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Cisco setzt auf bandbreitenhungrige Echtzeit-Kommunikation

Sven-Olaf Suhl

Der Konzern erwartet ein jährliches Wachstum im IP-Verkehr zwischen 100 und 200 Prozent, getrieben von Videokonferenzsystemen wie Ciscos Telepresence, den das Unternehmen auch in den eigenen globalen Standorten einsetzt.

Der US-Netzwerkausrüster Cisco [1] freut sich auf hohes Wachstum infolge eines aus Unternehmenssicht weiterhin stark steigenden Bedarfs nach Bandbreite, dessen Erfüllung entsprechende Investitionen in Netzwerk-Infrastruktur voraussetzt. Um 100 bis 200 Prozent pro Jahr werde das im Internet übertragene Datenvolumen zunehmen, verkündete die Cisco-Führung während einer Analystenkonferenz. Damit legen die Kalifornier die Latte zwar deutlich niedriger als während der "New Economy" zur Jahrtausendwende, doch sagt Cisco-Chef John Chambers seinem Konzern eine rosige Zukunft voraus.

Den weltweiten Bedarf nach Bandbreite stimulieren soll insbesondere Ciscos im vergangenen Herbst vorgestelltes [2] Telepresence-System, das Videobilder in der HD-Auflösung (1920 × 1080 Bildpunkte) und Tonsignale in CD-Audio-Qualität per IP überträgt. Der Konzern selbst hält Telepresence zur Kommunikation zwischen seinen internationalen Standorten, darunter das indische Bangalore, inzwischen für unerlässlich und lässt Cisco-Mitarbeiter die Leistungsfähigkeit von Telepresence in einem Youtube-Video namens Virtual Company Meeting [3] rühmen.

Cisco-Finanzchef Dennis Powell stellte in dem Analystengespräch das Einsparpotenzial von Videokonferenz-Systemen heraus: Gegenüber den Kosten für ein früher alljährlich organisiertes Treffen von rund 400 Finanzexperten in San Jose habe der Konzern mit der virtuellen Zusammenkunft 800.000 US-Dollar gespart. Dabei wurden in vier Sitzungen je rund 100 Manager an 19 Standorten weltweit zusamengeschaltet. Anstelle eineinhalb Tagen "one-way-communitation" machten die Video-Sessions in jeweils anderthalb Stunden ein lebhaftes Frage- und Antwortspiel möglich, lobte der CFO.

Abzuwarten bleibt, welche weiteren Produkte Cisco in der Hinterhand hat, um das Telepräsenz-Geschäft auch auf Privathaushalte auszudehnen. Seit der Übernahme [4] von Scientific Atlanta Ende 2005 verfügt der Konzern über einen der Weltmarktführer für TV-Settop-Boxen, und er hat wiederholt die Übertragung audiovisueller Inhalte über IP-Netze zu "Killerapplikationen" erklärt [5]. Ohne einen Zeitpunkt für die Markteinführung zu nennen, erklärte Chefentwickler Charlie Giancarlo, dass Cisco bereits ein Geschäftsmodell für eine Wohnzimmerversion von Telepresence entwickelt habe. Rund 1000 US-Dollar sollen die gleichfalls HDTV-fähigen Geräte kosten, zumindest die ersten Modelle dürften als Set-Top-Box und nicht integriert in den Fernseher daherkommen.

Ganz im Geist der jüngst von den Unternehmenschefs höchstselbst ausgerufenen [6] neuen Ära der Zusammenarbeit zwischen Cisco und Microsoft verteilte John Chambers im jüngsten Analystengespräch Vorschusslorbeeren für Microsofts Unified Communication [7] (UC) getauftes Angebot, dessen Start für Oktober erwartet wird: UC werde neue Maßstäbe in der Echtzeit-Kommunikation setzen, erwartet Chambers. Zugleich ließ der Cisco-Chef durchblicken, dass die USA gegenüber anderen Nationen ins Hintertreffen geraten könnten, wenn die Versorgung der US-Bürger mit Breitbanschlüssen keine ausreichenden Fortschritte macht. (ssu [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-172678

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.cisco.com/
[2] https://www.heise.de/news/Videokonferenz-in-HD-Qualitaet-175208.html
[3] http://blogs.cisco.com/news/2007/08/video_ciscos_virtual_company_m.html
[4] https://www.heise.de/news/Cisco-uebernimmt-TV-Spezialisten-Scientific-Atlanta-Update-149711.html
[5] https://www.heise.de/news/Cisco-setzt-auf-IPTV-und-Video-Dienste-126459.html
[6] https://www.heise.de/news/Cisco-und-Microsoft-verkuenden-neue-aera-der-Zusammenarbeit-165172.html
[7] http://www.microsoft.com/germany/Events/launch2007/unternehmen/unified-communication.aspx
[8] mailto:ssu@ct.de