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Chef-Debakel bei Yahoo: AktionÀr zieht die Schlinge enger

Yahoo-GroßaktionĂ€r Dan Loeb biss bei der KonzernfĂŒhrung lange auf Granit, dann brachte er die AffĂ€re um den falschen Lebenslauf von Firmenchef Scott Thompson ins Rollen. Jetzt treibt er das Unternehmen nach allen Regeln der Kunst in die Enge.

Der GroßaktionĂ€r, der den falschen Uni-Abschluss bei Yahoo-Chef Scott Thompson entdeckt hat, nimmt den Internet-Konzern in die Zange. Der Fondsmanager Dan Loeb verlangte am Montag einen umfassenden Einblick in die Aufzeichnungen der Firma. Loeb will wissen, wie und warum Thompson Chef wurde. Thompson entschuldigte sich unterdessen bei den Mitarbeitern fĂŒr den Ärger, den die Kontroverse dem Unternehmen bereite. Zu den VorwĂŒrfen Loebs, er habe seinen Lebenslauf absichtlich geschönt, nimmt Thompson weiterhin keine Stellung.

Yahoo hatte am Donnerstag zugeben mĂŒssen [1], dass Thompson entgegen bisherigen Angaben keinen Bachelor-Titel in Informatik (Computer Sciences) hat. Loeb forderte [2] daraufhin, dass Thompson bis zum Montag gefeuert wird. Sonst werde er rechtliche Schritte prĂŒfen. Jetzt will er zunĂ€chst alle möglichen Dokumente zur Auswahl Thompsons einsehen, inklusive der von ihm ausgefĂŒllten Fragebögen und Protokolle von Beratungen zu dessen Berufung.

"Die Anteilseigner haben ein Recht auf totale Transparenz", erklÀrte [3] Loebs Investmentfirma Third Point, die 5,8 Prozent an Yahoo hÀlt. Es könne nicht sein, dass die Untersuchungen im Geheimen abliefen. Zudem zweifelte der Investor auch die Qualifikationen von mehreren Yahoo-VerwaltungsrÀten an.

Yahoo hatte vergangene Woche zunĂ€chst von einem "unbeabsichtigten Fehler" gesprochen – Loeb fragt jetzt auch nach der Grundlage fĂŒr diese Behauptung. Inzwischen hat das Unternehmen angekĂŒndigt, der Verwaltungsrat werde sich mit dem Thema befassen.

Die erste Reaktion von Yahoo war schnell nicht mehr zu halten, denn zeitig wurde klar, dass die falsche Information auch schon vor Jahren in Thompsons offizieller Biografie zu seiner Zeit bei der Online-Handelsplattform Ebay stand. Allerdings schaffte es Ebay interessanterweise im Gegensatz zu Yahoo, den falschen Titel aus den rechtlich relevanten Mitteilungen an die Börsenaufsicht SEC herauszuhalten.

FĂŒr weiteren Druck sorgte ein Rundfunk-Interview, in dem Thompson eine Journalistin nicht korrigierte, nachdem diese seine Titel aufgezĂ€hlt hatte.

Investor Loeb kommt das Thompson-Debakel gerade recht, denn er kann Yahoo damit unter Druck setzen. Der GroßaktionĂ€r will schon lange selbst in das Yahoo-Aufsichtsgremium einziehen und den Kurs des Konzerns mitbestimmen. Bisher hat ihn die Yahoo-FĂŒhrung abgeblockt.

Loeb will neben Thompson sechs weitere VerwaltungsrĂ€te hinausdrĂ€ngen und durch eigene Leute ersetzen. So soll Patti Hart gehen, die fĂŒr die Chefsuche verantwortlich war. "Yahoo hat nicht erklĂ€rt, warum das fĂŒr die Suche verantwortliche Gremium einen Firmenchef anheuern konnte, ohne die Qualifikationen des Kandidaten auch nur rudimentĂ€r zu ĂŒberprĂŒfen", hieß es in einem öffentlichen Brief an den Yahoo-Verwaltungsrat.

Thompson entschuldigte sich in einer E-Mail an die Mitarbeiter fĂŒr den Ärger. "Ich möchte, dass Sie wissen, wie sehr ich bedaure, dass diese Angelegenheit das Unternehmen und Sie alle belastet hat. Wir alle haben hart daran gearbeitet, das Unternehmen voranzubringen – und dies hat den gegenteiligen Effekt. DafĂŒr ĂŒbernehmen ich die volle Verantwortung und möchte mich bei Ihnen entschuldigen", zitierte [4] das US-Blog "All Things Digital" aus der Mail.

FĂŒr Yahoo kommt der Feuersturm des Investors zur Unzeit. Thompson kam erst Anfang des Jahres zu dem mit sinkenden UmsĂ€tzen kĂ€mpfenden Unternehmen, dem Rivalen wie Google und Facebook einen immer grĂ¶ĂŸeren Teil der Werbeeinnahmen weggeschnappt haben. Thompson leitete einen Sparkurs [5] ein, baute um und konnte auch schon erste Erfolge vorweisen. Vor Thompson war Yahoo monatelang fĂŒhrungslos, nachdem VorgĂ€ngerin Carol Bartz das Unternehmen im Streit verlassen [6] hatte. (anw [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1570360

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Yahoo-Konzernchef-Thompson-mit-falschem-Titel-1567631.html
[2] https://www.heise.de/news/Yahoo-Aktionaer-fordert-Entlassung-von-Konzernchef-Thompson-1568755.html
[3] http://www.prnewswire.com/news-releases/third-point-llc-letter-to-yahoo-begins-process-under-delaware-law-to-obtain-books-and-records-relating-to-ceo-scott-thompson-and-new-directors-vetting-processes-150446285.html
[4] http://allthingsd.com/20120507/ceo-apologizes-to-yahoos-but-will-the-mea-culpa-work-without-an-explanation-for-the-borked-bio-memo/
[5] https://www.heise.de/news/Yahoo-beginnt-mit-Entlassungen-1518738.html
[6] https://www.heise.de/news/Yahoo-Chefin-Bartz-muss-gehen-1338000.html
[7] mailto:anw@heise.de