 Milliarden Euro noch gemeinsam eine UMTS-Lizenz [3]. Zwei Jahre spĂ€ter zogen sich die Franzosen zurĂŒck, Schmid verlor seinen Vorstandsposten, Mobilcom geriet an den Rand des Zusammenbruchs. Nach Auffassung des Ex-Chefs hat France Telecom damit bei seiner Ex-Firma mit Sitz in BĂŒdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ein Desaster angerichtet. Deshalb will er eine Schadensersatzklage in Milliardenhöhe anzetteln.

Aufsichtsrat und amtierender Vorstand halten von all dem nichts. Der heutige Mobilcom-Chef Thorsten Grenz wirft seinem VorgĂ€nger vor, das wieder gesundete Unternehmen in eine "sinnlose rechtliche Auseinandersetzung" zwingen zu wollen. "Das wĂŒrde zumindest Zeit und einiges an Geld kosten -- und vielleicht mehr." Der Streit mit dem FirmengrĂŒnder beschĂ€ftigt jetzt schon mehrere Staatsanwaltschaften und Gerichte.

Dabei geht es insbesondere darum, ob Schmid tatsĂ€chlich vom Geld seiner Frau leben muss, die ĂŒber 2,9 Millionen Mobilcom-Aktien im Wert von rund 47 Millionen Euro verfĂŒgt -- immerhin knapp fĂŒnf Prozent des Kapitals. Allerdings gibt es Zweifel, ob sie das Vermögen vom Gatten tatsĂ€chlich schon vor dessen Privat-Insolvenz [4] bekommen hat.

Mit von der Partie ist der Rechtsanwalt und FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, der von seiner Mandantin Schmid-Sindram Aktien ĂŒbertragen bekam [5]. Angeblich, um mögliche Prozesskosten inklusive der eigenen Honorare abzusichern. Kubicki kĂŒndigte am Freitag an, die AntrĂ€ge auf Schadenersatz "aus voller Überzeugung" zu unterstĂŒtzen.

Allerdings dauerte es noch, bis es soweit war. Die Hauptversammlung hing nach Stunden noch in VorgeplÀnkeln fest. Auch Schmid, der mit einem ausgefeilten Redemanuskript angereist war, musste auf den RÀngen noch warten. Einer der vielen Nachteile, die das Dasein als Ex-MilliardÀr [6] mit sich bringt. (Christoph Sator, dpa) / (tol [7])


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[1] http://www.mobilcom.de
[2] https://www.heise.de/news/Schmid-ante-portas-154997.html
[3] https://www.heise.de/news/UMTS-Sieg-bedeutet-Segen-und-Fluch-fuer-die-Lizenz-Gewinner-28091.html
[4] https://www.heise.de/news/Glaeubigertermin-im-Insolvenzverfahren-gegen-Mobilcom-Gruender-79465.html
[5] https://www.heise.de/news/Wolfgang-Kubicki-offenbar-massgeblich-an-Mobilcom-beteiligt-154621.html
[6] https://www.heise.de/news/Einmal-Milliardaer-und-zurueck-84279.html
[7] mailto:tol@heise.de