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Bundesumweltministerin will zwei AKW in Belgien abschalten lassen

Andreas Wilkens
AKW Tihange in Belgien

Greenpeace-Aktion am AKW Tihange

(Bild: Greenpeace)

Die Bundesumweltministerin will noch Sicherheitsbedenken klÀren, bevor die beiden AKW wieder ans Netz gehen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat die belgische Regierung gebeten, die beiden AKW-Blöcke Tihange 2 und Doel 3 vom Netz zu nehmen, bis offene Sicherheitsfragen geklĂ€rt sind. In den ReaktordruckbehĂ€ltern der beiden Anlagen seien Wasserstoffflocken gefunden worden, das mĂŒsse nĂ€her untersucht werden, teilte Hendricks mit [1].

Tihange liegt etwa 70 Kilometer entfernt von Aachen. Die dortige StÀdteregion klagt derzeit gegen den Weiterbetrieb des dortigen Reaktorblocks 2 [2]. Er war im MÀrz 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden und trotz Haarrissen im Dezember 2015 wieder ans Netz gegangen. Doel wiederum liegt in der NÀhe von Antwerpen.

Die unabhĂ€ngigen Experten der Reaktorsicherheitskommission hĂ€tten ihr nicht bestĂ€tigen können, dass die Sicherheitsreserven von Tihange 2 und Doel 3 eingehalten werden können, sagte Hendricks. "Deshalb halte ich es fĂŒr richtig, die Anlagen vorĂŒbergehend vom Netz zu nehmen, jedenfalls so lange, bis die weiteren Untersuchungen abgeschlossen sind."

Auf Hendricks' Initiative hatte am 5. und 6. April die neu gegrĂŒndete deutsch-belgische Arbeitsgruppe zur nuklearen Sicherheit auf Expertenebene getagt und sich mit den Befunden in den beiden AKW befasst. Dabei seien weitergehende Untersuchungen befĂŒrwortet worden. Aus Anlass des 30. Jahrestags des Super-GAU von Tschernobyl hatte Hendricks die Atomkraft als "Irrweg" bezeichnet [3].

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte voriges Jahr moniert [4], dass Doel 3 und Tihange 2 "schwere SchĂ€den" aufwiesen. Ein bisher unbekanntes PhĂ€nomen der MaterialermĂŒdung könne Risse verursacht haben. 13.047 Risse seien insgesamt an den StahldruckbehĂ€ltern in Doel gefunden worden, in Tihange 3149 Risse.

Update 20.4.2016, 14.50 Uhr: Die belgische Atomaufsichtsbehörde AFCN hat die Berliner Forderung zurĂŒckgewiesen [5], zwei Atomreaktorblöcke aus SicherheitsgrĂŒnden vorĂŒbergehend vom Netz zu nehmen. "Die AFCN bleibt ĂŒberzeugt, dass Doel 3 und Tihange 2 internationale Sicherheitsstandards einhalten", teilte die AFCN mit. Es sei deshalb nicht nötig, die Blöcke abzuschalten.

Nachdem in den WĂ€nden der DruckbehĂ€lter der AKW Doel 3 und Tihange 2 Wasserstoffblasen gefunden wurden, habe die AFCN eine umfangreiche Untersuchung eingeleitet. DafĂŒr seien renommierte internationale Experten herangezogen worden. Die Daten, Testergebnisse und Berichte, die dabei gewonnen wurden, hĂ€tten zur Überzeugung gefĂŒhrt, dass die Reaktoren trotz der Wasserstoffflocken in den WĂ€nden sicher seien, teilt die Behörde mit.

Die belgische Aufsicht zeigte sich ĂŒber Hendricks' Bitte "ĂŒberrascht". AFCN-Chef Jan Bens sagte laut Nachrichtenagentur Belga: "Die AFCN ist immer bereit, mit ihren deutschen Partnern zusammenzuarbeiten, genauso wie wir mit unseren französischen, niederlĂ€ndischen, Schweizer und luxemburgischen Kollegen zusammenarbeiten, vorausgesetzt, dass es auf deutscher Seite den Willen gibt, in einer konstruktiven Weise zu kooperieren."

Drei AKW sind noch in Deutschland in Betrieb (0 Bilder) [6]

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(anw [8])


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[1] http://www.bmub.bund.de/presse/pressemitteilungen/pm/artikel/reaktorsicherheits-experten-sehen-weiteren-untersuchungsbedarf-fuer-tihange-2-und-doel-3/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=103&cHash=35c04ace4f97f678ca9e4e69e2a1ae3c
[2] https://www.heise.de/news/Staedteregion-Aachen-beschliesst-Klage-gegen-Atomkraftwerk-Tihange-3091776.html
[3] https://www.heise.de/news/Bundesumweltministerin-Atomkraft-war-ein-Irrweg-3164156.html
[4] https://www.greenpeace.de/themen/energiewende/atomkraft/schwere-schaeden-akw
[5] http://www.fanc.fgov.be/fr/news/-our-conclusions-regarding-the-safety-of-doel-3-and-tihange-2-remain-unchanged-despite-what-minister-hendricks-says/820.aspx
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/1756393.html?back=3178444;back=3178444
[7] https://www.heise.de/bilderstrecke/1756393.html?back=3178444;back=3178444
[8] mailto:anw@heise.de