Corona-Krise: Start des James-Webb-Weltraumteleskops verzögert sich weiter
(Bild: NASA/Chris Gunn)
Der aktuelle Starttermin im MĂ€rz 2021 ist fĂŒr die NASA nicht zu halten. SpĂ€ter im Jahr soll der Hubble-Nachfolger dann aber starten.
Der Start des Hubble-Nachfolgers wird einmal mehr verschoben, wenn auch wohl nicht mehr um ein Jahr: "Wir werden nicht im MĂ€rz starten", gestand der NASA-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen am Mittwoch in einem virtuellen Meeting ein. Gleichzeitig gab er sich aber optimistisch, dass das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) im Jahr 2021 starten wird â mehr als zehn Jahre nach dem allerersten Starttermin und nach jeder Menge Verzögerungen. Die jĂŒngste Verschiebung des geplanten Starts [1] hat demnach ihre Ursache in den MaĂnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie, erklĂ€rte Zurbuchen: "Es liegt nicht daran, dass sie irgendetwas falsch gemacht haben."
Arbeiten am James-Webb-Weltraumteleskop (0 Bilder) [2]
Corona sorgt fĂŒr Verschiebung
Wie der NASA-Manager erklĂ€rte, konnte seit VerschĂ€rfung der MaĂnahmen im Kampf gegen das neuartige Coronavirus [4] nicht mehr in zwei vollen Schichten an dem Weltraumteleskop gearbeitet werden. Das Teleskop wird seit Jahren ausgiebig getestet, damit es nach dem Start auch wirklich die Nachfolge von Hubble antreten kann. Denn anders als das wohl erfolgreichste Weltraumteleskop der NASA soll das JWST an einem Ort platziert werden, wo es nicht nachtrĂ€glich repariert werden könnte. Das war bei Hubble noch nötig gewesen. Schon vor den ArbeitsbeschrĂ€nkungen war der Zeitplan aber sehr eng, gestand Zurbuchen ein. GegenwĂ€rtig findet demnach eine PrĂŒfung statt und bis Juli soll ein neuer Zeitplan stehen.
Das James-Webb-Weltraumteleskop ist ein Gemeinschaftsprojekt der NASA, der europĂ€ischen Weltraumagentur ESA und der kanadischen CSA. Erste PlĂ€ne fĂŒr den Nachfolger von Hubble hatte es schon in den 90er-Jahren gegeben, damals war ein Budget von 500 Millionen US-Dollar veranschlagt und ein Start im Jahr 2007. Danach verzögerte sich die Vorbereitung [5] aber immer weiter und die angesammelten Kosten stiegen immens. SchlieĂlich legte der US-Kongress einen Kostendeckel von weniger als 9 Milliarden US-Dollar fest. Die sind inzwischen auch ĂŒbertroffen und aktuell kratzt das Budget an 10 Milliarden US-Dollar.
Weltraumteleskop Hubble (0 Bilder) [6]
Schon seit Jahren beklagen Beobachter, dass das JWST zu groĂ geworden ist, um zu scheitern ("too big to fail"). Gleichzeitig hat es so viele Ressourcen an sich gezogen, dass andere Projekte darunter leiden und die Fokussierung zum Problem werden könnte. Das Weltraumteleskop soll mit einer Ariane 5 der ESA vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana zum 1,5 Millionen Kilometer entfernten Lagrange-Punkt L2 gebracht werden. Danach soll es mit Treibstoff fĂŒr fĂŒnf bis zehn Jahre zum wichtigsten Observatorium fĂŒr Astronomen in aller Welt werden.
(mho [9])
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[5] https://www.heise.de/news/Hubble-Nachfolger-James-Webb-Weltraumteleskop-verzoegert-sich-weiter-und-wird-noch-teurer-4006782.html
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