City-Carrier fordern niedrigere Verbindungspreise zu Handy-Netzen
Die Absenkung der Terminierungsentgelte fĂŒr GesprĂ€che aus dem Festnetz zu einem deutschen Mobilfunknetz auf rund 11 Cent pro Minute geht dem Breko nicht weit genug. Der Interessenverband regionaler Festnetzanbieter hĂ€lt 5 Cent fĂŒr angemessen.
Die im Bundesverband der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (Breko [1]) organisierten Festnetzanbieter fordern "kostenorientierte Preise" fĂŒr Verbindungen zu Mobilfunknetzen. Die morgen erfolgende Senkung dieser so genannten "Terminierungsentgelte", die der Festnetzanbieter an den Betreiber des Handy-Netzes, in dem das GesprĂ€ch auflĂ€uft, geht dem Breko dabei nicht weit genug. Dem Breko zufolge werden die Terminierungsentgelte ab dem 15. Dezember um 2,2 Cent (fĂŒr GesprĂ€che in die D-Netze) beziehungsweise 2,5 Cent (E-Plus und O2) auf dann rund 11 Cent je GesprĂ€chsminute gesenkt, der Absenkung zugrunde liegt eine Vereinbarung der vier Mobilfunknetzbetreiber mit der Deutschen Telekom AG [2] vom Mai 2004.
Auch die auf 11 Cent gesenkten Terminierungsentgelte hĂ€lt der Breko weiterhin fĂŒr "deutlich ĂŒberhöht", da ihre Festsetzung sich nicht an den tatsĂ€chlichen Kosten orientiere: "Angesichts von Endkundentarifen von 3 Cent fĂŒr die gleiche Leistung in umgekehrter Verkehrsrichtung finanzieren wir nach wie vor die GeschĂ€ftsmodelle unserer Wettbewerber", kritisiert Breko-PrĂ€sident Peer Knauer, der Terminierungsentgelte zu den Mobilnetzen im Bereich von 5 Cent fĂŒr "realistisch" hĂ€lt. Sollten die 3-Cent-Tarife, wie sie zum Beispiel E-Plus [3] in seinen "Professional"-Laufzeittarifen anbietet, auch ohne Quersubventionierung gewinnbringend sein, lĂ€gen kostenorientierte Entgelte nach der Rechnung des Breko sogar nur zwischen einem und zwei Cent.
Aus Sicht der City-Carrier sind konkrete MaĂnahmen zur Regulierung der Mobilfunknetzbetreiber ĂŒberfĂ€llig, es werde Zeit, dass die Bundesnetzagentur [4] ihre "schĂŒtzende Hand", die sie bislang ĂŒber die Mobilnetzbetreiber gehalten habe, zurĂŒckziehe. Die höheren Terminierungsentgelte seien den Mobilfunknetzbetreibern bei deren Markteintritt in den 1990er-Jahren als Ausgleich fĂŒr die Investitionskosten des Netzaufbaus zugesprochen worden. Heute komme es hingegen darauf an, den Mobilfunknetzbetreiber nicht die Möglichkeit zu geben, mit ĂŒberhöhten Vorleistungsentgelten Produkte und Tarife zu subventionieren, die auf den Ersatz des Festnetzes abzielen, fordert Breko-PrĂ€sident Peer Knauer, der hauptberuflich CEO der Tropolys [5]-Gruppe ist.
Schon im Sommer hatte mit dem Kölner Netzbetreiber NetCologne [6] ein Breko-Mitglied die Höhe der Terminierungsentgelte kritisiert [7]. Die Mobilfunkanbieter haben kein Interesse an einer Senkung der Terminierungsentgelte, da sie ihnen zusĂ€tzliche Einnahmen bescheren, die zu Lasten der Festnetz-Carrier gehen, die diese ĂŒber hohe Minutenpreise fĂŒr Anrufe ins Handynetz auf ihre Kunden abwĂ€lzen. Insbesondere Mobilfunk-Discount-Anbieter sind im hĂ€rter werdenden Preiskampf [8] in der mobilen Sprachtelefonie auf Zusatzeinnahmen wie aus SMS, Auslands-Roaming oder Festnetzterminierung angewiesen. Der mutmaĂliche Discount-VorstoĂ von Lidl [9] mit einem Minutenpreis von 12 bis 13 Cent fĂŒr innerdeutsche Handy-Telefonate liegt schon unter dem Niveau der bislang bekannten Interconnection-GebĂŒhren, das heiĂt, den Netto-Verrechnungspreisen fĂŒr GesprĂ€che zwischen zwei Mobilnetzen. Diese Interconnection-Entgelte mĂŒssen die Handynetzbetreiber aus den UmsĂ€tzen ihrer eigenen Kunden refinanzieren. Daher werden diese bilateral vereinbarten Entgelte selten öffentlich. Als sich im Sommer die Spekulationen um Mobilfunk-Tarife der Lebensmittel-Discounter verdichteten, waren Interconnection-Preise um 12 Cent [10] (ohne Mehrwertsteuer) bekannt. (ssu [11])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.breko.org/
[2] http://www.telekom.de/
[3] http://www.eplus.de/
[4] http://www.bundesnetzagentur.de/
[5] http://www.tropolys.de/
[6] http://www.netcologne.de/
[7] https://www.heise.de/news/Telefonanbieter-stellen-Mobilfunkbetreiber-an-den-Pranger-128956.html
[8] https://www.heise.de/news/Preiswettbewerb-im-Mobilfunk-wird-haerter-154950.html
[9] https://www.heise.de/news/Lidl-will-angeblich-Mobilfunkangebot-von-Aldi-deutlich-unterbieten-157837.html
[10] https://www.heise.de/news/Spekulationen-ueber-Mobilfunk-Billigtarife-von-Aldi-und-Lidl-138013.html
[11] mailto:ssu@ct.de
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