Bundesrat gibt "digitale Dividende" fĂŒr Breitbandausbau frei
Im zweiten Anlauf hat die LĂ€nderkammer die Umwidmung des bisher vom analogen terrestrischen Fernsehen genutzten Spektrums abgenickt, nachdem sich Bund und LĂ€nder in der Frage der Migrationskosten auf einen Kompromiss geeinigt haben.
Der Bundesrat [1] hat am heutigen Freitag der sogenannten "Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung" zugestimmt und damit Frequenzen aus dem bisher von analogen TV-Sendern besetzten Spektrum zur Nutzung fĂŒr Breitbandanwendungen freigegeben. Die ursprĂŒnglich fĂŒr die Bundesratssitzung Mitte Mai vorgesehene Verabschiedung war vertagt worden, weil die LĂ€nder die Kosten fĂŒr die Umwidmung der Frequenzen nicht alleine tragen wollten. Nachdem es darĂŒber mit dem Bund eine Einigung [2] gegeben hat, machte die LĂ€nderkammer den Weg in der heutigen Sitzung [3] frei.
Die Frequenzen im Bereich von 790 MHz bis 862 MHz wurden frĂŒher von TV-Sendern fĂŒr die terrestrische Ausstrahlung analoger Fernsehsignale genutzt. Das Spektrum wird im Zuge der Digitalisierung der terrestrischen Fernsehausstrahlung von den Sendern nicht mehr benötigt. Nun sollen die "digitale Dividende" genannten Frequenzen möglichst bald fĂŒr breitbandige InternetzugĂ€nge eingesetzt werden. Damit kommen allerdings die bisherigen SekundĂ€rnutzer unter die RĂ€der [4]: In den LĂŒcken zwischen den TV-KanĂ€len funkten bisher die Veranstaltungstechniker. Was mit zahlreichen Funkmikrofonen und anderer drahtloser BĂŒhnentechnik passieren soll, ist noch unklar.
Die Bundesregierung will bis Ende 2010 schnelle InternetzugĂ€nge in ganz Deutschland ermöglichen. Bis 2014 sollen drei Viertel der BundesbĂŒrger ĂŒber besonders leistungsfĂ€hige Verbindungen von mindestens fĂŒnf Megabit pro Sekunde ins Internet gehen können. Dabei setzt Berlin insbesondere auf die ehemaligen TV-Frequenzen [5], die bei hoher Reichweite besonders effektive FunkzugĂ€nge ermöglichen. Die Telco-Branche reklamiert das begehrten Spektrum fĂŒr sich und verspricht, Breitband endlich auch aufs platte Land zu bringen â und das schon im kommenden Jahr.
Die Frequenzen will die Bundesnetzagentur zusammen mit der bereits geplanten Versteigerung von Spektrum im 1,8- und 2,6-GHz-Bereich vergeben, um das Verfahren zu beschleunigen. Der Bundesrat geht davon aus, dass dabei Erlöse fĂŒr den Bund erzielt werden. Der federfĂŒhrende Wirtschaftsausschuss und der Kulturausschuss der LĂ€nderkammer empfehlen, diese Erlöse auch zur Kompensation der Migrationskosten einzusetzen. Die nötige Umstellung der Veranstaltungstechnik auf neue Frequenzen belastet die LĂ€nder: Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind ebenso betroffen wie etwa die LandesbĂŒhnen.
Die Branche begrĂŒĂte die Entscheidung der LĂ€nderkammer. "Der Weg fĂŒhrt in die richtige Richtung", erklĂ€rte Tobias Stadler, beim Bitkom-Verband [6] fĂŒr Telekommunikationspolitik zustĂ€ndig, gegenĂŒber heise online. Der Verband rechnet mit ersten AnschlĂŒssen auf den Frequenzen "im Idealfall" Mitte kommenden Jahres. Auch der Verband der alternativen Telekommunikationsanbieter (VATM [7]) spricht von einer "wichtigen Etappe auf dem Weg zur bundesweiten Breitbandversorgung" und einem "unverzichtbaren Baustein der Breitbandstrategie der Bundesregierung".
"Die neuen Frequenzen allein machen noch kein Breitband in der FlĂ€che", versucht dagegen Harald Summa vom eco-Verband [8] die Euphorie zu bremsen. Der Verband der deutschen Internetwirtschaft ist skeptisch und warnt vor dem Irrglauben, mit der digitalen Dividende seien die Breitbandprobleme auf dem Land gelöst. eco fordert Auflagen fĂŒr die NutznieĂer der Frequenzen und Rahmenbedingungen, die fĂŒr funktionierenden Wettbewerb sorgen. "Wer die Digitale Dividende nutzen darf, muss entsprechende Leistung bringen und die vorhandenen LĂŒcken in der Versorgung tatsĂ€chlich schlieĂen", meint Klaus Landefeld, der im eco-Vorstand fĂŒr Infrastruktur und Netze zustĂ€ndig ist. (vbr [9])
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[4] https://www.heise.de/news/Disput-um-die-Digitale-Dividende-219121.html
[5] https://www.heise.de/news/Bundesregierung-gibt-Funkfrequenzen-fuer-Breitband-Ausbau-frei-203770.html
[6] http://www.bitkom.org
[7] http://www.vatm.de
[8] http://www.eco.de
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