Car2Go startet in Berlin mit 1000 Smarts
Hamburg, Düsseldorf, Wien, San Diego, Ulm, Vancouver, Amsterdam … und diese Auflistung ist noch nicht einmal vollständig. Daimler breitet sich immer mehr aus mit seinem Car-Sharing-Angebot Car2Go – jetzt auch in Berlin
- Gernot Goppelt
Stuttgart, 27. April 2012 – Hamburg, Düsseldorf, Wien, Lyon, San Diego, Ulm, Vancouver, Amsterdam … und diese Auflistung ist noch nicht einmal vollständig. Daimler breitet sich immer mehr aus mit seinem Car-Sharing-Angebot Car2Go. Im fahrradfreundlichen Amsterdam zum Beispiel werden sogar Elektro-Smarts eingesetzt, die zumindest beim Betrieb keine Emissionen verursachen. Mit Berlin kommt nun die nächste Metropole dazu, gestern nahm die mit 1000 Smarts bisher größte Car2Go-Flotte den Betrieb auf, zunächst allerdings nur mit konventionellem Antrieb.
Vernetzt mit anderen Verkehrsmitteln
Die 1000 Zweisitzer stehen auf einem Gebiet von rund 250 Quadratkilometern den Berlinern zur Verfügung, können jederzeit angemietet und innerhalb des "Geschäftsgebiets" wieder auf allen öffentlichen Parkflächen abgestellt werden. Die Ausdehnung des Gebietes umfasst den S-Bahn-Ring, angrenzende Bezirke, die Zentren von Spandau und Köpenick sowie die großen Wohngebiete Marzahn, Hellersdorf, Lichtenrade und das Märkische Viertel. Car2Go wird von der Car2Go Deutschland GmbH betrieben, einem Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und dem Autovermieter Europcar. Der Kunde zahlt eine einmalige Registrierungsgebühr von 9,90 Euro, danach jeweils 29 Cent pro gefahrenen Kilometer. Bei Parkpausen fallen 9 Cent pro Minute an. Alternativ kostet eine Stunde 12,90 Euro oder ein ganzer Tag 39 Euro. Laut Daimler haben sich bereits vor dem gestrigen Start in Berlin 2000 Nutzungswillige registriert.
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Car2Go startet mit 1000 Smarts in Berlin, das genĂĽgt locker fĂĽr die BetrĂĽĂźungsformation.
Mehr als bisher soll Car2Go mit öffentlichen Verkehrsmitteln vernetzt werden. So soll schon bald ein "multimodales Gesamtkonzept" in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB), den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und weiteren Partnern erfolgen. Die geplanten Kooperationsmöglichkeiten reichen dabei von gemeinsamen Informations- und Vertriebsaktionen – zum Beispiel in Form einer Registrierungsmöglichkeit für car2go in ausgewählten BVG Kundencentern – über spezielle Rabatte für BVG-Kunden, bis hin zur Errichtung intelligent vernetzter Auskunfts- und Bezahlsysteme.
App fĂĽr iPhones
Außerdem ist erstmals bei Car2Go erstmals eine App für iPhones verfügbar. Schon bisher wurden Daten aus dem Fahrzeug an einer offenen Schnittstelle zur Verfügung gestellt, um zum Beispiel Daten wie den Ladestand der Batterie auszugeben. Freie Entwickler haben schon mehrere Apps dafür entwickelt. Die Daimler-eigene iPhone- (oder iPad-)-App hat den Vorteil, dass sich mittelfristig besser kontrollieren lässt, wie etwa mit personengebundenen Daten bei der Reservierung umgegangen wird. So sind laut Daimler mittelfristig zusätzliche Funktionen möglich – ohne bereits Genaueres dazu sagen zu können. Die App soll auch für Android entwickelt und zur Verfügung gestellt werden, der Zeitpunkt ist noch offen.
Eine "Weltpremiere" bei Car2Go Berlin ist das bordeigene Touchscreen-Display, auf dem Nutzer ihr eigenes Fahrverhalten nachvollziehen zu können. So werden aus den drei Komponenten Beschleunigung, gleichmäßige Fahrweise und Ausrollen die Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch sowie Schadstoffausstoß berechnet und angezeigt. Per Punktesystem (0 bis 100) wird das Fahrerverhalten bewertet. Zur Visualisierung wachsen oder schrumpfen drei Bäume im Display, Ähnliches hat man schon bei den Hybridmodellen von Honda gesehen. Es ist laut Daimler denkbar, später ein Belohnungsystem daran zu knüpfen, bei dem man sich zum Beispiel Freiminuten "ersparen" kann.
Ab 2013 auch elektrisch
Ab 2013 soll der Fuhrpark mit elektrischen Smarts der dritten Generation ergänzt werden. Sie sollen zu den gleichen Tarifen angeboten werden wie die verbrennungsmotorisch betriebenen Fahrzeuge. Bis es so weit ist, muss Car2Go Deutschland noch kräftig mit möglichen Partner wie Parkhausbetreibern verhandeln, schließlich muss zum Beispiel eine ausreichende Infrastruktur mit Ladepunkten entstehen. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Kosten für den Betrieb der Elektro-Smarts im Vergleich höher liegen, hier dürfte Daimler auch von Fördergeldern des Bundes profitieren – Anfang April wurde Berlin/Brandenburg von der Bundesregierung als eines von vier Schaufenstern für Elektromobilität ausgezeichnet.
Der Umstand, dass das Thema Elektromobilität derzeit bei weitem nicht mehr so öffentlichkeitswirksam diskutiert wird wie noch vor ein oder zwei Jahren, kann Daimler eigentlich nur recht sein. Im Car2Go-Spielfeld lassen sich wunderbar Erfahrungen mit dem elektrischen Smart sammeln, weil sie den Kunden nicht für teuer Geld verkauft werden müssen. Die dritte Generation des Smart ed soll im Herbst auf den Markt kommen. Sie wird eine Reichweite von 140 Kilometern haben und eine Geschwindigkeit von über 120 km/h erreichen. Kleine Autogeschichte am Rande: Als der Smart in den 1990er-Jahren entwickelt wurde, war eine Elektrovariante eigentlich fest eingeplant, scheiterte aber unter anderem am Marktpragmatismus von Daimler-Benz. Nun gibt es den Elektro-Smart doch und er wirkt authentischer, komfortabler und leiser als das konventionelle Modell. Kein Wunder: Der tiefe Schwerpunkt durch die Batterie kommt dem Fahrverhalten zugute, der Motor ist sehr leise und die fehlende Schaltung kann nicht durch ihr Nicken nerven. (ggo)