Copyright Office fasst Möglichkeiten zum Umgehen von DRM neu
Die fĂŒr Ausnahmen aus dem US-Urheberrecht zustĂ€ndige Behörde hat neue Vorgaben fĂŒr das legale Aushebeln technischen Kopierschutzes aufgestellt. Erlaubt werden erstmals Remixe, SIM-Sperren dĂŒrfen nur noch eingeschrĂ€nkt aufgehoben werden.
Das Copyright Office [1] der US-Kongressblibliothek [2] hat neue Vorgaben [3] fĂŒr das legale Aushebeln technischer Kopierblockaden aufgestellt. Erlaubt wird demnach erstmals das Umgehen von Systemen zum digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM), die in den USA mit dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA) prinzipiell rechtlich geschĂŒtzt sind, um Remixe zu erstellen: Nutzer dĂŒrfen die Sperren von DVDs, anderer digitaler MedientrĂ€ger oder von Filmdateien aushebeln, um "kleine Teile von Bewegtbildern fĂŒr Kritik oder Kommentare" zu verwenden. FĂŒr das Kopieren ganzer DVDs gilt die Erlaubnis nach wie vor nicht.
Smartphone-Besitzer dĂŒrfen das Betriebssystem oder die Firmware ihres GerĂ€t weiter so manipulieren, dass sie rechtmĂ€Ăig erlangte Software darauf installieren können. Die Ausnahme von 2010 [4] hat die Library of Congress entgegen dem DrĂ€ngen zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen aber nicht auf Spielekonsolen oder Tablets ausgedehnt. Die letztgenannte GerĂ€teklasse fanden die Copyright-WĂ€chter zu unbestimmt. So kommt es zu der nicht ganz widerspruchsfreien Regelung, dass "Jailbreaking" auf dem iPhone legal, auf dem iPad dagegen rechtswidrig ist.
Deutlich eingeschrĂ€nkt hat das BĂŒro die bereits mehrere Jahre alte Bestimmung zum Aufheben von SIM-Sperren: Neu gekaufte Mobiltelefone dĂŒrfen nur noch mit dem Segen des Anbieters "befreit" werden. Viele Kunden in den USA werden so fester an ihren Netzbetreiber gebunden.
Der Gesetzgeber hat die Kongressbibliothek mit dem DMCA beauftragt, die Gruppen von Werken und Produkten festzulegen, die vom Verbot der Umgehung von Nutzungskontrollen ausgenommen sind. Die Einrichtung ĂŒberprĂŒft die Vorgaben seit 2000 [5] ungefĂ€hr alle drei Jahre. Es geht dabei vor allem darum, die ausschlieĂlichen Verwerterrechte mit den Interessen der Allgemeinheit im Einklang mit dem Prinzip "Fair use" in Einklang zu bringen.
Die Ausnahmen beziehen sich generell etwa auf E-Books, deren Schutzmechanismen ein lautes Vorlesen oder andere Bestimmungen fĂŒr Blinde aushebeln, sowie auf die InteroperabilitĂ€t legal erworbener Hard- und Software. Umfassend werden Nutzerrechte nach wie vor nicht festgeschrieben. Zu den erfassten Klassen gehören etwa nach wie vor nicht literarische Werke, die eigentlich gemeinfrei sind. Findige Anbieter können diese also theoretisch mit DRM versehen und mit eingeschrĂ€nkten Kopiermöglichkeiten vertreiben.
Die US-BĂŒrgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) freut sich [6] vor allem ĂŒber die neuen Remix-Freiheiten und dass die Jailbreaking-Rechte aufrechterhalten wurden. Die EFF will im Lauf des nĂ€chsten Turnus aber erneut fordern, letztere auf weitere GerĂ€te und Gadgets auszudehnen. Insgesamt verhindere der DMCA nach wie vor Wettbewerb, die Redefreiheit und Innovation. Die Free Software Foundation (FSF) beklagt [7], dass Nutzer, die auf ihre Spielekonsole ein alternatives Betriebssystem installieren wollten, nach wie vor mit Besuch vom FBI rechnen mĂŒssten. Das Copyright Office habe die Interessen von Sony und anderen Konzernen höher gewertet als die der Nutzer. Der DMCA und vergleichbare Gesetze weltweit mĂŒssten endlich aufgehoben werden.
(anw [8])
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[1] http://www.copyright.gov/
[2] http://www.loc.gov/
[3] https://www.federalregister.gov/articles/2012/10/26/2012-26308/exemption-to-prohibition-on-circumvention-of-copyright-protection-systems-for-access-controlh-28
[4] https://www.heise.de/news/Copyright-Office-legt-weitere-Ausnahmen-vom-DRM-Umgehungsverbot-fest-1045744.html
[5] https://www.heise.de/news/US-Copyright-Behoerde-staerkt-die-Position-der-Medien-Industrie-33741.html
[6] https://www.eff.org/press/releases/eff-wins-renewal-smartphone-jailbreak%20ing-rights-plus-new-legal-protections-video
[7] http://www.fsf.org/blogs/licensing/copyright-office-fails-to-protect-use%20rs-from-dmca
[8] mailto:anw@heise.de
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