CDU/CSU: Keine Internetsperren, Warnung vor Datenschutz als TĂ€terschutz
CDU und CSU entschÀrfen ihr geplantes "Regierungsprogramm" etwas und drÀngen nicht mehr auf ein Kappen von Netzverbindungen im Kampf gegen Urheberrechtsverletzer, doch Datenschutz wird weiter mit TÀterschutz in Verbindung gebracht.
CDU und CSU haben ihren offiziell noch nicht veröffentlichten Entwurf fĂŒr ein "Regierungsprogramm 2009 bis 2013" etwas entschĂ€rft. So soll die in der Online-Gemeinde besonders umstrittene Passage [1] zum Sperren von InternetzugĂ€ngen etwa bei UrheberrechtsverstöĂen gestrichen werden. Dies bestĂ€tigte [2] die parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Martina Krogmann, gegenĂŒber der taz. Sie halte es fĂŒr "falsch und nicht machbar, im Internet unliebsame Inhalte durch Sperren oder das Kappen von Verbindungen zu unterdrĂŒcken". Die vom Bundestag vor einer Woche beschlossenen Web-Sperren gegen Kinderpornographie, die Krogmann federfĂŒhrend mit ausgehandelt hat, will die Union aber zugleich "weiter vorantreiben".
Konkret hatte es in dem Entwurf fĂŒr das Wahlprogramm zunĂ€chst unter dem AufhĂ€nger "Das Internet ist kein rechtsfreier Raum" geheiĂen: "Wir möchten nach britischem und französischem Vorbild Rechtsverletzungen effektiv unterbinden, indem die Vermittler von InternetzugĂ€ngen Rechtsverletzer verwarnen und nötigenfalls ihre ZugĂ€nge sperren." Diese Formulierung soll durch die allgemeine Klausel: "Rechtsverletzungen werden wir effektiv unterbinden" ersetzt werden. Einzelheiten ĂŒber effiziente Mittel im Kampf etwa gegen die "Internetpiraterie" verrĂ€t das Programm freilich nicht.
Die ursprĂŒngliche Vorlage der Union ist mittlerweile bei der hĂ€ufig ĂŒberlasteten Whistleblower-Seite Wikileaks aufgetaucht [3] und auch bei Netzpolitik.org zu finden [4] (PDF-Datei). Sie soll mit den Ănderungen am Sonntag auf einem Kongress [5] (PDF-Datei) beider Parteien in Berlin verabschiedet werden.
Nicht trennen konnte sich die Union bisher von Parolen wie "Datenschutz darf nicht zum TĂ€terschutz werden", die sich bereits im aktuellen Grundsatzprogramm [6] der CDU von 2007 finden. So wollen die beiden Parteien unter dieser PrĂ€misse etwa die Entwicklung einer europĂ€ischen Strategie zum Informationsaustausch im Rahmen der grenzĂŒberschreitenden Polizeikooperation in Europa voranbringen. Zugleich heiĂt es an dieser Stelle aber auch, dass Datenschutzinteressen mit einer wirksamen KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfung in Einklang zu bringen seien. Generell will die Union "einen umfassenden Datenschutz garantieren" und "gegen den glĂ€sernen BĂŒrger kĂ€mpfen". Trotz dem Ja von Schwarz-Rot zur Vorratsdatenspeicherung ist im Programmentwurf zudem der Wille bekundet, "keine unnötigen Datenmengen" anzuhĂ€ufen. Die Weitergabe von Kundendaten dĂŒrfe nur mit Zustimmung der Betroffenen erfolgen.
Siehe dazu auch:
- SPD will EinfĂŒhrung einer Kultur-Flatrate prĂŒfen [8]
- Die GrĂŒnen wollen die Internetfreiheit bewahren [9]
- FDP will die "Internetrepublik Deutschland" verwirklichen [10]
(Stefan Krempl) / (jk [11])
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[1] http://www.heise.de/ct/CDU-CSU-Wahlprogramm-Internetsperren-nach-Urheberrechtsverstoessen--/news/meldung/140959
[2] http://www.taz.de/1/politik/schwerpunkt-ueberwachung/artikel/1/cdu-mottet-netzguillotine-ein/
[3] http://wikileaks.org/wiki/CDU_Wahlprogrammsentwurf_beinhaltet_3-Strike-Out_Internetsperren%2C_20_Jun_2009
[4] http://www.netzpolitik.org/wp-upload/090622-cdu-wahlprogramm-2009.pdf
[5] http://www.cdu.de/doc/pdfc/090629-einladung-kongress-regierungsprogramm.pdf
[6] https://www.heise.de/news/CDU-Datenschutz-darf-nicht-zum-Taeterschutz-werden-176405.html
[7] https://www.heise.de/news/Internetsperren-gegen-Urheberrechtsverletzer-auch-fuer-Deutschland-Update-186143.html
[8] https://www.heise.de/news/SPD-will-Einfuehrung-einer-Kultur-Flatrate-pruefen-181630.html
[9] https://www.heise.de/news/Die-Gruenen-wollen-die-Internetfreiheit-bewahren-218331.html
[10] https://www.heise.de/news/FDP-will-die-Internetrepublik-Deutschland-verwirklichen-219761.html
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