Coronavirus-Epidemie: 20 Prozent Einbruch bei Displayproduktion erwartet
(Bild: Pixabay)
Die Coronavirus-Epidemie hat weitreichende Auswirkung auf die Displayindustrie, denn Wuhan ist das Zentrum der chinesischen Panelfertigung.
Das Coronavirus legte bereits diverse Fabriken in China und SĂŒdkorea lahm, und es kommen laufend weitere dazu. Die Wiederaufnahme der Produktion gestaltet sich offenbar schwierig.
So musste Auftragsfertiger Foxconn bereits seine Fabs in Shenzhen und Zhengzhou auf Anordnung der Behörden vorĂŒbergehend schlieĂen [1]. Grund waren die zentrale Klimaanlange in den Fabriken und eine unzureichende BelĂŒftung in den UnterkĂŒnften der Arbeiter. Dann kĂŒndigte Foxconn an, die Arbeit in sĂ€mtlichen chinesischen Fabriken vorĂŒbergehend einzustellen.
Um die Arbeit kontrolliert wieder aufnehmen zu können, hat der Auftragsfertiger nun den chinesischen Epidemiologen Zhong Nanshan hinzugezogen. Er hatte maĂgeblich zur Erkennung und BekĂ€mpfung des SARS-Virus beigetragen und soll die Wiederaufnahme der Fertigung begleiten. Man hoffe, auf diese Weise bis Ende Februar zumindest die HĂ€lfte der ĂŒblichen Produktionsergebnisse erzielen zu können. Allerdings sind die Arbeiter wohl nur schwer zurĂŒck an ihre ArbeitsplĂ€tze zu bewegen, weshalb Foxconn bereits PrĂ€mien fĂŒr neue Arbeiter ausgelobt hatte.
Apple trifft die Krise hart
Foxconn ist unter anderem Hauptproduzent fĂŒr das iPhone und andere Apple-Produkte. Deshalb trifft das Unternehmen aus Cupertino die reduzierten ProduktionskapazitĂ€ten besonders hart. Zwar hatte Apple-CEO Tim Cook kĂŒrzlich versucht, Optimismus zu verbreiten [2]. Zugleich senkte er aber in einer Börsenmitteilung die Umsatzerwartung des Unternehmens. Auch die Foxconn Technology Group aka Hon Hai Precision Industry Co. senkte im Zuge der Epidemie seine Umsatzerwartungen [3] fĂŒr 2020.
Foxconn ist nur eines der betroffenen Unternehmen â wobei es die Firma besonders hart trifft, weil sie ihre ProduktionsstĂ€tten im chinesischen Shenzhen konzentriert hat und dadurch kaum Ausweichmöglichkeiten besitzt.
RĂŒckgang der globalen Panelproduktion
Besonders hart trifft die Epidemie jedoch Unternehmen in der chinesischen Provinz Hubei, in der auch die Stadt Wuhan liegt. Dort haben die Behörden sechs Millionen Menschen verordnet, zu Hause zu bleiben. Wuhan ist nicht nur das Epizentrum des Coronavirus, sondern auch Produktionszentrum der chinesischen Displayhersteller.
China dominiert inzwischen Teile der globalen Flachbildschirmindustrie. Deshalb rechnen Experten damit, dass die Panelproduktion im Februar durch die Corona-Epidemie weltweit um etwa 20 Prozent einbricht. Sollte die Produktionen nach und nach wieder angefahren werden, könne der RĂŒckgang im MĂ€rz auf 5 bis 10 Prozent reduziert werden.
Auch in Korea schlieĂen Panelfabriken
In Samsungs Fabrik fĂŒr Mobildisplays im sĂŒdkoreanischen Gumi, die bereits vorĂŒbergehend geschlossen wurde, ist offenbar ein weiterer Arbeiter positiv auf Corona getestet. Dies fĂŒhrte laut Reuters nun zu einer erneuten SchlieĂung des Werkes.
Auch LG setzt die Arbeit in einer Fab fĂŒr Smartphone-Displays in Gumi wegen des Corona-Virus vorĂŒbergehend aus; geplant sei eine Wiederaufnahme am 3. MĂ€rz, berichtet Reuters.
Coronavirus-Infektionen im Ăberblick
Wie weit die Infektion mit dem Virus vorangeschritten ist, zeigt eine interaktive Karte der Johns-Hopkins-UniversitĂ€t [4] aus Baltimore. Sie fĂŒhrt Angaben der Weltgesundheitsorganisation, des Zentrums fĂŒr Seuchenkontrolle, des Nationalen Gesundheitskomitees der Volksrepublik China sowie aggregierte Daten chinesischer Provinzen zusammen. In ihr kann man erkunden, wo bestĂ€tigte FĂ€lle des Virus aufgetreten sind und wie sich die Lage im WeltmaĂstab darstellt.
Wie Telepolis berichtete [5], ergibt sich daraus folgendes Bild: Den rund 80.000 bestĂ€tigen Infektionen in China (Festlandchina) stehen akut rund 1000 Fallzahlen in gesamt Europa gegenĂŒber. Die meisten der in Europa bestĂ€tigten Covid-19-FĂ€lle gibt es aktuell in Italien: 1128. FĂŒr Deutschland liegt die Angabe gemÀà der Karte bei 79 FĂ€llen, das Robert-Koch-Institut zĂ€hlt aktuell 53 FĂ€lle. Mehr als 30.000 Patienten sind weltweit erkrankt. (uk [6])
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[1] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Wegen-Coronavirus-Produktion-bei-Foxconn-muss-weiter-ruhen-4656171.html
[2] https://www.heise.de/news/Coronavirus-in-China-Apple-Chef-gibt-sich-optimistisch-4670855.html
[3] https://www.heise.de/news/Coronavirus-Epidemie-Apple-senkt-seine-Umsatzerwartung-4662852.html
[4] https://www.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6
[5] https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-US-Universitaet-hilft-den-Ueberblick-zu-behalten-4671742.html
[6] mailto:uk@ct.de
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