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Bundestag will Funkzellenabfrage unverÀndert beibehalten

Stefan Krempl

Die Abgeordneten haben sich mehrheitlich gegen AntrĂ€ge der Linken und GrĂŒnen ausgesprochen, wonach die Rasterung von Handy-Daten abgeschafft beziehungsweise eingeschrĂ€nkt werden soll.

Der Bundestag hat sich am Freitag mehrheitlich gegen AntrĂ€ge der Linken und GrĂŒnen [1] ausgesprochen, die Rasterung von Handy-Daten abzuschaffen beziehungsweise einzuschrĂ€nken. Bei der umstrittenen Funkzellenabfrage [2] wĂŒrden nur Verkehrsdaten von Dritten gespeichert, erklĂ€rte Patrick Sensburg von der CDU/CSU-Fraktion. Dieses polizeiliche Mittel sei nötig, um herauszufinden, wer im Umkreis eines Tatorts kommuniziert habe.

Die Vorratsdatenspeicherung wĂ€re eine gute ErgĂ€nzung, da dann auch spĂ€ter TĂ€ter einfacher ĂŒberfĂŒhrt werden könnten, ergĂ€nzte Sensburg. Die Voraussetzungen fĂŒr eine Funkzellenabfrage seien bereits streng [3]. Da ergebe es keinen Sinn, "wahnsinnige Dokumentationspflichten einzufĂŒhren", wie es die GrĂŒnen wollten. Es mĂŒsse aber streng geprĂŒft werden, ob die Funkzellenabfrage jeweils verhĂ€ltnismĂ€ĂŸg sei; eine "Massenabfrage ohne Verdachtsmomente" sei nicht akzeptabel.

Der FDP-Politiker Jörg van Essen sprach ebenfalls von einem "wichtigen Ermittlungsinstrument", das aber auch einen Eingriff in die BĂŒrgerrechte mit sich bringe. Der Gesetzgeber habe die verschiedenen Interessen jedoch vernĂŒnftig miteinander abgewogen. Bei der flĂ€chendeckenden Erfassung [4] von Mobilfunkdaten anlĂ€sslich einer Demonstration in Dresden im Februar 2011 seien die Anforderungen an eine Funkzellenabfrage nicht gegeben gewesen. Wegen eines solchen Einzelfalls und weiteren "Beanstandungen [5]" aus Berlin gebe es derzeit aber keinen Anlass fĂŒr gesetzliche Änderungen. Die weitere Entwicklung sei aber sorgfĂ€ltig zu beobachten.

"Die Dresdner VorgĂ€nge geben wirklich Anlass, sich mit dem Instrument auseinanderzusetzen", meinte Marianne Schieder (SPD). Mit dem Vorschlag der GrĂŒnen wĂ€ren aber auch bei schwerem Landfriedensbruch oder bei WohnungseinbrĂŒchen keine Funkzellenabfragen mehr möglich. ErwĂ€genswert sei dagegen, dass dem Ermittlungsrichter genauer ĂŒber Ergebnisse berichtet und die Löschung von Daten Unbeteiligter verbessert werden solle. Letztlich stimmten die Sozialdemokraten aber sowohl gegen die AntrĂ€ge der GrĂŒnen als auch gegen den der Linken.

Die Linke Halina Wawzyniak hatte pauschale Funkzellenabfragen als "in keinem Fall angemessen" bezeichnet. Damit wĂŒrden das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und das informationelle Selbstbestimmungsrecht unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig eingeschrĂ€nkt. Allein in Dresden habe die Polizei rund eine Million Verbindungs- und Standortinformationen abgefischt, in Berlin seien in den vergangenen Jahren bei 800 VorfĂ€llen ĂŒber 8 Millionen Daten erhoben worden.

Vergeblich warb auch Jerzy Montag fĂŒr die "konstruktiven VorschlĂ€ge" seiner GrĂŒnen-Fraktion, die den Forderungen [6] des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix entsprĂ€chen. Derzeit könnten Handy-Daten in unangemessener Weise schon bei Straftaten "von erheblicher Bedeutung" massenweise durchleuchtet werden, richterliche AnordnungsbegrĂŒndungen seien "verheerend inhaltslos", Zufallsfunde wĂŒrden einfach in andere Verfahren ĂŒberfĂŒhrt. Montag prophezeite, dass die VorschlĂ€ge nach der Bundestagswahl im Herbst wieder auf die Tagesordnung kĂ€men. (anw [7])


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[1] https://www.heise.de/news/Bundestag-streitet-ueber-Funkzellenabfrage-1365148.html
[2] https://www.heise.de/news/Rasterfahndung-mit-Handy-Daten-beschaeftigt-den-Bundestag-1431016.html
[3] https://www.heise.de/news/Bundesregierung-sieht-keinen-Korrekturbedarf-nach-Dresdner-Handy-Affaere-1285335.html
[4] https://www.heise.de/news/Bericht-Ueber-1-Million-Mobilfunkgespraeche-bei-Anti-Nazi-Demo-in-Dresden-erfasst-1268104.html
[5] https://www.heise.de/news/Handy-Daten-Berliner-Senat-will-klare-Rahmenbedingungen-fuer-Funkzellenabfrage-1727106.html
[6] https://www.heise.de/news/Berliner-Datenschuetzer-beanstandet-Rasterung-von-Handy-Daten-1698596.html
[7] mailto:anw@heise.de