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CDU-Abgeordneter: Google Street View gefÀhrdet Sicherheit von Politikern

| Andreas Wilkens

Der CDU-Politiker Willy Wimmer sieht durch Googles Straßenansichtsdienst nicht nur die hĂ€usliche PrivatsphĂ€re gefĂ€hrdet, sondern auch die Sicherheit besonders zu schĂŒtzender Politiker.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer [1] sieht durch Googles Straßenansichtsdienst Street View nicht nur die hĂ€usliche PrivatsphĂ€re gefĂ€hrdet, sondern auch die Sicherheit besonders zu schĂŒtzender Politiker. Das sagte Wimmer in einem GesprĂ€ch [2] mit der Leizpziger Volkszeitung. Der Politiker habe deshalb BundestagsprĂ€sident Norbert Lammert aufgefordert, von der Bundesregierung zu verlangen, der Firma "das Handwerk zu legen". Die von Google angebotenen Straßenansichten fĂŒhrten dazu, "dass KrĂ€fte dritter Staaten in die Lage versetzt werden, gegen unliebsame Deutsche vorzugehen".

Die Sicherheitsverantwortlichen des Bundestages hĂ€tten Wimmer mitgeteilt, jeder Politiker mĂŒsse individuell gegenĂŒber Google seine sicherheitsrelevanten Daten sperren lassen. Wenn Sicherheitsvorkehrungen an Wohnungen und GebĂ€uden durch die Sicherheitsbehörden des Bundes und auch des Bundestages veranlasst wurden, seien aber nicht nur Individualinteressen von Abgeordneten des Bundes und der LĂ€nder berĂŒhrt, meinte Wimmer. Hamburgs Datenschutzbeauftrager Johannes Caspar ermunterte laut dem Zeitungsbericht den Politiker zum politischen Handeln: "Es fehlen nicht nur wirksame Anordnungsbefugnisse, sondern auch faktische Kontrollmöglichkeiten gegenĂŒber Unternehmen, die personenbezogene Daten im Inland erheben und in DrittlĂ€ndern verarbeiten."

Caspar, der bundesweit fĂŒr die datenschutzrechtliche Bewertung der Street-View-Dienste zustĂ€ndig ist, hatte vorige Woche gegenĂŒber Google rechtliche Schritte angedroht [3], die eine Übermittlung der Rohdaten von den in Deutschland bei Google-Kamerafahrten aufgenommenen Bildern verhindern könnten. Caspar sieht hiesige Datenschutzbestimmungen nur dann erfĂŒllt, wenn Gesichter und Kfz-Kennzeichen bereits vor einem Transfer der Bilder auf Server in den USA unkenntlich gemacht werden. Google meint, dass eine spĂ€tere Verpixelung der fraglichen Bildausschnitte ausreichend sei.

Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt bietet unterdessen seit heute ein Formular zum Download [4] (Doc-Datei) an, das fĂŒr einen Widerspruch gegen geplante oder durchgefĂŒhrte Aufnahmen von Google genutzt werden kann. Google-Fahrzeuge sind nach Angaben des Amts in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau gesichtet worden. Laut dem Hinweisblatt [5] zum Formular hat jeder das Recht, der Erhebung und Veröffentlichung von Aufnahmen der eigenen Person, von eigenen Kraftfahrzeugen und selbst bewohnten oder genutzten GebĂ€uden und von GrundstĂŒckseigentum zu widersprechen. Die Möglichkeit solle genutzt werden, um das Persönlichkeitsrecht zu schĂŒtzen. (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-180989

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.willy-wimmer.de/
[2] http://www.lvz-online.de/aktuell/content/100348.html
[3] https://www.heise.de/news/Hamburger-Datenschuetzer-verstaerkt-Druck-auf-Google-Street-View-220705.html
[4] http://www.sachsen-anhalt.de/LPSA/fileadmin/Elementbibliothek/LVwA-Bibliothek/Aktuelles/Presse/48_Widerspruch.doc
[5] http://www.sachsen-anhalt.de/LPSA/fileadmin/Elementbibliothek/LVwA-Bibliothek/Aktuelles/Presse/48_Hinweise.pdf
[6] mailto:anw@heise.de