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Blackberry-Hersteller RIM schlÀgt sich besser als erwartet

Daniel AJ Sokolov

Schafft Blackberry-Hersteller RIM die Kehrtwende? Trotz eines weniger schlimm als erwartet ausgefallenen Quartalsergebnisses sowie steigender Nutzerzahlen ist RIM noch nicht aus dem Schneider. Die Investoren zeigen sich aber erst einmal optimistisch.

Der Aktienkurs des kanadischen Blackbox-Herstellers RIM [1] ist Mittwochabend vehement nach oben geschossen. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen legte das Wertpapier im nachbörslichen Handel zwischenzeitlich annĂ€hernd 25 Prozent zu. Am Ende des Abends lag der Kurs bei 8,59 US-Dollar, mehr als 20 Prozent ĂŒber dem Schlusskurs und stattliche 38 Prozent ĂŒber dem 52-Wochen-Tief vom Montag. Der Optimismus der Anleger ist auf das Quartalsergebnis sowie die steigenden Nutzerzahlen zurĂŒckzufĂŒhren. Aus dem Schneider ist RIM aber noch lange nicht.

Finanziell sind die drei Monate bis 1. September (zweites Quartal des Finanzjahres 2013) weniger schlimm ausgefallen, als vielfach erwartet. Der Umsatz ist mit 2,87 Milliarden Dollar (2,23 Milliarden Euro) zwei Prozent höher als im ersten Quartal [2], aber 31 Prozent geringer als im Vergleichsquartal 2012. Der aktuelle Nettoverlust betrÀgt 235 Millionen Dollar (182 Millionen Euro). Im ersten Quartal waren es mit 518 Millionen Dollar (402 Millionen Euro) mehr als doppelt so viel, aber vor einem Jahr schrieb RIM noch 329 Millionen Dollar Gewinn (255 Millionen Euro).

Trotz des Verlustes konnte RIM seinen Kassenstand um zirka 100 Millionen Dollar (78 Millionen Euro) auf 2,3 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) erhöhen: Die Vertriebspartner haben ihre LagerbestĂ€nde reduziert und gleichzeitig Rechnungen fĂŒr frĂŒhere Lieferungen bezahlt. So sind die offenen Forderungen RIMs von 3,1 auf 2,2 Milliarden Dollar gesunken, der Kassenstand gestiegen.

RIM hat im Sommer etwas weniger Handys ausgeliefert (7,4 Millionen) als im ersten Quartal (7,8 Millionen). Da aber hochpreisigere Telefone mehr gefragt waren, ist der Umsatz mit Handys gestiegen. Der Absatz der Playbooks hat sich auf nur mehr 130.000 StĂŒck halbiert. Die 16 GByte-Variante ist ausverkauft und wird nicht mehr produziert. Die letzten BestĂ€nde sind im September in Kanada fĂŒr umgerechnet 78 Euro netto abverkauft worden.

FĂŒr das WeihnachtsgeschĂ€ft erwartet RIM-Chef Thorsten Heins wieder stĂ€rkere Nachfrage nach seinen GerĂ€ten. Anfang des Kalenderjahres 2013 soll schließlich das neue Betriebssystem Blackberry 10 [3] mit einer "großen, globalen Marketing-Kampagne" eingefĂŒhrt werden. Die neuen Modelle wĂŒrden einen besseren Bildschirm als das iPhone 5 haben; und Browsen werde schneller sein als mit irgendeinem anderen Handy, ja sogar schneller als am Desktop. Heins will damit nicht nur bestehende Kunden zum Upgrade bewegen, sondern auch Marktanteile von Android und iOS zurĂŒckgewinnen.

Sorgen bereitet RIM derweil der rĂŒcklĂ€ufige Umsatz je Kunde (ARPU). Einerseits wĂŒrden mehr Kunden gĂŒnstigere Prepaid-Angebote nutzen. Andererseits sind die in RIMs WachstumsmĂ€rkten erzielbaren Preise generell niedriger, als es die Kanadier aus Nordamerika und Westeuropa gewohnt sind.

Bereits am Dienstag hatte RIM den neuen Rekord von 80 Millionen Blackberry-Usern zum 1. September gemeldet. Das bedeutet einen Zuwachs von zwei Millionen in drei Monaten. Insbesondere in SĂŒdostasien verkaufen sich demnach die aktuellen Blackberry-7-GerĂ€te gut. In mehreren LĂ€ndern der Region lĂ€sst RIM nach eigenen Angaben sogar Apples iPhones hinter sich. Aber auch SĂŒdafrika, Nigeria, Saudi Arabien, Venezuela und Großbritannien erfreuen Heins. (jk [4])


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https://www.heise.de/-1719380

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.rim.com
[2] https://www.heise.de/news/Blackberry-Hersteller-RIM-streicht-5000-Stellen-1628570.html
[3] https://www.heise.de/news/RIM-zeigt-Details-zu-BlackBerry-10-1717249.html
[4] mailto:jk@heise.de